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Hall of Fame 2020Die Pioniere der deutschen Wirtschaft: bodenständig, vorausschauend und nachhaltig

Das Handelsblatt hat zum zwölften Mal Unternehmer ausgezeichnet, die die Zukunft des Landes vorantreiben. Die Gewinner wurden in die Hall of Fame aufgenommen.Corinna Nohn 16.01.2020 - 08:48 Uhr Artikel anhören

Geehrte, Laudatoren, Moderatorin (von links): Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe, Aldi-Nord-Sprecher Florian Scholbeck, der Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen, Stefan Heidbreder, der geschäftsführende Gesellschafter von Orafol, Holger Loclair, Vorständin Personal und Familienunternehmen KPMG Vera Elter, der persönlich haftender Gesellschafter der Lindner Group, Hans Lindner sowie die Verwaltungsratsvorsitzende Veronika Lindner, Moderatorin Judith Rakers, Viessmann-Verwaltungsratspräsident Martin Viessmann und Co-CEO Maximilian Viessmann.

Foto: Marc-Steffen Unger für das Handelsblatt

München. Man kann es bedauern, dass Deutsche im Vergleich zu Amerikanern und Chinesen wenig gründerfreundlich sind. Und man kann es auch bedauern, dass die Geldgeber für die Finanzierung innovativer Geschäfte oft aus dem Ausland kommen, die Ideen und womöglich die Unternehmen perspektivisch dorthin abwandern.

Oder man kann sich auf die Tugend der deutschen Familienunternehmer besinnen, all jener Boschs und Mieles, die einst als Start-ups ihren Betrieb aufnahmen. Genau daran erinnerte Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe am Mittwochabend bei der Ehrung neuer Mitglieder der Hall of Fame der Familienunternehmen – um gleich mit dem Appell anzuschließen: „Wir brauchen eine Renaissance des Unternehmertums. Wir brauchen wieder mehr Menschen, die aus einer Idee ein Geschäft machen.“

Also genau solche Menschen, die dort im Ballsaal des Münchener Charles Hotels vor ihm saßen: allesamt Familienunternehmer, das „Who is Who“ der deutschen Wirtschaft, wie es Moderatorin Judith Rakers ausdrückte. Es war das zwölfte Mal, dass das Handelsblatt „Pioniere der Wirtschaft“ in die Hall of Fame berufen hat.

Und wie könnte es anders sein, ist bei solchen familiengeführten Pionierunternehmen der Übergang von einer Generation zur nächsten eines der bewegendsten Themen. Anekdoten zu der Frage, wie die Übergabe auf unterschiedliche Art gemeistert werden und dabei noch Mehrwert geschaffen werden kann, sollten sich durch den Abend und die Laudationen ziehen.

Zuerst aber machte der Chefredakteur des Handelsblatts noch auf eine „der größten Erfolgsgeschichten der deutschen Wirtschaft“ aufmerksam und würdigte das Lebenswerk der Brüder Karl und Theo Albrecht, die posthum in die Hall of Fame aufgenommen wurden. Afhüppe brachte die Geschäftsidee dieser besonderen Brüder auf den Punkt: „Sie haben die Kunst des Weglassens beherrscht.“

Die Erfinder des Discounts haben mit Aldi Süd und Aldi Nord ein Imperium geschaffen, das den Lebensmittelhandel revolutioniert, das Leben vieler Menschen umgekrempelt und geprägt hat – und das heute weltweit fast 90 Milliarden Euro Umsatz generiert.

Jahr für Jahr nimmt das Handelsblatt herausragende Persönlichkeiten in die Hall of Fame der Familienunternehmen auf.

Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Zelebriert wurde die Auszeichnung auch in diesem Jahr wieder bei einem festlichen Dinner im Münchener The Charles Hotel.

Foto: Marc-Steffen Unger

Rund 200 Familienunternehmer waren in den Ballsaal zur Preisverleihung gekommen und feierten die Aufnahme der neuen Mitglieder in die Hall of Fame.

Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Sven Afhüppe, Chefredakteur des Handelsblatts, begrüßte die geladenen Unternehmerinnen und Unternehmer. Sein Appell: „Wir brauchen eine Renaissance des Unternehmertums. Wir brauchen wieder mehr Menschen, die aus einer Idee ein Geschäft machen.“

Foto: Marc-Steffen Unger

Daniel Goffart hielt die Keynote. Der Journalist und Buchautor ( „Das Ende der Mittelschicht“ ) plädiert für einen neuen Gesellschaftsvertrag für die digitale Zukunft.

Foto: Marc-Steffen Unger

Durch den Abend führte die erfahrene ARD-Moderatorin und Tagesschausprecherin Judith Rakers.

Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Posthum würdigte zunächst Sven Afhüppe das Lebenswerk der beiden Aldi-Gründer Karl und Theo Albrecht. Afhüppe brachte die Geschäftsidee dieser besonderen Brüder auf den Punkt: „Sie haben die Kunst des Weglassens beherrscht.“

Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Zur Verleihung kam zwar kein Mitglied der Familie, die als verschwiegen gilt und es im Großen und Ganzen äußerst gut versteht, im Hintergrund zu bleiben. Aber sie hatten ihren Sprecher Florian Scholbeck entsandt, der prompt mit Augenzwinkern meinte, er sei allein, weil der Kollege von Aldi Süd aus Kostengründen in Mülheim geblieben sei.

Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Als nächstes wurden in die Hall of Fame aufgenommen: Der Unternehmer Hans Lindner und seine Tochter Veronika Lindner von der Lindner-Gruppe aus dem bayerischen Arnstorf. Die Laudatio hielt Vera-Carina Elter, KPMG-Vorstand für Personal und Familienunternehmen (ganz rechts).

Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Vorbildlich bei Lindner: Alle vier Töchter des Gründers und ihre Ehemänner sind im Unternehmen aktiv, Veronika Lindner hält mittlerweile als Verwaltungsratsvorsitzende alles zusammen.

Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Elter, die das Bauunternehmen vorab besucht und dabei fast alle der vielen Familienmitglieder kennengelernt hatte, ließ ihrer Begeisterung über so viel Herzblut und Familienunternehmertum freien Lauf. 1965 hatte Hans Lindner das Unternehmen gegründet, heute beschäftigt der Bauspezialist für Gebäudehülle, Innenausbau und Isoliertechnik 7500 Mitarbeiter und setzt 1,1 Milliarden Euro um.

Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Ausgezeichnet wurde auch der Unternehmer Holger Loclair, Chef des Mittelständlers Orafol. Ein Unternehmen, dessen Name wahrscheinlich nur wenige kennen, dessen Produkte aber jeder andauernd vor Augen hat: Orafol ist Marktführer für selbstklebende Folien – etwa auf Flugzeugen oder Autos, aber auch auf Autobahn-, Nummern- oder Baustellenschildern.

Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Bei Orafol zeigt sich die Bedeutung Familienunternehmen von seiner wortwörtlichen Seite: Holger Loclair sagte offen, dass der Unternehmensaufbau nach der Wende „ohne seine Frau“ Karin nicht funktioniert hätte.

Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Laudator Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen, kündigte als nächstes zwei ganz besondere Preisträger an, die als Mitglied in der Hall of Fame aufgenommen wurden.

Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Geehrt wurden Martin (2.v.r.) und Max (r.) Viessmann, Verwaltungsratschef und Co-CEO des Heizungs- und Klimaspezialisten Viessmann. In die Hall of Fame aufgenommen wurde Viessmann auch deshalb, weil sich hier ein Unternehmen immer wieder neu erfunden hat, quasi wie ein permanentes Start-up. Und „wenn bei Viessmann etwas gemacht wird, dann richtig“, stellte Laudator Heidbreder fest – davon zeugten allein die „beeindruckenden Leistungsdaten“: etwa 2,5 Milliarden Euro Umsatz mit Vertretungen in 74 Ländern, fünf Prozent Wachstum, mehr als 12.000 Mitarbeiter.

Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Einen wortgewaltigen Beitrag zur Unterhaltung der Gäste präsentierte die Hamburger Poetin und Poetry-Slam Shooting-Star Svea Gross.

Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Anschließend wurde die Zeit für fröhliche Begegnungen, entspannte Gespräche und zum Netzwerken im Foyer genutzt. Im Bild: Werner Utz und Sabine Gum von der Uzin Utz AG mit Johannes und Caroline Hanshen von KPMG in ihrer Mitte.

Foto: Marc-Steffen Unger

Geehrte, Laudatoren, Moderatorin (von links): Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe, Aldi-Nord-Sprecher Florian Scholbeck, der Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen, Stefan Heidbreder, der geschäftsführende Gesellschafter von Orafol, Holger Loclair, Vorständin Personal und Familienunternehmen KPMG Vera Elter, der persönlich haftender Gesellschafter der Lindner Group, Hans Lindner sowie die Verwaltungsratsvorsitzende Veronika Lindner, Moderatorin Judith Rakers, Viessmann-Verwaltungsratspräsident Martin Viessmann und Co-CEO Maximilian Viessmann.

Foto: Marc-Steffen Unger für das Handelsblatt

Zur Verleihung kam zwar kein Mitglied der Familie, die als verschwiegen gilt und es im Großen und Ganzen äußerst gut versteht, im Hintergrund zu bleiben. Aber sie hatten ihren Sprecher Florian Scholbeck entsandt, der prompt mit Augenzwinkern meinte, er sei allein, weil der Kollege von Aldi Süd aus Kostengründen in Mülheim geblieben sei.

Aber dann, ganz ernst, stellte er klar: Das Unternehmen habe sich durchaus geöffnet und könne ja auch gar nicht anders. Doch es sei „gutes Recht der Familie, so vorsichtig zu sein“. In jedem Fall sei es für die beiden Aldi-Familien „eine große Ehre, in die Hall of Fame aufgenommen zu werden“.

Lindner-Gruppe nun auch in der Hall of Fame

Neues Mitglied im Kreis der Pioniere ist die Lindner-Gruppe aus dem bayerischen Arnstorf. Laudatorin Vera Elter, Vorstand für Personal und Familienunternehmen bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, die das Bauunternehmen vorab besucht und dabei fast alle Familienmitglieder – und es sind viele – kennengelernt hatte, ließ ihrer Begeisterung freien Lauf. So viel Herzblut, so viel Familienunternehmertum lässt sich wohl nicht allzu oft antreffen.

1965 hatte Hans Lindner das Unternehmen gegründet, heute beschäftigt der Bauspezialist für Gebäudehülle, Innenausbau und Isoliertechnik 7500 Mitarbeiter und setzt 1,1 Milliarden Euro um. Dabei stehe für den Gründer sinnbildlich ein recht einfacher Gegenstand: ein schwarzes Herrenfahrrad, mit dem Hans Lindner, der sein Auto vor Jahren an eine Mitarbeiterin abgab, immer unterwegs sei.

„Dieses Fahrrad verkörpert nämlich die drei Eigenschaften, die ihn auszeichnen: Bodenständigkeit, Weitblick und Nachhaltigkeit“, befand Laudatorin Elter, die auch die vorbildliche Übergabe an die nächste Generation hervorhob: Alle vier Töchter des Gründers und ihre Ehemänner sind im Unternehmen aktiv, Veronika Lindner hält mittlerweile als Verwaltungsratsvorsitzende alles zusammen.

Es gäbe viele Geschichten zu erzählen über diese Unternehmerfamilie, die ihren Mitarbeitern Ferienwohnungen zur Verfügung stellt und eine eigene Digitalwährung für das Unternehmen entwickelt hat. Ein Betriebsgeheimnis könnte – neben Leidenschaft und Innovationsfreude – auch jene Haltung sein, die Hans Lindner preisgab: „Ich habe nie etwas als Belastung empfunden, das ganze Leben nicht.“ Ja, jeder solle zusehen, „dass Euer Beruf Euer Hobby wird“.

Hall of Fame 2020

Das sind die Pioniere der deutschen Wirtschaft

Aus einer ganz anderen Branche stammt ein anderes neu in die Hall of Fame berufenes Unternehmen. Man könnte wohl sagen: ein Unternehmen, dessen Name wahrscheinlich keiner kennt, dessen Produkte aber jeder andauernd vor Augen hat. Orafol ist Marktführer für selbstklebende Folien – etwa auf Flugzeugen oder Autos, aber auch auf Autobahn-, Nummern- oder Baustellenschildern.

Der Erfolg und die Expansion ins Ausland war nicht absehbar, der geschäftsführende Gesellschafter Holger Loclair sagt selbst: Hätte ihm jemand vor 35 Jahren gesagt, dass er einmal Firmen in den USA kaufen würde, hätte er gedacht, „die sind verrückt, damals ging es für die Unternehmen ums nackte Überleben“. Damals gab es ja noch die DDR, der Chemiker Loclair war Gruppenleiter und später Betriebsleiter in einem volkseigenen Betrieb – dem Vorgängerunternehmen von Orafol.

Heute, sagte Laudator Sven Afhüppe, sei Orafol mit seinen weltweit 2500 Beschäftigten ein Vorbild für ost- und westdeutsche Unternehmen. Als Kontrapunkt zu der „Scheinwelt“ der DDR sei Loclair ein Weltenbummler und Salesman geworden, ja, „ein Antreiber, einer der Tempo macht“, bei dem zuweilen nicht immer alle Mitarbeiter mitkommen.

Und auch bei Orafol zeigt sich die Bedeutung Familienunternehmen von seiner wortwörtlichen Seite, denn Loclair sagt offen, dass der Unternehmensaufbau nach der Wende „ohne seine Frau“ nicht funktioniert hätte. Und wenn Loclair einen Wunsch frei hätte, sagte Sven Afhüppe, sei das die Übergabe der Firma an die eigenen Kinder. Ob es dazu komme, sei noch ungewiss.

Nun, vielleicht hatte Loclair sich das als Überraschung für den Gala-Abend aufgespart, vielleicht nutzte er auch nur die Stimmung und den Auftritt auf der Bühne. Dort jedenfalls stellte er bei der Annahme der Auszeichnung unter Applaus klar die Weichen: „Wenn eines meiner Kinder die Firma übernimmt, wird es meine Tochter sein.“

Erfolgreicher Generationswechsel bei Viessmann

Ebenfalls einen gelungenen Generationswechsel hat das abschließend geehrte Unternehmen vorgelegt: der Heizungsbauer Viessmann, wo Martin Viessmann frühzeitig die Nachfolge eingeleitet hat – wohl auch, weil sein Vater nicht so schnell loslassen wollte.

Mit Sohn Max präsentiert er sich als harmonierendes und ergänzendes Duo – etwa, wenn es um die Vorliebe des Seniors für die Kommunikation via Briefpapier geht. Der Sohn wiederum attestierte dem Vater im Hinblick auf die Qualitäten „Verantwortungsbewusstsein, Umsatzfreudigkeit, Empathie“ auf einer Skala von eins bis zehn jeweils mal „zwölf Punkten“. Hier war schnell klar: Da verstehen sich zwei und kennen ihre Rollen.

In die Hall of Fame aufgenommen wurde Viessmann aber auch deshalb, weil sich hier ein Unternehmen immer wieder neu erfunden hat, quasi wie ein permanentes Start-up. Und „wenn bei Viessmann etwas gemacht wird, dann richtig“, stellte Laudator Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen, fest – davon zeugten allein die „beeindruckenden Leistungsdaten“: etwa 2,5 Milliarden Euro Umsatz mit Vertretungen in 74 Ländern, fünf Prozent Wachstum, mehr als 12.000 Mitarbeiter.

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Und die sollen alle eingebunden werden. Denn bei Viessmanns, eben durch und durch Familienunternehmer, heiße es trotz aller Expansion und Internationalisierung über die Mitarbeiter: „Wir haben 12.000 Familienmitglieder.“

Und genau wegen solcher unternehmerischer Vorbilder sorgte sich Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe, dass in Deutschland die Gründerquote immer weiter zurückgeht. Denn Deutschland lebe davon, dass es mutige und innovative Unternehmer gibt. „Sie sind die Zukunft unseres Landes.“

Mehr: Die Gründer der Aldi-Dynastie setzten neue Maßstäbe in der Branche. Das Handelsblatt hat sie jetzt posthum in die Hall of Fame der Familienunternehmer aufgenommen.

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