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Jet mit 190 Menschen an Bord verunglücktAsiens Billig-Überflieger Lion Air steht vor einer Zäsur

Die Billigfluglinie Lion Air dominiert den Luftfahrtmarkt in Indonesien. Doch nach dem Absturz eines Jets steht das Unternehmen vor einem schweren Vertrauensverlust.Mathias Peer 29.10.2018 - 12:30 Uhr Artikel anhören

Niemand der 190 Menschen an Bord hat das Unglück überlebt.

Foto: AP

Bangkok. Die Tragödie ereignet sich kurz nach Sonnenaufgang – und stürzt einen der besten Kunden von Boeing und Airbus in seine bisher schwerste Krise. 13 Minuten nach ihrem Start vom Flughafen in der indonesischen Hauptstadt Jakarta fällt die Passagiermaschine der Billigairline Lion Air am Montagmorgen vom Himmel und kracht in die Javasee.

Rettungskräfte entdecken an der Absturzstelle kurz darauf durch das Wasser treibende Trümmerteile und Gepäckstücke der Passagiere. Am Nachmittag melden sie schließlich: Von den knapp 190 Menschen an Bord hat aller Wahrscheinlichkeit nach niemand überlebt.

Die Fluglinie Lion Air, die zur Jahrtausendwende gegründet wurde, ist eine der am schnellsten wachsenden Fluggesellschaften der Welt und hatte zuletzt milliardenschwere Bestellungen bei den Flugzeugherstellern Boeing und Airbus abgegeben. Ihr bislang schwerster Unfall ist für die Airline nun eine Zäsur. Die Unternehmensführung muss sich kritische Fragen gefallen lassen: Ging ihr Drang zum rasanten Wachstum auf Kosten der Sicherheit?

Die Hintergründe des Absturzes waren in den Stunden nach dem Unglück zwar noch unklar. Für Aufsehen sorgte jedoch die Mitteilung von Airline-Chef Edward Sirait, wonach das verunglückte Flugzeug bereits am Abend zuvor auf dem Weg von Bali nach Jakarta technische Probleme hatte.

Die Maschine, eine brandneue Boeing 737 Max 8, wurde anschließend von Technikern freigegeben – bevor sie schließlich ihren Katastrophenflug in Richtung der Inselmetropole Pangkal Pinang startete. Kurz nach dem Start funkte der Pilot, dass er umkehren müsse. Wenig später ging der Kontakt mit ihm verloren.

Bereits kurz nach dem Vorfall machte sich der Vertrauensverlust in die Airline bemerkbar. Die australische Regierung rief Staatsbedienstete nach dem Crash dazu auf, vorerst nicht mehr mit Lion Air zu fliegen. Bei der Fluglinie war es in den vergangenen Jahren mehrfach zu Zwischenfällen gekommen. Im April rutschte eine Maschine der Low-Cost-Airline in der Stadt Gorontalo auf Sulawesi von der Landebahn.

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Erster Absturz für den neuen Boeing-Bestseller 737 Max

Ein Jahr zuvor kollidierten zwei Flugzeuge der Firmengruppe am Flughafen der Stadt Medan. 2016 kam ein Lion-Air-Flugzeug in Surabaya von der Landebahn ab. Eine Untersuchung des Vorfalls sah Fehler der Crew als Ursache. Todesopfer gab es bei den Vorfällen nicht.

Gravierende Probleme gab es immer wieder auch bei den Konkurrenten von Lion Air. 2015 stürzte ein Flugzeug der Gesellschaft Trigana in Papua ab. Dabei kamen mehr als 50 Menschen ums Leben. 2014 verunglückte eine Airbus-Maschine der Billigflugline AirAsia Indonesia mit mehr als 160 Menschen an Bord.

Wegen der niedrigen Sicherheitsstandards in der indonesischen Luftfahrtbranche setzte die EU 2007 zeitweise alle Airlines des Landes auf eine schwarze Liste. Flüge in die Europäische Union waren ihnen verboten. Erst vor zwei Jahren wurde Lion Air von dieser Liste wieder gestrichen. Im Juni dieses Jahres hob die EU die Verbote für die restlichen indonesischen Airlines wieder auf.

Kritiker sehen aber nach wie vor erhebliche Mängel. „Meiner Meinung nach gibt es trotz der Entscheidung der EU immer noch Sicherheitsprobleme in Indonesien“, kommentierte Shukor Yusof, Gründer der malaysischen Luftfahrtberatungsfirma Endau Analytics. „Das Management des Luftverkehrs, das Training und die Wartung müssen an die massiv gestiegene Zahl an Passagieren und Flugzeugen angepasst werden.“

Die Luftfahrt in Indonesien – mit mehr als 260 Millionen Einwohner die größte Volkswirtschaft Südostasien – hat eine beeindruckende Boomphase hinter sich. Die Zahl der inländischen Passagiere hat sich laut dem Centre for Asia Pacific Aviation (CAPA) von 30 Millionen im Jahr 2005 auf fast 100 Millionen im vergangenen Jahr mehr als verdreifacht.

Damit ist Indonesien gemessen an den Passagierzahlen inzwischen der fünftgrößte Luftfahrtmarkt der Welt, hinter USA, China, Indien und Japan. Die Lion Air Group verbuchte im vergangenen Jahr erstmals einen Marktanteil von knapp mehr als 50 Prozent.

Gegründet wurde das Unternehmen, das der nationalen Airline Garuda Indonesia den Rang ablief, von dem Self-Made-Milliardär Rusdi Kirana, der auch selbst eine einzigartige Aufstiegsgeschichte vorzuweisen hat. Seine Karriere begann er als Verkäufer von Schreibmaschinen für einen Tagesverdienst von vier bis fünf Dollar.

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Zusammen mit seinem Bruder gründete er später eine Reiseagentur und rief 2000 Lion ins Leben, nachdem die beiden ihren ersten Boeing-Jet geleast hatten. Nur etwas mehr als ein Jahrzehnt später unterschrieb Kirana einen Rekordauftrag bei dem US-Konzern. Er orderte mehr als 200 Maschinen im Wert von mehr als 22 Milliarden Dollar. Bei Airbus ging dann 2013 eine weitere Rekordbestellung ein – mit einem Volumen von 24 Milliarden Dollar. Und in diesem Jahr legte Lion Air nochmals nach: Bei Boeing bestellte der Konzern 50 Maschinen vom Typ 737 Max 10.

Aus der operativen Geschäftsführung hat sich Kirana inzwischen verabschiedet. Er wurde erst zum Wirtschaftsberater von Präsidenten Joko Widodo ernannt und ist seit dem vergangenen Jahr Indonesiens Botschafter in Malaysia. Die Regierung, für die Kirana jetzt arbeitet, steht nun vor der Aufgabe, den wohl tödlichsten Luftfahrtunfall des Landes der vergangenen zwei Jahrzehnte aufzuklären. Widodo erklärte in einer im Fernsehen übertragenen Rede seine Anteilnahme. Der volle Fokus der Regierung liege jetzt bei dem Such- und Rettungseinsatz.

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