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  4. Bis 2025 werden mehr als 190.000 Erzieher fehlen

FamilienministeriumErziehern fehlt Aussicht auf beruflichen Aufstieg

In den kommenden Jahren werden Hundertausende Erzieher fehlen. Doch eine Fachkarriere lohnt sich kaum, zeigt nun eine Anfrage.Heike Anger 08.09.2020 - 05:00 Uhr Artikel anhören

Der Weiterbildungsmarkt für Erzieher gilt als „heterogen und unübersichtlich“, wie die Regierung zugibt.

Foto: dpa

Wenn es um Karriereperspektiven und Entwicklungschancen von Erziehern geht, besteht hierzulande ein massiver Nachholbedarf. Das zeigt die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion, die dem Handelsblatt vorliegt. Demnach ist festzustellen, „dass aus der Teilnahme an Fort- und Weiterbildungsangeboten eher selten Gehaltsverbesserungen oder Aufstiegsmöglichkeiten resultieren, was bereits im Vorfeld als ein Hindernis für die Teilnahme angesehen werden kann, insbesondere auch von geringer Qualifizierten.“

Das Ressort von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) gibt darüber hinaus an, dass der „angesprochene Weiterbildungsmarkt“ als „heterogen und unübersichtlich“ gilt. Denn anders als die Träger von fachschulischen und hochschulischen Qualifizierungen unterlägen die Träger der Weiterbildung keiner staatlichen Regulierung und seien auch nicht Gegenstand der amtlichen Statistik.

„Wir müssen die Arbeitsbedingungen in der Kinderbetreuung endlich grundlegend verbessern und die Professionalisierung des Berufsfeldes weiter vorantreiben“, forderte der kinder- und jugendpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Matthias Seestern-Pauly. „Wenn Erzieherinnen und Erzieher sich engagieren und fortbilden, dann muss das auch honoriert werden.“ Hier sei ein Richtungswechsel nötig, sonst werde sich der schon jetzt eklatante Fachkräftemangel noch weiter verschärfen.

Die Angaben des Familienministeriums sind pikant, weil Giffey jüngst eingestehen musste, dass ihr Programm „Fachkräfteoffensive“ nicht wie geplant finanziert und ausgeführt wird. Nach den ursprünglichen Planungen sollten den Ländern von 2019 bis 2022 insgesamt rund 300 Millionen Euro über ein Bundesprogramm zur Verfügung gestellt werden. Teil des Vorhabens war es, Aufstiegschancen für Erzieher zu schaffen. Dafür sollten Zuschüsse zur Vergütung von Fachkräften gefördert werden, die aufgrund einer Zusatzqualifikation mit einer besonderen Aufgabe betraut werden.

Personallücke: Bis zum Jahr 2025 werden bis zu 191.000 Erzieher fehlen

Es müsse attraktiver werden, im Erzieherberuf zu bleiben, hatte Giffey 2018 bei der Verkündung des Programms betont und auf Zahlen verwiesen, nach denen fast 25 Prozent der Nachwuchskräfte das Arbeitsfeld Kita nach den ersten fünf Jahren wieder verlassen.

Doch dann ließ der Bund die Förderung nach dem ersten Jahrgang 2019/2020 auslaufen. Damit ist auch der sogenannte Aufstiegsbonus wieder verschwunden. Im „Gute-Kita-Gesetz“ von Giffey fehlen bundesweit einheitliche Standards für die Personalausstattung.

Nach Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos wird die Personallücke in der frühen Bildung – also bei Kita- und Grundschulkindern im Alter von eins bis zehn Jahren – bis zum Jahr 2025 bei bis zu 191.000 Erziehern liegen. Bis zum Jahr 2030 fehlen demnach sogar 199.000 Erzieher.

In der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der FDP-Fraktion wird auf eine OECD-Studie aus dem Jahr 2019 verwiesen, nach der in Deutschland im Vergleich mit den anderen untersuchten Staaten die geringsten Barrieren für eine Teilnahme an Fortbildungsangeboten bestehen. Fort- und Weiterbildung werden demnach besonders stark gefördert, zum Beispiel durch Freistellung von der Arbeit oder Kostenübernahme durch Arbeitgeber.

Eine Studie der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) von 2018 zeige aber, dass Leitungskräfte die Teilnahme an Weiterbildung weniger mit Erwartungen nach mehr Verdienst verknüpften. Das gaben 48 Prozent der Befragten an. Barrieren zur Teilnahme stellten sich für 57 Prozent der Befragten durch Personalmangel und für 51 Prozent der Befragten durch das Fehlen passender Angebote.

FDP: Frühkindliche Bildung muss gestärkt werden

Gruppenkräfte nannten als häufigste Hürden für Fort- und Weiterbildung das Fehlen passender Angebote (58 Prozent der Befragten), die Kosten für die Teilnahme (40 Prozent) und die Annahme, dass eine Weiterbildungsteilnahme nicht einkommensrelevant sei (38 Prozent).

Befunde zeigten, „dass die weitere Entwicklung des Arbeitsfelds und damit auch die Professionalisierung davon abhängen werden, inwieweit es gelingt, weitere Fachkräfte zu gewinnen und Stützsystem wie etwa die Aus- und Weiterbildung oder die Fachberatung zu stärken“, heißt es in der Antwort der Bundesregierung.

Nach wie vor gibt es demnach Nachholbedarf bei Fachkarrieren, die insbesondere durch Weiterbildungen gespeist würden. Ziel sei es, durch die Fachkarrieren „langfristige Berufskarrieren in der Kindertagesbetreuung und damit den beruflichen Verbleib im Feld zu fördern.“

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Daten zu „zertifizierten Zusatzqualifikationen“ liegen demnach aber nicht vor, durch die „föderale Grundordnung“, wonach die Ausbildung von Fachkräften in der frühen Bildung den Ländern obliege.

„Familienministerin Giffey weiß um die prekäre Situation, die uns die Corona-Krise nochmals mit dem Brennglas vor Augen geführt hat“, sagte der FDP-Politiker Seestern-Pauly dem Handelsblatt. An die Stelle der „Schaufensterpolitik“ des „Gute-Kita-Gesetzes“ müssten deshalb endlich wirklich wirksame Maßnahmen zur Stärkung der frühkindlichen Bildung treten.

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