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Clouddienste Boom durch Homeoffice: Tech-Konzerne stoßen an Belastungsgrenze

Viele Tech-Unternehmen erleben durch die Pandemie einen Boom, der Datenverkehr nimmt rasant zu. Doch ob oder wann sich die rasanten Zuwächse auszahlen, ist offen.
06.04.2020 Update: 08.04.2020 - 11:35 Uhr Kommentieren
Die Coronakrise wird zur Bewährungsprobe für Clouddienst Quelle: REUTERS
Videokonferenzen

In Zeiten der Corona-Pandemie schalten Firmen und Bildungseinrichtungen auf Videokonferenzen um.

(Foto: REUTERS)

Düsseldorf, San Francisco Seit Anton Döschl in der Technologiebranche arbeitet, hat er schon einige Herausforderungen erlebt – die Finanzkrise 2008 beispielsweise. Die vergangenen Wochen waren für ihn aber die nach eigenen Worten „wahrscheinlich intensivsten“ in seiner Karriere. Döschl verantwortet beim IT-Konzern Cisco den Vertrieb von und die Beratung zu Kommunikations- und Kollaborationslösungen, zu denen das Chat- und Videokonferenzsystem Webex gehört. Und das ist gerade gefragt wie nie.

Weil das öffentliche Leben durch die Coronavirus-Pandemie stark eingeschränkt ist, schicken Unternehmen ihre Mitarbeiter ins Homeoffice und schalten sie mit Videokonferenzen und virtuellen Meetings zusammen. Auch Behörden, Arztpraxen und Schulen setzen sich mit der Technologie auseinander. Viele von ihnen melden sich bei Döschl und seinem Team. „Die Schlagzahl hat sich enorm erhöht.“

Während in großen Teilen der Wirtschaft die Arbeit wegbricht, erleben Tech-Unternehmen wie Cisco, Microsoft, Zoom und Teamviewer, die Systeme für die virtuelle Zusammenarbeit anbieten, eine Sonderkonjunktur. Ähnlich sieht es bei Netzbetreibern wie der Deutschen Telekom, Vodafone oder Telefónica aus. Die Furcht vor einem Engpass oder Ausfällen macht die Runde. Die Coronakrise ist für die Cloud die große Bewährungsprobe – und sie bringt einige Anbieter an ihre Grenzen.

Telekom-Chef Timotheus Höttges gab vor ein paar Tagen im Gespräch mit dem Handelsblatt für sein Unternehmen zwar Entwarnung: „Unser Netz läuft komplett problemlos ohne einen einzigen großen Ausfall.“ Die Telekom habe an einigen Stellen aufrüsten müssen, und besonders das Festnetz sei wieder gefragt.

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    An anderer Stelle sah der Telekom-Chef aber Schwierigkeiten: „Es gibt einige Dienste, wie etwa Videokonferenz-Anbieter, die mit ihren Kapazitäten an Grenzen stoßen. Manchmal sind es die Kapazitäten von Firmennetzen. Aber es liegt nicht an den Telekommunikationsnetzen.“

    Während die Mobilfunk- und Breitbandnetze bislang dem Ansturm standhalten, kommt es an deren Stellen zu Schwierigkeiten. Techniker müssen die Rechenzentren regelmäßig aufrüsten, die Vertriebsmitarbeiter haben Probleme, die Masse an Anfragen zu erledigen.

    Manchmal geraten die Systeme an ihre Grenzen. Auch soziale Medien wie Facebook und Twitter sind gefragt wie lange nicht. Die Coronakrise ist eine technische Bewährungsprobe – wann sie sich wirtschaftlich auszahlt, ist aber offen.

    Webex ist eine Plattform, über die Nutzer chatten, Videokonferenzen abhalten und Dokumente bearbeiten können, ähnlich, wie es bei Teams von Microsoft oder Zoom vom gleichnamigen US-Unternehmen der Fall ist.

    Viele Kunden beschäftigen sich gerade mit der Einführung solcher Lösungen. „Sie stehen massiv vor der Herausforderung, die Mitarbeiter ins Homeoffice zu bekommen“, sagt Döschl, der derzeit selbst von seinem Arbeitszimmer zu Hause aus alle Gespräche führt.

    Ansturm auf Teams und Co.

    In der Not kommen Videokonferenzen jedoch auch in Politik, Bildung und Gesundheitswesen zum Einsatz. Bundeskanzlerin Angela Merkel meldete sich so zuletzt aus der Quarantäne. Eine Universität in Rom stellte die Vorlesungen für 7 000 Studierende innerhalb von 48 Stunden auf Fernstudium um. Auch Yoga- und Gitarrenlehrer können so weiter Unterricht geben. Und selbst Ärzte und Kliniken probieren die Technologie aus.

    Der Datenverkehr wächst dadurch gewaltig. Am Internetknoten De-Cix in Frankfurt ist das Volumen binnen einer Woche um zehn Prozent gestiegen, die Zahl der Videokonferenzen hat sich in diesem Zeitraum sogar verdoppelt. Das Kernnetz sei dafür ausgelegt, betont die Betreibergesellschaft – sobald eine gewisse Schwelle erreicht ist, baut sie die Kapazität aus. Für die einzelnen Nutzer kann es allerdings durchaus zu Verzögerungen kommen.

    Der Ansturm ist so groß, dass selbst Technologiegiganten Ausfälle verbuchen. Ausgerechnet der Kollaborations- und Kommunikationsdienst Microsoft Teams hatte am ersten Tag der zahlreichen Schulschließungen in Deutschland mit größeren Schwierigkeiten zu kämpfen. Auch andere Anbieter von Video- und Telefonkonferenzen mussten zwischenzeitig immer wieder technische Probleme einräumen.

    Google musste Ende März einen kurzfristigen Ausfall einiger Cloud-Dienste melden. Zuvor war es an der Ostküste der USA zu Problemen mit G-Mail, Classroom oder der Bürooffice-Suite G-Suite gekommen. Der Konzern erklärte aber, dass diese nicht im Zusammenhang mit dem Ansturm durch die Coronakrise stünden.

    Die Nachfrage litt unter diesen Problemen nicht. Ganz im Gegenteil. Die Nutzung von Microsoft stieg stark an – auch weil der Softwarekonzern den Einsatz für eine begrenzte Zeit kostenlos machte.

    Momentan nutzen täglich 44 Millionen Menschen Teams und sind 900 Millionen Minuten pro Tag in Konferenzen und Gesprächen. Microsoft meldete in einer Woche einen Zuwachs von zwölf Millionen Teams-Nutzern, was genau so viel ist wie die Zahl der zahlenden Nutzer beim Konkurrenten Slack. Der Rivale Slack meldet ebenfalls eine steigende Nutzung und arbeitet an einer Integration mit Teams, sodass Nutzer beider Dienste in gemeinsamen Konferenzen zusammenarbeiten können, wie Slack-CEO Stewart Butterfield erklärte.

    In den Rechenzentren summen die Server unter der hohen Last. Das lässt sich beispielsweise daran ablesen, wie lange die Webex-Nutzer Videokonferenzen abhalten – Cisco misst das anhand der kumulierten „Meeting-Minuten“. Im März ist diese Kennzahl im Vergleich zum Februar um deutlich mehr als 100 Prozent gewachsen, die genauen Zahlen werden in den nächsten Tagen feststehen.

    Bereits in der vergangenen Woche war die Marke von zwölf Milliarden Minuten erreicht. An einem einzigen Tag hat Webex kürzlich 4,2 Millionen Videokonferenzen mit mindestens drei Teilnehmern abgewickelt.

    Zu den größten Profiteuren den Corona-Pandemie dürfte sicherlich der Videokonferenzdienst Zoom gehören. Die Firma teilte mit, dass die Zahl der täglich aktiven Nutzer vor der Krise bei zehn Millionen gelegen habe und nun auf 200 Millionen gestiegen sei.
    Datenschützer und Cybersicherheitsexperten erhoben jedoch schwere Vorwürfe gegen den Dienst. Gründer Eric Yuan versprach, auf die Kritik einzugehen, alle bekannten Sicherheitslücken zu schließen und den Datenschutz zu verbessern. Jedoch werden jeden Tag neue Sicherheitslücken bekannt.

    Zögerliche Antwort aus Deutschland

    IT-Firmen in der Bundesrepublik profitieren zwar auch von dem Anstieg – allerdings nicht in dem gleichen Maße wie US-Techkonzerne. Netzbetreiber wie die Telekom, aber auch Internetdienst‧anbieter wie 1&1 Ionos buhlen mit Programmen um Firmenkunden, die gerade jetzt auf schnelle Hilfe angewiesen sind.

    Die Telekom stellte Kollaborationsdienste für Firmenkunden für drei Monate kostenlos. Ionos, die zur Firmengruppe United Internet mit den Marken Web.de, GMX und 1&1 von Gründer Ralph Dommermuth gehört, bietet ebenfalls Pakete zu Online-Zusammenarbeit, einen E-Shop und eine Homepage für drei Monate kostenlos an.
    Selbstkritisch räumte Dommermuth gegenüber dem Handelsblatt ein: „US-Firmen wie Microsoft und Amazon sind natürlich schlagkräftiger als wir.“ Dafür hätten Firmen aus Deutschland einen Vorteil: „Wir können einen hohen Datenschutz bieten. Das können die US-Anbieter nicht.“

    Eine zentrale Frage bleibt jedoch offen: Was bleibt nach der Pandemie vom Digitalisierungsschub übrig? In China, wo das Virus zunächst ausgebrochen war und mittlerweile viele Mitarbeiter wieder in ihren Büros statt im Homeoffice arbeiten, verzeichneten Videokonferenzanbieter einen starken Einbruch der Nachfrage.

    Nach Wochen oder gar Monaten im Homeoffice freuen sich offenbar viele Mitarbeiter wieder auf den persönlichen Kontakt und verzichten genauso so schnell auf die virtuellen Helfer, wie sie diese in der Krise nutzten.

    Mehr: Telekom-CEO Tim Höttges: „Die Telekom ist so etwas wie der Ackergaul, der den Pflug durchs Feld zieht.“

    Update:

    Google erklärt, dass die Ausfälle in den Rechenzentren nicht mit der Coronakrise zu tun haben.

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