Branchenausblick: Warum der IT-Markt unter der Pandemie leidet
Der IT-Dienstleister verzeichnet seit Wochen eine hohe Nachfrage.
Foto: BechtleDüsseldorf. Die Produktion läuft an. Nach der Coronavirus-Pandemie hat in den Fabriken in China die Arbeit wieder begonnen. Für die Technologiebranche ist das eine gute Nachricht: Ein Großteil der Smartphones und Laptops, Speicherchips und Prozessoren wird im Reich der Mitte gefertigt. Die Auswirkungen der Krise auf den Markt für IT und Telekommunikation sind dennoch nicht abzusehen – nicht nur wegen der Störungen der Lieferkette. Jetzt legt die Krankheit viele andere Länder lahm.
Kein Wunder, dass Prognosen für die Branche schnell alt aussehen. Der Marktforscher IDC etwa hat seine Zahlen seit dem Ausbruch der Pandemie mehrfach revidiert. Er geht nun davon aus, dass der Umsatz in Europa in diesem Jahr nur noch um ein Prozent steigen wird, im pessimistischen Szenario sogar nur um 0,2 Prozent. Anfang Februar lag die Marke noch bei einem währungsbereinigten Plus von rund 2,8 Prozent.
Eine weitere Verschlechterung ist denkbar: „Wir müssen im Moment alle Informationen mit einem Zeitstempel versehen“, sagt IDC-Analyst Philip Carter. „Was wir heute sagen, müssen wir morgen wahrscheinlich anpassen.“ Während der Verkauf von Hardware durch die Beschränkungen in China einbricht, verschieben viele Unternehmen in Europa aufgrund der Unsicherheit Projekte. „Da sowohl die Lieferkette als auch die Nachfrage betroffen ist, wirkt sich die Coronakrise auf die Realwirtschaft aus“, sagt Carter.
Allerdings sind nicht alle Produkte gleichermaßen betroffen. Der Boom von Diensten wie Zoom, Webex und Teams zeigt beispielsweise, dass Kollaborationslösungen gefragt sind. Gleiches gilt für Geräte wie PCs und Smartphones, die für die Arbeit im Homeoffice ebenfalls nötig sind.
Der IT-Dienstleister Bechtle beispielsweise verzeichnet seit Wochen eine hohe Nachfrage. Derzeit verlassen täglich 25.000 statt den üblichen 15.000 Paketen das Zentrallager. Besonders gefragt sind Notebooks und – aufgrund von Lieferengpässen – PCs, Monitore und Headsets.
Auch das Cloud-Computing dürfte sich kurzfristig mindestens stabil entwickeln und langfristig deutlich wachsen. Einerseits profitieren Anbieter wie die Amazon-Tochter AWS davon, dass Unternehmen wie Zoom, Slack und Netflix ihre Infrastruktur nutzen. Andererseits ist der flexible Zugriff auf Ressourcen gerade derzeit hilfreich.
„Technologie hilft, mit der Krise umzugehen“, sagt IDC-Analyst Carter. Durch die Corona-Pandemie werde sich dauerhaft verändern, „wie wir arbeiten, wie wir Geschäfte machen, wie wir uns austauschen, wie wir reisen“, ist er überzeugt.