Investmentfonds: Promi-Fonds glänzt in der Krise
Die zwei Promis setzen auf kleine Rendite und versprechen dafür große Sicherheit.
Foto: Getty ImagesFrankfurt. Es ist Krise – und auch die Anleger leiden. Alle? Nein, es gibt wenige Gewinner in den chaotischen Börsenwochen. Dazu zählen die Promis Leonhard („Lenny“) Fischer und Kai Diekmann. Der Ex-Banker und der Medienprofi sorgen mit ihrem Finanzprodukt „Der Zukunftsfonds“ plötzlich für positive Schlagzeilen.
Mit dem Mischfonds meisterten sie die Krisenwochen und weisen sogar einen leichten Gewinn von einem Prozent im ersten Quartal aus (siehe Grafik). Das klingt angesichts der historischen Börseneinbrüche im März erst mal nach Science-Fiction. Praktisch alle Konkurrenten lecken nach hohen Verlusten ihre Wunden. „Wir sind keine Crashpropheten, aber unser Ansatz hat sich bewährt“, kommentiert Fischer, der sich einst als jüngster Vorstand der Dresdner Bank einen Namen machte.
Vor etwas mehr als zwei Jahren traten der Finanzexperte und der ehemalige Chefredakteur des Boulevardblatts „Bild“ an. Sie wollten die Anlageszene aufmischen, initiierten den Fonds als Sparersatz in der Welt ohne Zins. Die extra gegründete Deutsche Fondsgesellschaft dient als Vertriebseinheit.
Insgesamt fünf Personen ziehen die Strippen, neben den beiden Protagonisten gehört unter anderem Volker Schilling dazu. Der Vorstand des Vermögensverwalters Greiff Capital Management steuert den Fonds im Tagesgeschäft. Kommunikationsexperte Diekmann unterfüttert das Projekt mit dem zur Deutschen Fondsgesellschaft gehörenden Digitalmagazin „Zaster“, das Geldthemen für ein breites Publikum leicht verständlich aufbereiten soll.
Über die Jahre hinweg meldeten sich die Kritiker. Der Markt sei überschwemmt mit Mischfonds, da brauche es keinen weiteren mehr, hieß es oft. Tatsächlich zählt die Analysefirma Scope Analysis in Deutschland rund 2000 solcher Produkte mit einem Gesamtkapital von über 500 Milliarden Euro.
Vergleichsweise wenig Kapital
Den Ton geben hier ganz andere Häuser an. Das Kapital konzentriert sich auf die Flaggschiffe einiger großer Häuser. Und die haben oft Volumina im zweistelligen Milliarden-Euro-Bereich. Dazu gehört beispielsweise ein „Multiple Opportunities“ von Flossbach von Storch oder ein „Allianz Income and Growth“ von Allianz Global Investors.
Im Vergleich dazu ist der Zukunftsfonds ein Wicht. Auch heute hat der Fonds nur mickrige zehn Millionen Euro Kapital. Am Top im vergangenen Frühjahr waren es knapp 16 Millionen Euro.
Ein wichtiger Punkt ist natürlich das Anlageergebnis. Da setzten die Kritiker schon an. Die Erträge waren moderat. Im Börsenboomjahr 2019 wirkte der Zukunftsfonds mit seinem Ertrag von knapp vier Prozent fast wie ein Verlierer. Es war die geringe Aktienquote, die das Ergebnis schwach aussehen ließ.
So bleiben denn auch Skeptiker ihrer Linie treu. „Der Fonds machte im vorletzten Jahr Verluste und erreichte erst in diesem Jahr wieder sein Niveau vom Startzeitpunkt“, moniert Ali Masarwah, Analyst bei der Fonds-Ratingagentur Morningstar. Er sagt: „Kunden wurden mit dem Stichwort Sparbuchersatz gelockt, und das hat der Fonds allein von der Performance her nicht geliefert.“
Ähnlich kritisch ist André Härtel von Scope Analysis. „Sie wollten die Anlagebranche revolutionieren, aber diese Revolution ist bisher ausgeblieben“, meint der Fondsexperte. Dazu muss man wissen: Beim Start gaben die Strategen als langfristiges Absatzziel ein Fondskapital von 20 Milliarden Euro aus. Die Kluft zum Status quo ist demnach enorm.
Werbung verfehlt ihr Ziel
Manche Skeptiker sprechen auch von einem Fehlurteil der beiden Initiatoren. Danach schätzten die beiden Strategen den eigenen Promifaktor falsch ein. So sei Fischer zwar in der Finanzszene und Diekmann in der Medienbranche bekannt, Otto Normalanleger könnten mit den Namen aber nichts verbinden. Ein Absatzschub über den Bekanntheitsgrad zu erwarten sei daher eine Selbsttäuschung.
Keine Wirkung zeigten auch diverse Werbeaktionen für das Produkt. Dazu zählten beispielsweise Anzeigen in Medien. Auf einen Vertriebspartner wie etwa eine Bank verzichtet der digital angebotene Fonds. „Dafür können wir billiger sein, jede gesparte Gebühr heißt mehr Rendite für den Anleger“, argumentiert Fischer. Nach Angaben von Morningstar ist der Fonds mit einer Jahresgebühr von knapp einem Prozent tatsächlich billiger als viele Konkurrenzangebote.
Wenn nach dem bisherigen Misserfolg doch noch eine Wende einsetzen würde, könnte der Schlüssel dazu in den März-Ereignissen liegen. Jedenfalls sehen die Steuermänner beim Zukunftsfonds nach wenigen Wochen in der neuen Coronawelt mit ihren kurzfristigen Erträgen aus wie Supermänner.
Greiff-Capital-Mann Schilling winkt bei dem Stichwort ab: „Wir sind keine Helden, sondern einfach nur stur, wie wir unseren Ansatz verfolgen.“ Fischer und Manager Schilling schauen stark auf das Risiko. Sie beobachten die Kurstrends und die Kursschwankungen.
Im vergangenen Jahr stiegen die Aktien extrem, während die Kursschwankungen gering waren. Das interpretierten sie als Warnsignal. „Deshalb senkten wir das Risiko, während andere Investoren die Aktienquoten erhöhten“, sagt Fischer. Der Fonds habe den Aktienanteil bis auf zwölf Prozent gedrückt, ihn in den vergangenen Wochen im Zuge der Kursrückschläge wieder auf 20 Prozent nach oben geschraubt, wie Schilling erklärt.
Hoher Kassenbestand und die Hälfte in Anleihen
Ganz wichtig ist ihm ein hoher Kassenbestand von jetzt einem Fünftel des Fondskapitals. Ein knappes Zehntel erreiche die Goldposition. Rund die Hälfte des Geldes sei in Anleihen investiert, viel davon in Firmentiteln und US-Staatspapieren. Nach den katastrophalen Kursverlusten an den Bondmärkten im März seien die Renditen enorm gestiegen. Diese Chancen habe er mit Zukäufen etwa bei Emissionen der chinesischen Shuguang Group genutzt.
Ein Neukauf seien Papiere des US-Konzerns Colgate-Palmolive. Ganz allgemein bevorzuge er bei den Firmenpapieren kurze Laufzeiten und Titel mit guten Ratings. Besonders interessant seien die Energie- und Versorgerbranche.
Eine Diskussion über Einzeltitel hält der Manager allerdings für zweitrangig im Verhältnis zur kritischen Lage des Gesamtmarkts. Das gehe bei Diskussionen in einer breiteren Öffentlichkeit leicht unter. Zu oft konzentriere man sich auf die Action an den Aktienmärkten mit ihren großen Ausschlägen.
Doch die Bondmärkte seien wichtiger. schon weil sie weit größer seien. „Illiquidität ist hier das größte Risiko“, sagt Schilling. „Vor einigen Wochen gab es für manche Titel mit „BBB“-Rating keine Käufer mehr, es gab einen regelrechten Käuferstreik, das ist fatal“, erinnert der Fondsmanager. Für Fischer war die Lage systemisch. Er ist sicher: „Die Anleihemärke wären kollabiert, hätten wir nicht die massivsten fiskalpolitischen und geldpolitischen Maßnahmen aller Zeiten gesehen.“
Jede Krise größer als die vorige
Aus der hohen Vogelperspektive sieht der Ex-Banker die Zentralbanken in einer besonderen Position. „Sie sind die weltweit einzigen Risikomanager, sozusagen die letzten Retter.“ Marktwirtschaft habe in der Finanzwirtschaft längst ausgedient.
Der 57-Jährige spannt den Blick über die vergangenen Jahrzehnte und erkennt eine beschleunigte Gefahrenakkumulation im Zeitablauf: „Jede Krise geht schneller, und die zur Bekämpfung eingesetzten Volumina der Zentralbanken werden immer größer.“ Nun kaufe die US-Notenbank sogar Firmenanleihen, was eigentlich verboten sei. „Regeln müssen gebrochen werden, sonst kollabiert das System“, folgert er.
Von Januar 2001 bis Dezember 2015 war Kai Diekmann Chefredakteur der Bild-Zeitung.
Foto: dpaMit Blick auf die Coronalage erwartet Fischer ein Hochfahren der Konjunkturen im Mai. Die Wirtschaft könne einen Shutdown auch nur ein bis zwei Monate durchhalten. Er rechnet aber nicht mit einer Depression ähnlich der 1929er-Ereignisse wie Extrempessimisten.
Der Vergleich sei falsch, weil die ökonomische Basis heute nicht zerstört sei. „Ich kann mir eher eine Stagflation wie in der Ölkrise 1973 vorstellen“, sagt Fischer. Denkbar sei schwaches Wachstum bei einer Inflation von drei bis vier Prozent und Zinsen von maximal zwei Prozent. „Mit anderen Worten: eine schleichende Enteignung, wir nennen es Finanzrepression“, erklärt Fischer. Das sei eben der Preis einer „komplett manipulierten Geld- und Wirtschaftsordnung“.
Die Renditeziele sind klein
In dieser Finanzwelt glauben sich die Strategen erfolgreich immunisieren zu können – mit ihrer eigenen Anlagepolitik. Große Ertragsambitionen haben sie nicht. Ihr Ziel ist eine langfristige Jahresrendite von zwei bis vier Prozent. Das soll als Ersatz für abgeschaffte Sparzinsen dienen.
Bisher konnten die Promis ihre Zielkunden allerdings nicht überzeugen – wie am geringen Fondskapital abzulesen. Da nutzt wohl auch die Unterstützung durch Diekmanns „Zaster“ wenig. Digital liefert der 55-jährige Medienmann Geschichten der Marke „Wie du deinen ersten Börsencrash überstehst“ oder „10 Dinge, für die ich wegen des Coronavirus kein Geld mehr ausgebe“.
Es bleibt erst einmal offen, ob Fischer und Diekmann mit dem Fonds an ihre erfolgreichen Jugendverbindungen anknüpfen können. Sie spielten schon als Kinder miteinander und besuchten die gleiche Schule in Bielefeld. Dort arbeiteten sie auch in der Schülerzeitung zusammen.
Ihr Altersprojekt in dem für beide neuen Metier Fondsverwaltung verlangt auf jeden Fall Geduld. So sieht es zumindest Fischer, der langfristig mit Zahlen überzeugen will. Das betont er im typischen Finanzdeutsch: „Wir bauen systematisch Performance auf.“