Pjöngjang: Entspannungssignal aus Nordkorea – keine Interkontinentalraketen bei Militärparade
Formationsflug in Form einer 70 zum 70. Staatsjubiläum.
Foto: dpaPjöngjang. Militärparaden sind immer Botschaften ans Volk und die Welt. Nordkorea nutzte am Sonntag einen militärischen Umzug zum 70. Jahrestag der Staatsgründung, um wenigstens symbolisch abzurüsten. Im Gegensatz zu früheren Aufmärschen verzichtete Nordkoreas Führer Kim Jong Un darauf, atomare Interkontinentalraketen zu zeigen, die theoretisch die USA erreichen können.
Auch an Panzern wurde im Vergleich zu früheren Aufmärschen gespart, berichtet die Nachrichtenagentur AP. Stattdessen schickte Kim größere Bataillone an Zivilisten im Gleichschritt auf die Straßen wie Krankenschwestern und Bauarbeiter, begleitet von bunten Umzugswagen. Auf einem standen Windkraftanlagen, Solarzellen, Gemüse, Meeresfrüchte, Textilien und Züge sowie eine der wichtigsten Botschaften des Tages: „Alle Anstrengungen für den wirtschaftlichen Aufbau!“
Kim verzichtet auf seine Drohgebärde gegen die USA zu einem brisanten Zeitpunkt. Bereits wenige Wochen nach dem historischen Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Kim im Juni stocken die Verhandlungen über eine Denuklearisierung Koreas. US-Präsident Donald Trump hatte kürzlich sogar eine Reise seines Außenministers Mike Pompeo zu einer wichtigen Gesprächsrunde in Nordkorea kurzfristig abgesagt, da ihm Fortschritte fehlten.
Die USA drohten Nordkorea sogar, aufgeschobene Militärmanöver mit Südkorea wieder zu starten, wenn die Diplomaten nicht weiterkämen. In dieser Lage sei der Verzicht auf seine gefährlichste Waffe ein „bemerkenswertes Zeichen für Pjöngjangs Bekenntnis zur Entspannung“, urteilt Adam Mount, Direktor des Defense Posture Project bei der Vereinigung amerikanischer Wissenschaftler.
Kim Jong Un will Lebensqualität in Nordkorea verbessern
Stattdessen spiegelte die Parade die „neue Strategie“ der Führung wider, die Kim im vorigen Jahr auf dem Höhepunkt der Krise mit den USA ausgerufen hatte. Nachdem er proklamiert hatte, dass die Entwicklung von Atombomben und Langstreckenraketen abgeschlossen und Nordkorea eine Atommacht sei, wollte er sich auf die Verbesserung des Lebens der Nordkoreaner konzentrieren.
Der Hauptredner der Parade, das protokollarische Staatsoberhaupt Kim Yong Nam, stellte dies in seiner Ansprache nach Agenturberichten in drei Kernpunkten auch genauso dar: Die demokratische Volksrepublik Korea habe Großmachtstatus erlangt, könnte sich selbst verteidigen und der Gewinn sei nun die wirtschaftliche Entwicklung.
Es war daher sicherlich kein Zufall, dass Kim den wichtigsten ausländischen Gästen mit hohen Ehren empfing. Die Vorsitzende des Rats der russischen Föderation Walentina Iwanowna Matwijenko wurde dem Volk am Sonntag in der Zeitung Rodong auf Seite 1 an der Seite Kims präsentiert. Chinas drittmächstigster Mann, Li Zhanshu, ein Mitglied des ständigen Ausschusses des Politbüros der kommunistischen Partei Chinas, bekam zwar im Blatt nur die Seite 4. Aber dafür riss Kim am Sonntag auf der Bühne Lis Arm triumphierend in die Höhe.
Bei der Militärparade in Pjöngjang war auch Li Zhanshu anwesend, Mitglied des ständigen Ausschusses des Politbüros der kommunistischen Partei Chinas. Hier links neben Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un.
Foto: dpaFür den 18. bis 20. September hat Kim zudem das dritte innerkoreanische Gipfeltreffen mit Südkoreas Präsident Moon Jae-in terminiert. Es wird dieses Mal in Pjöngjang stattfinden und sich um die Verhandlungen mit den USA sowie wirtschaftliche Kooperationsprojekte beider koreanischer Staaten drehen.
Die Zeichen der Freundschaft sind Kim wichtig, um in den Verhandlungen mit den USA seine Position zu stärken. Kim hofft darauf, dass China, Russland und vielleicht sogar der US-Verbündete Südkorea die Sanktionen weniger scharf umsetzen, um den wirtschaftlichen Druck auf sein Land nicht weiter zu erhöhen. Denn er hat sich mit seinem Wohlstandsversprechen unter einen gewissen Druck gesetzt, Ergebnisse zu liefern.
Westliche Beobachter sind sich sicher, dass er den Alltag seiner Untertanen nicht deutlich verbessern kann, solange die Sanktionen offiziell bestehen. Und die Erleichterung des internationalen Drucks ist nur realistisch, wenn die Verhandlungen mit den USA nicht frühzeitig scheitern. Das Problem: Es gebe weiterhin keine Anzeichen, dass Kim wirklich abrüsten wollen, so Experte Mount.