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Schweizer GroßbankCredit Suisse legt bestes Quartalsergebnis seit fünf Jahren vor

Der neue Credit-Suisse-Chef Thomas Gottstein präsentiert trotz Corona starke Zahlen. Der Handel boomt – der überraschende Abgang des Vorgängers scheint überwunden.Felix Holtermann 23.04.2020 - 15:58 Uhr aktualisiert

Die Schweizer Großbank profitiert vom boomenden Handelsgeschäft mit Aktien und Anleihen.

Foto: dpa

Frankfurt. Gelungener Einstand für den neuen Credit-Suisse-Chef Thomas Gottstein: Die Schweizer Großbank steigerte trotz der Coronakrise ihren Vorsteuergewinn im ersten Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 13 Prozent auf 1,2 Milliarden Franken (1,1 Milliarden Euro). Der den Aktionären zurechenbare Nettogewinn kletterte sogar um 75 Prozent auf 1,3 Milliarden Franken (1,2 Milliarden Euro), wie die Bank am Donnerstag mitteilte.

Der Vorsteuergewinn lag damit leicht unter den Markterwartungen. Dennoch erreichte das Institut das beste Quartalsergebnis der vergangenen fünf Jahre. Neben deutlich anziehenden Erträgen aus dem Anleihe- und Aktienhandel trieben auch Einnahmen aus dem Verkauf der internen Anlagefonds-Plattform „InvestLab“ sowie ein negativer Steuersatz den Nettogewinn an.

„Das erste Quartal unter meiner Leitung als CEO der Gruppe war durch ein sehr schwieriges Umfeld mit einschneidenden Auswirkungen infolge der Covid-19-Pandemie geprägt“, erklärte Gottstein. „Unser auf die Vermögensverwaltung ausgerichtetes Geschäftsmodell erwies sich erneut als widerstandsfähig.“

Doch aufgrund der Viruspandemie verdüstern sich die Aussichten zusehends. In den kommenden Quartalen müsse die Bank möglicherweise weitere Reserven bilden und Wertberichtigungen vornehmen. Zudem könnte die Erholung bei den Beratungs- und Emissionsgebühren verhalten ausfallen. Im ersten Quartal schraubte Credit Suisse die Rückstellungen für Risiken im Kreditgeschäft auf 568 Millionen Franken hoch, nach 81 Millionen im Vorjahreszeitraum.

Zuvor hatten die großen US-Banken wegen des wirtschaftlichen Einbruchs, der stark gefallenen Ölpreise und der Millionen an Arbeitslosen in der aktuellen Krise Milliarden für faule Kredite zurückgestellt und im Gegenzug Gewinneinbrüche verzeichnet. Die Credit Suisse verweist hier auf den starken Heimatmarkt Schweiz. Dieser habe „in der Vergangenheit Kreditausfälle in einem geringen Umfang“ verzeichnet.

Aufschwung im Handelsgeschäft

An der Börse kamen die Zahlen weniger gut an. Die Credit-Suisse-Aktie notierte am Donnerstagnachmittag leicht im Minus. Die Analysten der Konkurrentin UBS verwiesen auf Abflüsse im heimischen Geschäft mit vermögenden Privatkunden. Außerdem seien einige Zuwächse auf Steuererstattungen zurückzuführen. „Der Ausblick bleibt vage und eher vorsichtig“, so das Urteil der UBS-Experten.

Gemischt fiel auch die Einschätzung der DZ-Bank-Analysten aus: „Credit Suisse zeigte sich im abgelaufenen ersten Quartal 2020 vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie als stabil“, aber die Qualität der Ergebnisse lasse zu wünschen übrig, vor allem aufgrund des großen Einflusses der positiven Einmal-Steuereffekte. „Für die kommenden Quartale erwarten wir, dass sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie stärker in den Zahlen niederschlagen werden“, so das Urteil der Analysten.

Credit Suisse ist die erste große europäische Bank, die seit dem Ausbruch der Pandemie einen Abschluss vorlegt. Vielen Großbanken macht in der Coronakrise der Abschwung im Geschäft mit Konsumkrediten und Kreditkarten zu schaffen, das sie in Boomzeiten ausgebaut haben. Doch in diesem Bereich sind weder die Credit Suisse noch der Schweizer Rivale UBS stark engagiert. Beide Häuser setzen vor allem auf reiche Privatkunden und auf das Investmentbanking, das Credit Suisse nach der globalen Finanzkrise ab 2008 weniger stark zurückgefahren hat als die UBS.

Von der Doppelstrategie profitiert Credit Suisse nun vor allem im Handelsgeschäft, das auf die Konzernbereiche „Global Markets“ und Asien (APAC) aufgeteilt ist und zum eigentlichen Ertragstreiber im ersten Quartal wurde. Dank der Turbulenzen an den Börsen kletterte der Ertrag aus dem Anleihehandel im ersten Quartal um 26 Prozent, während das Institut mit dem Aktienhandel 24 Prozent mehr einnahm. Credit Suisse verwies auf „eine robuste Handelsaktivität infolge der starken Volatilität und der hohen Handelsvolumen“.

Einbruch im Event-Geschäft

Es gab jedoch auch Ausfälle: „Dem standen gestiegene Verluste bei sonstigen Erträgen gegenüber, die hauptsächlich auf einem Verlust einer Single-Name-Gegenpartei beruhen“, wie die Bank erklärte. Gemeint ist damit offenbar der Ausfall eines Deals mit einem einzelnen Großinvestor. Die Höhe des Verlusts bezifferte Credit Suisse nicht.

Schlechter lief es auch im Event-Geschäft (IBCM), das die Begleitung von Börsengängen, Fusionen und Übernahmen sowie von Kapitalmarktmaßnahmen umfasst. Hier brachen die Erträge um 47 Prozent ein. So belief sich der Ertrag aus dem Aktienemissionsgeschäft auf lediglich 64 Millionen Dollar und entwickelte sich damit schlechter als der Branchenschnitt. Im Anleiheemissionsgeschäft verzeichnete Credit Suisse sogar einen Verlust von 25 Millionen Dollar.

Die Konkurrenz aus Frankfurt, die Deutsche Bank, die ihre Quartalsbilanz am 29. April vorlegen will, kann vom Aktienhandelsboom nicht mehr profitieren. Sie war im Zuge ihres Konzernumbaus, dem 18.000 Jobs zum Opfer fallen, aus dem Geschäft ausgestiegen. Credit Suisse hat die Sanierung der Sparte hingegen bereits unter Gottsteins Vorgänger Tidjane Thiam abgeschlossen.

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Thiam hatte seinen Posten in Zusammenhang mit einer Beschattungsaffäre Mitte Februar abgegeben. Der als bodenständig geltende Gottstein ist in vielerlei Hinsicht der Gegenentwurf zu seinem glamouröser auftretenden Vorgänger. Den ersten Akzent setzte der frühere Investmentbanker mit einem Kreditprogramm der Schweizer Banken für die unter der Coronakrise leidenden Mittelständler, an dessen Entwicklung er maßgeblich beteiligt war.

Mit Material von Reuters.

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