„Der Zukunftsfonds“: Ein Promi-Fonds mit vielen Fragezeichen
Ihr Projekt hat bislang nur mäßig Erfolg.
Foto: Anatol Kotte/laifFrankfurt. Das Duo startete mit großen Erwartungen: Der Plan von Leonhard Fischer und Kai Diekmann war es, mit dem „Zukunftsfonds“ den Anlagemarkt aufzumischen. Eine Alternative zum Sparbuch in Tiefzinszeiten, so lautete das Programm des Starbankers und des ehemaligen Chefredakteurs der „Bild“-Zeitung. Im November wurde der Fonds, ein rein digital angebotenes Produkt, aufgelegt. Doch das Startkapital ist seitdem kaum gewachsen.
In den vergangenen zweieinhalb Monaten investierten Anleger über die extra für das Projekt gegründete Deutsche Fondsgesellschaft (DFG) lediglich circa 2,5 Millionen Euro. Das Gesamtkapital liegt jetzt bei 14,5 Millionen Euro. „Ich bin nicht unzufrieden, wir sind ja erst seit kurzer Zeit wirklich am Markt“, sagt Fischer, einstmals jüngster Vorstand der Dresdner Bank, auf dem Banken-Gipfel des Handelsblatts. Bislang steht der Ratingagentur Morningstar zufolge unterm Strich ein Verlust von 1,4 Prozent – das ist kritisch, meinen Experten. Die Verantwortlichen hingegen glauben weiter fest an den Erfolg ihres Projekts.
„Er steht im Gegensatz zur Verkaufsstory, auch wenn die Initiatoren einen Risikohinweis geben“, sagt Matthias Hübner, Fondsexperte bei der Beratungsfirma Oliver Wyman, über den Promi-Fonds. Ein Sparbuch habe schließlich keine negative Rendite.
„Die Wertentwicklung in dem zugegebenermaßen schwierigen Marktumfeld kann nicht zur Begeisterung der Kunden beitragen“, meint auch Detlef Glow, Analyst beim Fondsresearchhaus Lipper. Offiziell kündigt das Promi-Duo eine langfristige Zielrendite von jährlich zwei bis vier Prozent nach Kosten an. Als Kosten fallen aus Sicht der Anleger jährlich 1,4 Prozent an. Ziel des Fonds sind neben diesen Erträgen auch geringe Wertschwankungen.
Das Fondskapital ist bisher nur zu einem Viertel in Aktien, Anleihen und eine kleine Goldposition investiert. Der überwiegende Teil steckt in Festgeldern. „Die Kurse an den Finanzmärkten schwanken stark und bieten nur geringe Erträge“, erklärt Volker Schilling die momentan niedrige Anlagequote.
Der Chef des Vermögensverwalters Greiff Capital Management ist verantwortlich für die Investitionspolitik. „Ein positives Ergebnis bei der Wertentwicklung wäre mir auch lieber, aber wir sind trotzdem ganz gut dabei“, sagt er. Einige der Fondsaktien wie Equinor, Paypal oder Wirecard seien immerhin ansprechend gelaufen. Die geringe Aktienquote von knapp sieben Prozent ist Schilling zufolge nur temporär: „Wenn sich die Märkte stabilisieren, werden wir den Anteil erhöhen.“
Trotz seines speziellen Zuschnitts sehen manche Experten den neuen Fonds als einen eher typischen Mischfonds, der aus verschiedenen Vermögensformen zusammengesetzt ist. „Von solchen Produkten gibt es rund 2000“, sagt Jan Altmann, Gründer der Beratungsfirma 4assetmanagement.
Darunter sind immerhin noch etwa 300 Fonds mit defensiver Ausrichtung wie das neue Angebot. Altmann urteilt ähnlich wie Hübner: „Brauchen die Anleger noch einen weiteren Mischfonds bei dem schon bestehenden Überangebot? Eher nein.“
Die Skepsis entzündet sich auch am reinen Onlineansatz. „Die Vorstellung, dass jemand am Wochenende auf dem Sofa sitzt und per Bildschirm sein Geld dirigiert, trifft in der Praxis nur auf wenige Menschen zu“, meint Hübner. Durch die bescheidenen Absatzzahlen sieht er sich bestätigt.
Es gebe schließlich ein doppeltes Problem: Die Kunden müssten finanzaffin sein und gleichzeitig digital ansprechbar. Doch die Jungen hätten oft wenig Geld, während die Älteren mit Geld gegenüber der Onlinewelt weniger aufgeschlossen seien. „Die Schnittmenge ist eher klein“, meint Hübner.
Im Kreise der digitalen Vermögensverwalter wird die Lage ähnlich eingeschätzt. „Die klassischen Sparbuchkunden brauchen noch den stationären Vertrieb“, sagt ein Experte aus dieser Branche. „Ohne Vertriebspartner ist es schwierig, genau das sieht man an den Mittelzuflüssen“, sagt Glow von Lipper.
Falsche Zielgruppe erschwert den Absatz
Nach Ansicht eines anderen Fachmanns wenden sich die Initiatoren des Zukunftsfonds der falschen Kundengruppe zu. Für digitale Geldanlage ansprechbar seien eher die an Finanzthemen und Technik Interessierten mit überdurchschnittlicher Ausbildung. Und Promis wie Diekmann und Fischer würden hier nicht ziehen.
So denkt auch Jan Altmann: „Sind die beiden wirklich so prominent in einer breiteren Öffentlichkeit, dass man deswegen einen Fonds kaufen würde? Wohl nicht.“ Für ihn ist die aktuelle Lagebeurteilung wenig überraschend. „Viele Experten glaubten vorher, das Projekt werde nicht funktionieren, und bis jetzt funktioniert es tatsächlich nicht.“
Zu dieser Einschätzung passt laut einem Vermögensverwalter auch der bisherige Absatzerfolg: „Die haben mit großer Werbung in den vergangenen Monaten schon voll aufs Gaspedal gedrückt, aber herausgekommen ist ein Geldzufluss, der in der Fondsbranche fast wie null zählt“, sagt er.
Medienpartner für den Fonds sind „Bild“, „Die Welt“ und T-Online. Mitinitiator Diekmann verteidigt sein Projekt: „Unsere Marketingkampagne wird im Oktober mit den bisherigen Partnern fortgesetzt und erstmals das Finanzprodukt selbst thematisieren“, sagt er. Damit will er eine größere Zielgruppe erreichen.
Der ehemalige „Bild“-Chef setzt auf Ausdauer: „Der unmittelbare Vertriebserfolg der Kampagne wird sich allerdings eher mittel- bis langfristig messen lassen.“ Er will nach eigenen Aussagen einen starken Markennamen im deutschen Finanzmarkt aufbauen. „Darum ist die Kampagne auf zwei bis drei Jahre als erster Schritt angelegt“, ergänzt er.
Fischer will so auch die angekündigte Orientierungsmarke von 20 Milliarden Euro Kapital für den Fonds verstanden wissen. „Wenn wir Erfolg haben, kommen wir da hin, in einem Zeitrahmen von fünf Jahren plus“, sagt er. Die Zahl der Klicks auf der Fonds-Website und die Zahl der Anleger, die bisher eingestiegen seien, machten ihm Mut: „Nur Zahlen nennen wir noch keine.“
Auch Hübner will der Initiative noch etwas Zeit geben: „Langfristig muss der Fonds eine gute Rendite bringen, sonst bleibt es nur ein Marketing-Gag.“ Die Initiatoren können sich zumindest auf andere erfolgreiche Adressen berufen, die ebenfalls einige Jahre für den Durchbruch brauchten – bevor sie begannen, viel Geld einzusammeln. Ein Paradebeispiel gibt es sogar auf dem schwierigen Feld digitaler Fonds-Geldverwaltung: Scalable Capital.