Fahrbericht Lexus LC500: Gran Turismo in Reinkultur
Bereits 2012 hatte Lexus eine LC-Studie vorgestellt. Die jetzt auf den Markt für Luxus-Coupés drängende Serienversion ist erstaunlich nah dran an diesem Konzept. Aufregendes, herausforderndes Design statt Langeweile soll Aufbruchstimmung signalisieren. Als V8-Sauger und V6-Hybrid gibt es den Japaner in Deutschland ab 99.200 Euro.
Foto: Frank G. HeideDüsseldorf. Kurze Rückblende ins Jahr 2011: Akio Toyoda musste seinen Ärger schlucken, seine Enttäuschung verbergen. Ausgerechnet bei der Präsentation des neuen GS-Flaggschiffs im amerikanischen Pebble Beach musste sich der frisch gebackene Toyota-CEO anhören, die Fahrzeuge der vor 28 Jahren gegründeten Tochter Lexus seien langweilig.
Die Kritik traf Toyoda schwer. Später vertraute er anderen Topmanagern an, seit diesem Zeitpunkt habe er sich im Kampfmodus befunden. Seine Mission: Lexus soll ein ganz neues Gesicht bekommen. Ein Flaggschiff, das Aufbruch signalisiert, und die geringe Bekanntheit der Marke auf ein neues Level befördert.
Die Früchte dieser Aufbruchstimmung werden in diesen Tagen in die 14 exklusiven deutschen Lexus-Foren gebracht, und man kann Freunden luxuriöser Autos mit potentem Antrieb nur empfehlen, sich für den neuen LC500 etwas Zeit zu nehmen: Ein Gran Turismo in Reinkultur, dessen Materialien und Verarbeitungsdetails von S-Klasse-Fahrern anerkennend getätschelt werden. Und das Flaggschiff kommt zu einem Preis, der im Luxus-Segment aufhorchen lässt.
Erstaunlich viele Designelemente des Concept Cars wurden in das luxuriöse Serienmodell übernommen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Foto: Frank G. HeideDie Linienführung des nur 1,34 Meter hohen LC ist scharf. Extrem scharf.
Foto: Frank G. HeideDer Lexus LC500 zeigt neben markanten Sicken auf der langen Motorhaube vor allem den gigantischen Diabolo-Kühlergrill als Markengesicht und völlig neu gestaltete LED-Scheinwerfer an Heck und Front, die wirklich großen Eindruck schinden.
Foto: Frank G. HeideDer kleine Automatik-Wahlhebel mit extrem kurzen Wegen liegt gut in der Hand. Der Arm des Fahrers ruht auf einer gewaltigen Mittelkonsole. Die beinhaltet auch ein sensibles Trackpad für die Bedienung des Multimedia-Infotainments. Wekches während der Fahrt kaum fehlerfrei zu bedienen ist. Ein besonderes Highlight ist aber die belederte Wange mit der Griffmulde für den Beifahrer.
Foto: HerstellerBereits 2012 hatte Lexus eine LC-Studie vorgestellt. Die jetzt auf den Markt für Luxus-Coupés drängende Serienversion ist erstaunlich nah dran an diesem Konzept. Aufregendes, herausforderndes Design statt Langeweile soll Aufbruchstimmung signalisieren. Als V8-Sauger und V6-Hybrid gibt es den Japaner in Deutschland ab 99.200 Euro.
Foto: Frank G. HeideAn einem Mangel an Knöpfchen, Reglern und Schaltern wird sich im LC niemand beklagen können. Bis auf das Trackpad in der Mittelkonsole ist aber auch während der Fahrt alles leicht zu bedienen und sinnvoll gruppiert. Ungewöhnlich ist die Position der beiden Drehschalter für die Fahrmodi, die wie kleine Hörner jeweils seitlich aus dem Cockpit herausragen. Sie sind aber sehr gut zu erreichen.
Foto: Frank G. HeideDas Niveau der Verarbeitung und die Materialauswahl sind Spitzenklasse, was man bei Preisen bis zu rund 114.000 Euro mit allen Extras an Bord auch erwarten darf. Dass sich Lexus daneben viel Raum zur Entfaltung außergewöhnlicher, teils exotischer Details gibt, macht den LC zu einem Gran Turismo für echte Genießer.
Foto: HerstellerZehn verschiedene Kombinationen von Leder, Alcantara und Semi-Anilin-Leder stellt Lexus zur Auswahl, in Kombination mit bislang 13 Außenfarben. Verarbeitung und Materialauswahl wird auch Fans von 7er-BMW, Mercedes S-Klasse und Audi A8 zufriedenstellen.
Foto: Frank G. HeideZugunsten einer klaren Linie verzichten die Designer auf unnötige Schnörkel oder angebaute Spoiler.
Foto: Frank G. HeideDie Aufteilung ist so klassisch wie das Motor-Format: Der 5 Liter große V8 liegt vorne, der Antrieb erfolgt nur auf die Hinterräder.
Foto: Frank G. HeideIm Blick des Fahrers liegen nicht nur die semitransparent eingeblendeten Informationen eines riesigen Head-up-Displays, sondern – eine Etage tiefer – auch die des Kombiinstruments aus Tacho, Drehzahlmesser und Bordcomputer-Display.
Foto: Frank G. HeideIn dieser Innenansicht aus dem LC500-Hybrid-Cockpit sieht man, dass die zentrale Displayeinheit nach rechts rückt, um den Blick auf andere Funktionen frei zu geben, die der Fahrer gerade vom Bordcomputer abgefragt hat. Ein verspieltes, aber nettes Gimick, das man so auch aus dem limitierten Supersportwagen Lexus LFA kennt.
Foto: Frank G. HeideRein äußerlich und beim Preis kann man den V8-Benziner und den V6-Hybrid kaum unterscheiden. Während der V8 mit 477 PS sich als klassischer Gran Turismo für verwöhnte Genießer präsentiert, ist der Hybrid mit 299 PS eher was für technisch Neugierige. Beide haben aber das gleiche, neuentwickelte Zehngang-Getriebe.
Foto: Frank G. HeideSerienmäßig trägt der LC Felgen der Größe 20 Zoll, als Extra und für die gier abgebildete Performance-Variante gibt es aaber auch Schmiedefelgen im exklusiven Design in 21 Zoll. Die Michelin-Pilot-Sport-Bereifung misst 245/40 vorn und 275/30 hinten.
Foto: Frank G. HeideDer Diabolo genannte Kühlergrill wirkt auf manche Betrachter aggressiv, doch zum LC passt er perfekt. Galt Lexus noch vor wenigen Jahren als Produzent eher biederer Fahrzeuge, haben die Japaner das Ruder nun ziemlich herumgerissen.
Foto: Frank G. HeideDie Türgriffe mit integriertem Lexus-L sind bündig in die Karosserie versenkt, bis man sie braucht. Was schlank und elegant aussieht und einen aerodynamischen Vorteil bietet. Da sie für ihr Entgegenkommen und Verschwinden jeweils eigene Stellmotoren brauchen, treiben sie aber auch das Gewicht nach oben.
Foto: Frank G. HeideUm eine gute Balance zu erzielen, verlegten die Lexus-Ingenieure Motor und Antriebsstrang im neu entwickelten Chassis nach unten und hinten. Die Hüfte des Fahrers liegt genau in der geometrischen Mitte des Autos, die Gewichtsverteilung beim V8 ist 52 zu 48 Prozent (v/h).
Foto: Frank G. HeideAufmerksamkeit von Passanten sichert das Heck dem LC: Zum Beispiel durch scheinbar verspiegelte Rückleuchten, die extrem aus der Karosse herausragen.
Foto: Frank G. HeideDer LC ist nur 1,34 Meter hoch, die Sitzposition des Fahrers angenehm tief im Fahrzeug integriert. An der Front sorgt der verchromte "Diabolo"-Grill für einen aggressiven Auftritt. Er wird flankiert von dreieckigen Scheinwerfern mit LED-Projektoren. Die von mattem Aluminium umrahmten Leuchteinheiten laufen bis weit nach unten in die Stoßstange aus, was der Frontpartie einen Säbelzahntiger-Look verleiht.
Foto: Frank G. HeideWer das erste Mal in den neuen LC einsteigt, der kann sich zunächst minutenlang gar nicht satt sehen an vielen ungewöhnlich liebevoll gemachten Details, die nicht nur hohe Handwerkskunst signalisieren, sondern vor allem im Fall des LC eine Botschaft vermitteln sollen: Lexus macht es anders als die anderen.
Foto: Frank G. HeideWer möchte, wählt für seinen LC in der Optionsliste das Carbondach aus, das den ohnehin niedrigen Schwerpunkt des Wagens noch mal fördert.
Foto: Frank G. HeideDer V8-Sauger holt aus 5 Liter Hubraum 477 PS bzw. bis zu 540 Newtonmeter Drehmoment. Das reicht, um den rund 1.970 Kilo schweren LC in 4,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 zu befördern. Bei Tempo 270 ist Schluss mit der Raserei. Die Daten sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen: Der LC ist kein Sportwagen. Dazu ist er unter anderem zu schwer, mit knapp zwei Tonnen.
Foto: Frank G. HeideZwar genießt man im Lexus LC500 zunächst mal die Ruhe, denn außer dem V8 ist innen oft nur das Abrollen der riesigen Räder zu hören. Doch es geht auch anders. Dank nicht weniger als 13 potenten Lautsprechern einer feinen Audioanlage der noblen Harman-Kardon-Tochter Mark Levinson. Inklusive Subwoofer und Surroundsound, natürlich.
Foto: HerstellerBesonders edle Carbon-Einstiegsleisten finden sich ebenfalls in der Optionsliste
Foto: Frank G. HeideWie bei einem sportlichen Coupé in der obersten Preisklasse zu erwarten, wurde der Unterboden aus aerodynamischen Gründen komplett verkleidet. Die ausgestellten Lufteinlässe vor den mächtigen hinteren Kotflügeln sorgen für Abtrieb und besseres Handling. Bedeutsamer dürfte dafür aber die aktive Hinterachslenkung sein, die der Performance-Variante vorbehalten bleibt.
Foto: Frank G. HeideDer LC hört nicht einfach irgendwie auf, das gewaltige Hinterteil ist mustergültig ins neue, gewagtere Design integriert. Bei der V8-Version kommt aus den beiden verchromten Blenden unten auch ordentlich Musik, aber das eigentliche Highlight sind die extrem aufwändig gestalteten Heckleuchten.
Foto: Frank G. HeideExtrem versteift und schön wie ein kleines Kunstwerk: Die spezielle Bauart der Federdomköpfe aus Aluminiumguß.
Foto: Frank G. HeideBlick auf einige Testwagen-Details
Foto: Frank G. HeideBlick auf einige Testwagen-Details
Foto: Frank G. HeideBlick auf einige Testwagen-Details
Foto: Frank G. HeideKurze Überhänge, eine lange Motorhaube, das fließend auslaufende Carbon-Dach, mächtige 21 Zoll-Räder und breite Hüften sorgen für ein unverkennbares Profil. Wenn die beachtliche Länge von 4,77 Metern und das Gewicht von knapp zwei Tonnen nicht wären, würde das 2+2-Coupé fast als reinrassiger Sportler durchgehen.
Foto: Frank G. Heide
Dieser neueste Herausforderer von S-Klasse Coupé, BMW 6er, Aston Martin DB11 und Jaguar F-Type hat nicht nur das Potenzial, die geplante Markentransformation zu stemmen, er bringt auch als völlige Neuentwicklung alle Stärken mit, die Lexus-Kunden bisher schätzten. Außer Langeweile. An deren Stelle ist das herausragende Design getreten.
Denn verstecken kann sich mit diesem flach auf den Asphalt geduckten (1,34 m Höhe) und mit gewaltigen, geschmiedeten 21-Zöllern bestückten Zweitürer niemand. Der Wagen hat eine so gewaltige Außenwirkung, dass selbst auf steilen Graubündener Pass-Sträßchen bergauf strampelnde Radfahrer noch eine verschwitzte Hand von der Lenkstange nahmen, um kurz den Daumen zu recken.
Der gigantische Diabolo-Kühlergrill, die endlos lange, von vier markanten Sicken durchzogene Motorhaube, die futuristisch-zackig gestalteten LED-Scheinwerfer, ein fließend auslaufendes Carbondach auf dem knackigen Greenhouse und das breite, muskulöse Heck, das zieht zwangsläufig Blicke an.
Reihenweise zücken Carspotter die Handys, um schnell ein Foto zu schießen, während andere noch über das „L“ im Logo rätseln. „Was ist das denn für einer?“ Und „Wahnsinn, das soll ein Lexus sein?“ könnte man hören, wenn man nicht zwanghaft dem V8 lauschen müsste.
Der kleine Automatik-Wahlhebel mit extrem kurzen Wegen liegt gut in der Hand. Der Arm des Fahrers ruht auf einer gewaltigen Mittelkonsole. Die beinhaltet auch ein sensibles Trackpad für die Bedienung des Multimedia-Infotainments. Wekches während der Fahrt kaum fehlerfrei zu bedienen ist. Ein besonderes Highlight ist aber die belederte Wange mit der Griffmulde für den Beifahrer.
Foto: Hersteller
Das Triebwerk ist eines der wenigen bekannten Bauteile aus dem Lexus-Regal, treibt schon LS-F und GS an. Mit 477 PS und 540 Newtonmeter Drehmoment hat der aufgrund vieler Luxus-Einbauten fast zwei Tonnen schwere LC500 die Chance, aus dem Stand schon nach 4,7 Sekunden Tempo 100 zu erreichen, Spitze 270 ist ebenfalls machbar. Vorausgesetzt man will ihm das wirklich abverlangen. Was in der Realität wohl nur wenige hin und wieder mal tun werden.
Der LC500 basiert eher auf der souveränen Stärke, die eben nur die aussterbende Gattung der frei atmenden V8 noch kultiviert: Es fährt sich sehr souverän und relaxt. Mit dem Gefühl, man könnte jederzeit, wenn man wollte. Aber man muss ja nicht. Und cruist einfach entspannt weiter.
Der V8 beherrscht das ganze Konzert. Er kann sanft blubbern, hintergründig sprotzeln, und krawallig ballern. Unter Vollast im Sport+-Modus klingt er, als würde er 8 von 10 Gängen bei knapp 7.000 Umdrehungen verächtlich ins Getriebe hineinspucken. Der Fahrer lacht sich eins, während die Tiere des Waldes die Flucht ergreifen vor den Kanonenschlägen, die aus dem Klappenauspuff schießen.
Rein äußerlich und beim Preis kann man den V8-Benziner und den V6-Hybrid kaum unterscheiden. Während der V8 mit 477 PS sich als klassischer Gran Turismo für verwöhnte Genießer präsentiert, ist der Hybrid mit 299 PS eher was für technisch Neugierige. Beide haben aber das gleiche, neuentwickelte Zehngang-Getriebe.
Foto: Frank G. Heide
Das muss natürlich nicht sein, man schöpft ja Drehmoment aus vollen fünf Liter Hubraum. So säuselt der LC extrem ruhig und tief, etwa, wenn man im Eco-Modus auf Gangstufe 10 mit weniger als 1500 Touren Tempo 120 hält.
Im Comfort-Modus war bei Tempo 70 bis 90 sogar nur das Abrollgeräusch der 245er- und 275er-Michelin-Sportbereifung zu hören, so entspannend leise rollte der 4,77 Meter lange Wagen ab. Ideal für lange Reisen und unangestrengte Konversation an Bord.
Das Niveau der Verarbeitung und die Materialauswahl sind Spitzenklasse, was man bei Preisen bis zu rund 114.000 Euro mit allen Extras an Bord auch erwarten darf. Dass sich Lexus daneben viel Raum zur Entfaltung außergewöhnlicher, teils exotischer Details gibt, macht den LC zu einem Gran Turismo für echte Genießer.
Foto: Hersteller
Zehn verschiedene Kombinationen von Leder, Alcantara und Semi-Anilin-Leder stellt Lexus zur Auswahl, in Kombination mit bislang 13 Außenfarben. Verarbeitung und Materialauswahl wird auch Fans von 7er-BMW, Mercedes S-Klasse und Audi A8 zufriedenstellen.
Foto: Frank G. Heide
Beherrschbar macht den Leistungsüberschuss ein Getriebe, das im Serienbau bislang einmalig ist: Eine eigens für das neue Flaggschiff entwickelte Zehngang-Automatik, die sich aber auch per Paddles am Lenkrad verwalten lässt. Von Menschen, die gerne alle Hände voll zu tun haben.
So gut die Automatik bei unseren Testfahrten stets die richtige Gangstufe traf und spontane Beschleunigungswünsche auch aus dem „Comfort“-Modus heraus stets unmittelbar umsetzte, so schwer tut man sich andererseits mit dem manuellen Modus: Nur in „Sport+“ machte er Sinn und Spaß, und der LC500 ist nun mal kein Racer, er ist ein Gran Turismo.
Unter Volllast knallte der Wagen die Gänge 2 bis 8 stakkatoartig – „bäm bäm bäm“ – nach oben durch. Vor der nächsten Kurve von Hand vier oder fünf Gänge runterzuschalten, das ist aber einfach zu viel Arbeit.
Und dann bemerkt man plötzlich den Fehler beim Umschalten von manuell auf Automatik: Das geht gar nicht direkt, sondern nur über einen qualvoll phlegmatischen Umweg, sprich Leistungs-Zwangspause im Leerlauf. Da sollten die Ingenieure noch mal ran.
Im Blick des Fahrers liegen nicht nur die semitransparent eingeblendeten Informationen eines riesigen Head-up-Displays, sondern – eine Etage tiefer – auch die des Kombiinstruments aus Tacho, Drehzahlmesser und Bordcomputer-Display.
Foto: Frank G. Heide
Nichts zu meckern gibt’s bei der Lenkung, aber dann doch wieder bei den adaptiven Dämpfern: Selbst wenn man vom komfortabelsten zum härtesten der fünf Fahrtmodi wechselt, spüren weder Fahrer noch Beifahrer, dass sich das Fahrzeug wie versprochen straffen würde. Andererseits ist das leicht zu verschmerzen, denn die Straßenlage ist sehr satt, richtig breit und lang und unerschütterlich fühlt sich der Wagen an.
In der von uns getesteten Performance-Variante (für ca. 114.000 Euro), die wohl auch die meistverkaufte Version am deutschen Markt werden dürfte, greift noch eine optionale aktive Hinterachslenkung ins Geschehen ein und „verkürzt“ den Wagen bei flotten Lenkmanövern am Lenkrad gefühlt um einen guten Meter.
Auf der Bremse und in sehr engen Kurven spürt man ab und zu das hohe Gewicht, spätestens bei Herausbeschleunigen zaubert der wunderbar linear am Gas hängende V8 aber wieder ein Lächeln ins Gesicht.
Der LC hört nicht einfach irgendwie auf, das gewaltige Hinterteil ist mustergültig ins neue, gewagtere Design integriert. Bei der V8-Version kommt aus den beiden verchromten Blenden unten auch ordentlich Musik, aber das eigentliche Highlight sind die extrem aufwändig gestalteten Heckleuchten.
Foto: Frank G. Heide
Und das bleibt für lange, lange Zeit. Die braucht man, um all die Feinheiten angemessen zu bewundern, die Lexus in den Innenraum hineingebaut hat. Dickes Leder und superexakte Ziernähte in Kontrast zu schmeichelweichem Alcantara, kombiniert mit matt gefinishtem Aluminium, klar, das können andere in dieser Preisklasse auch. Aber vieles ist exklusiv und verführerisch zugleich.
Herausragende Beispiele sind der Sitzkomfort der mehrstufig beheizten und gekühlten Sportsitze, deren ausufernd geformte Wangen uns zwar souverän festhalten, die aber auch 100 Prozent langstreckentauglich sind.
Dazu kommt auf der Beifahrerseite eine wie ein Leder-Raumteiler hochgezogene Seitenwange mit wunderschöner Griffmulde. Ihr Gegenstück ruht in der Türinnenverkleidung. Man kann sich hier prima festhalten, wenn der Fahrer mal die Kuh fliegen lässt, aber diese Dinger sind auch einfach so total bequem und so etwas hat sonst niemand auf der Welt.
Die Türgriffe mit integriertem Lexus-L sind bündig in die Karosserie versenkt, bis man sie braucht. Was schlank und elegant aussieht und einen aerodynamischen Vorteil bietet. Da sie für ihr Entgegenkommen und Verschwinden jeweils eigene Stellmotoren brauchen, treiben sie aber auch das Gewicht nach oben.
Foto: Frank G. Heide
Weitere ungewöhnliche Dinge, die den LC eher jetzt schon als Klassiker der Zukunft erscheinen lassen, denn als Alltagsauto, umfassen etwa die teilweise verspiegelten Rückleuchten, an deren extremer Gestaltung man sich gar nicht satt sehen kann. Unter der Motorhaube warten aus Aluminium gefräste Federdomköpfe, deren extrem versteifende Streben wie kleine Kunstwerke wirken.
Um eine gute Balance zu erzielen, verlegten die Lexus-Ingenieure Motor und Antriebsstrang im neu entwickelten Chassis nach unten und hinten. Die Hüfte des Fahrers liegt genau in der geometrischen Mitte des Autos, die Gewichtsverteilung beim V8 ist 52 zu 48 Prozent (v/h).
Foto: Frank G. Heide
In der Mittelkonsole ruht ein modernes, aber leider hypersensibel reagierendes Trackpad und hofft, dass jemand seine 1001 Funktionen erlernt, von denen man während der Fahrt aber besser die Finger lässt. Oder man befeuert einfach die Mark-Levinson-Anlage, deren 13 High-End-Lautsprecher das Zeug haben, sogar den V8 an die Wand zu spielen.
Die Aufteilung ist so klassisch wie das Motor-Format: Der 5 Liter große V8 liegt vorne, der Antrieb erfolgt nur auf die Hinterräder.
Foto: Frank G. Heide
Der V8-Sauger holt aus 5 Liter Hubraum 477 PS bzw. bis zu 540 Newtonmeter Drehmoment. Das reicht, um den rund 1.970 Kilo schweren LC in 4,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 zu befördern. Bei Tempo 270 ist Schluss mit der Raserei. Die Daten sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen: Der LC ist kein Sportwagen. Dazu ist er unter anderem zu schwer, mit knapp zwei Tonnen.
Foto: Frank G. Heide
Ist noch Zeit, die komplett in die Außenhaut integrierten Türgriffe zu loben, die ähnlich wie bei Tesla automatisch heraus- und hereinfahren? Und das kaskadenförmig in Ebenen unterteilte Armaturenbrett? Oder den volldigitalen Tacho, dessen „Gehäuse“ - wie im legendären LFA - komplett zur Seite schwenkt, wenn bestimmte andere Display-Details abgerufen werden?
Oder das für Menschen zwar zu kleine, aber für Gepäck wiederum viel zu edle Heckabteil, in dem wir keinen Quadratzentimeter Kunststoff entdeckt haben, sondern nur Leder, Lautsprecher, Alcantara? Oder eines der größten Head-up-Displays im modernen Serienfahrzeugbau?
Zugunsten einer klaren Linie verzichten die Designer auf unnötige Schnörkel oder angebaute Spoiler.
Foto: Frank G. Heide
Ja, so viel Zeit muss definitiv sein. Denn der LC ist ein Gran Turismo für Genießer. Die können sich stundenlang in liebenswerten Details vertiefen, das Coupé bietet selbst Verwöhnten sehr viel.
Und der Preis? Eine weitere Überraschung. Schon bei 99.200 Euro starten sowohl der V6-Hybrid, der LC500h heißt, als auch der getestete LC500 mit V8-Sauger. Bis rund 114.000 Euro lassen sich Verfeinerungen und Extras ordern. 6.000 Autos pro Jahr kann Lexus ab 2018 liefern, global gesehen.
Die meisten werden, wie für die Marke üblich, nach Russland, USA, und Großbritannien gehen. Für Deutschland gibt es dieses Jahr nur 130 Fahrzeuge, und sie könnten schnell vergriffen sein. Für die anvisierte Klientel wird es mindestens das dritte Fahrzeug in der Mehrfachgarage sein.
Man kann nicht nur, man muss Akio Toyoda und Chef-Entwickler Koji Sato gratulieren zu diesem LC. Das Kürzel steht für Luxury Coupé, intern hieß es aber immer Lexus Challenge, weil es die Aufbruchstimmung der Marke signalisieren muss.
Und nun sitzt und fährt man nicht nur in diesem GT, man schwelgt. In Luxus, der sich nicht aufdrängt, und in Leistung, mit der man nicht protzen muss. Man genießt die Blicke der anderen, wird gerne gesehen mit diesem sportlichen Coupé. Es ist für Lexus das perfekte neue Gesicht. Man schaut es an, und fragt sich, wie diese Marke jemals langweilig sein konnte.