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Northrop GrummanAufrüsten in der Raketentechnik

Milliarden-Deal in der Rüstungsbranche: Northrop Grumman kauft den Raketenhersteller Orbital ATK. Der Rüstungskonzern zahlt 6,5 Milliarden Euro – und hofft vom gestiegenen Militärbudget unter Trump zu profitieren.Thomas Jahn 18.09.2017 - 13:58 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Für Northrop wäre die Übernahme eine der größten Akquisitionen der vergangenen Jahre.

Foto: Reuters

New York. Im Wettbewerb um neue Rüstungsaufträge im Heimatmarkt verstärkt sich der US-Konzern Northrop Grumman mit einer Großübernahme. Rund 7,8 Milliarden Dollar in bar legt das Unternehmen für Orbital ATK auf den Tisch, einen Spezialisten für Raketentechnik. Es sei „ein aufregender strategischer Schritt“, sagte Wes Bush, Vorstandschef von Northrop.

Bei dem Schritt haben möglicherweise auch die jüngsten Raketentests in Nordkorea eine Rolle gespielt. Orbital ATK stellt Motoren und zahlreiche andere Teile für Systeme her, die unter anderem auch für die Abwehr von Atomraketen eingesetzt werden können. Mit solchen Systemen wollen sich die USA verstärken. Daneben ist das Unternehmen für seine Satellitentechnik bekannt. „Northrop dringt viel weiter in den Weltraum vor“, sagte Philip Finnegan, Direktor der Branchenberatung Teal.

Die Luftfahrt- und Rüstungsindustrie befindet sich mitten in einer Übernahmewelle. Erst vor wenigen Tagen verkündete United Technologies, für 23 Milliarden Dollar Rockwell Collins zu übernehmen – einer der größten Deals in der Branche. Orbital ATK ist selbst 2015 erst durch die Fusion von Alliant Techsystems und Orbital Sciences entstanden.

Der US-Konzern hat vor zwei jahren den Aufstieg in die Reihe der zehn größten Waffenhersteller geschafft. Allerdings hat das Unternehmen aus New York 2015 in der Rüstungssparte mit 8,8 Milliarden US-Dollar etwas weniger Umsatz gemacht als im Vorjahr. L-3 liefert vor allem Kommunikationssysteme und Navigationssysteme an das Militär. Außerdem stellt der Konzern Körperscanner für Flughäfen her.

Quelle: SIPRI Arms Industry Database

Foto: Screenshot Youtube

Die Italiener bauen Flugzeuge, Hubschrauber, Panzer und Schiffsgeschütze, aber auch den Hochgeschwindigkeitszug ETR 500. Mit einem Umsatz von 9,3 Milliarden Dollar in der Militärsparte ist Finmeccanica nicht nur im internationalen Waffenmarkt bedeutend, die Firma ist auch zweitgrößter Arbeitgeber Italiens.

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US-Unternehmen dominieren die Top Ten der weltweit größten Rüstungsfirmen. Der Mischkonzern United Technologies hat mit seiner Militärsparte im vergangenen Jahr 9,5 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftet. Damit konnte das Rüstungsunternehmen nicht an das starke vergangene Jahr anknüpfen – auch, weil die Hubschraubersparte Sikorsky Mitte 2015 für 9 Milliarden Dollar an Lockheed Martin verkauft wurde. United Technologies dürfte so 3 Milliarden Dollar an jährlichen Rüstungsumsätzen einbüßen.

Foto: Reuters

Fast wäre aus Airbus, der ehemaligen EADS, und der britischen BAE der größte Rüstungskonzern der Welt geschaffen worden. Doch die Fusion platzte. Das europäische Unternehmen, an dem Deutschland, Frankreich und Spanien künftig direkt beteiligt sind, kommt allein auf Platz sieben im Sipri-Ranking. Im Jahr 2015 standen Umsätze im Militärbereich von 12,9 Milliarden Dollar zu Buche – gut 700 Millionen mehr als im Vorjahr.

Foto: dapd

Flugzeuge, Fahrzeuge und Schiffe für den militärischen Bedarf stellt General Dynamics her. Rund 60 Prozent des Umsatzes werden mit Kriegsgütern gemacht. 2015 konnte GD deb Umsatz mit der Rüstungssparte weiter steigern – und zwar auf 19,2 Milliarden US-Dollar.

Foto: dapd

Das US-Unternehmen bedient mit seinen Produkten die Schiff-, Luft- und Raumfahrt. Der Militärbereich macht mit 20 Milliarden Dollar über 80 Prozent der Umsätze aus. Bekanntestes Produkt ist der Tarnkappenbomber B-2.

Foto: ap

Ganz auf Militärprodukte ist das Unternehmen aus Waltham (US-Bundesstaat Massachusetts) spezialisiert. 94 Prozent seines Umsatzes macht Raytheon mit Kriegsgerät. Im Jahr 2015 waren es 21,8 Milliarden Euro. Raketen und Radar-Systeme gehören zu den bekanntesten Produkten. Raytheon stellt auch das Raketenabwehrsystem Patriot her.

Foto: dpa

Der größte Rüstungskonzern Europas erzielte im Jahr 2015 einen Umsatz von 25,5 Milliarden Dollar im militärischen Bereich. Das waren 93 Prozent des Gesamtumsatzes. Damit ist BAE Systems im weltweiten Ranking auf Rang drei.

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Der nach Auslieferungen größte Flugzeugbauer der Welt findet sich im Sipri-Ranking mit einem Umsatz von 28 Milliarden Dollar auf Platz zwei wieder. Boeing baut hauptsächlich Militärflugzeuge aller Art wie Kampf- und Jagdflugzeuge, Bomber und Tankflugzeuge. Aber auch Waffensysteme und Raketen gehören zur Produktpalette. Die Waffengüter machen knapp ein Drittel des Konzernumsatzes aus.

Foto: AFP

Lockheed Martin bleibt der größte Kriegsgeräte-Hersteller der Welt. Im Jahr 2015 stand im Militärbereich des US-Unternehmens ein Umsatz von 36,4 Milliarden Dollar in den Büchern. 79 Prozent der Konzernumsätze sind dem Militärsegment zuzurechnen. Lockheed Martin stellt Jagdflugzeuge wie den F-35, aber auch Aufklärungs- und Transportflugzeuge her. Daneben gehören unbemannte Drohnen und Raketen zum Produktprogramm. Deutsche Unternehmen sind nicht in den Top Ten der Sipri-Rangliste zu finden, machen aber auch große Umsätze, wie im folgenden zu sehen sein wird.

Foto: Reuters

840 Millionen Dollar Umsatz hat Krauss-Maffei Wegmann (KMW) nach den Sipri-Zahlen im Rüstungsgeschäft gemacht. Damit das Unternehmen noch einmal um einen Rang abgefallen. Das 1999 aus Krauss Maffei und der Mannesmann-Tochter Wegmann entstandene Unternehmen ist einer der Hauptlieferanten der Bundeswehr. Der Konzern ist mittlerweile mit dem französischen Konzern Nexter fusioniert, der sich immerhin auf Platz 63 durchgekämpft hat.

Foto: dpa

Thyssen-Krupp konnte die Umsätze seiner Rüstungssparte im Vergleich zu 2014 nicht steigern und stagniert bei 1,9 Milliarden Euro. Im Sipri-Ranking geht es dementsprechend um 6 Plätze nach unten. Allerdings machen Waffengeschäfte lediglich vier Prozent des gesamten Konzernumsatzes aus.

Foto: dapd

Die größte deutsche Rüstungsfirma ist Rheinmetall. Mit Umsätzen von 2,9 Milliarden Dollar im Militärbereich machen Waffengüter 50 Prozent des Gesamtgeschäfts von Rheinmetall aus. Panzer, Flugabwehrsysteme und Munition gehören unter anderem zum militärischen Produktprogramm. Rheinmetall ist einer der Hauptlieferanten der Bundeswehr. Die übrigen 50 Prozent des Umsatzes generiert das Unternehmen als Autozulieferer.

Foto: dpa

Noch vor wenigen Jahren waren die Aussichten der Branche weniger gut. Doch steigen die Rüstungsausgaben weltweit wieder, nicht zuletzt in den USA. Präsident Donald Trump möchte zahlreiche Haushaltsposten drastisch kürzen, will aber dem Pentagon mit 603 Milliarden Dollar rund 54 Milliarden Dollar mehr zur Verfügung stellen als im Vorjahr. Der Vorschlag ging dem wichtigen Rüstungsausschuss im Senat nicht weit genug, der eine Erhöhung auf 640 Milliarden Dollar vorsieht.

Ein großer Kostenpunkt im Rüstungsetat und möglicherweise ein wichtiges Programm für Northrop ist die Modernisierung der Interkontinentalraketen und Marschflugkörper. Sie soll in der ersten Phase 85 Milliarden Dollar kosten. Erst vor wenigen Wochen sortierte das Pentagon Lockheed Martin aus, im Rennen sind nur noch Boeing und Northrop. Letztere rechnen sich jetzt bessere Chancen mit der Technik von Orbital aus.

Weltweiter Anstieg der Militärausgaben

Das große Wettrüsten – und wer davon profitiert

Schon beim letzten Megaprojekt der US-Luftwaffe setzte sich Northrop durch. Das Pentagon will 100 Langstreckenbomber B-21 – Spitzname „Der Plünderer“ – bauen. Das Flugzeug soll einer Radarerfassung entgehen können. Der Auftrag hat ein Volumen von 80 bis 100 Milliarden Dollar. „Was wir dem Militär liefern, muss weitaus leistungsfähiger sein als die Dinge, an die andere Armeen in der Welt erst zu denken anfangen“, sagt Bush.

Die Übernahme von Orbital ATK bedeutet eine Zäsur in der Strategie von Northrop, die bislang mehr auf Verschlankung und Aktionärsrendite zielte. In den vergangenen drei Jahren kaufte der Konzern rund ein Viertel seiner eigenen Aktien zurück. 2009 und 2011 spaltete der amerikanische Konzern mehrere Töchter vom Konzern ab, so etwa einen Spezialisten für Kriegsschiffe und nuklear‧getriebene Flugzeugträger.

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Mit Orbital ATK – das zuletzt 4,4 Milliarden Dollar erlöste – stößt Northrop im Gesamtumsatz jetzt zu den Marktführern Lockheed Martin und Boeing auf und lässt Anbieter wie General Dynamics oder Raytheon hinter sich.

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