Deutscher Aktienindex: Welche Aktie ist der nächste Dax-Aufsteiger? Das sind die fünf heißesten Kandidaten
Wer sind die nächsten Kandidaten für einen Aufstieg?
Foto: dpaFrankfurt. Er gilt als deutscher Börsen-Olymp: der Dax-30. Der wichtigste deutsche Börsenindex ist für Anleger und Investoren eine Richtschnur und für manche Aktionäre das wirtschaftliche Schaufenster Deutschlands.
Viele Firmen buhlen darum, in den Club aufgenommen zu werden. Denn gerade institutionelle Anleger und vor allem solche aus den USA orientieren sich gerne an den Firmen im Dax. Die Mitgliedschaft dort schafft zusätzliche Nachfrage nach der Aktie. Milliarden Euro sind über Indexfonds im Dax investiert.
Umso interessanter kann es für Anleger sein, frühzeitig einen Blick auf die Firmen zu werfen, die Chancen haben, in die Beletage der Börse aufzusteigen. Wie schnell ein Wechsel möglich ist, bewies bereits das laufende Jahr. Seit Ende August residiert der defizitäre Essenslieferant Delivery Hero statt des insolventen Skandalkonzerns Wirecard im Dax. Im Juni räumte zuvor die Deutsche Lufthansa ihren Platz für den Immobilienkonzern Deutsche Wohnen.
Die nächste Chance lockt Anfang Dezember, wenn die Börse die Zusammensetzung der Dax-Familie erneut prüft – dann allerdings nur auf Basis der Regeln für einen „Fast Exit“ und „Fast Entry“: Um sofort aussortiert zu werden, müsste ein Unternehmen hinsichtlich Marktkapitalisierung oder Börsenumsatz hinter Platz 45 fallen. Der mögliche Abstiegskandidat Covestro müsste dafür einen deutlichen Kursrutsch erleben – was unwahrscheinlich ist.
Bis Ende des Jahres überprüft die Börse die Regeln für die Zugehörigkeit zum Dax. Entscheidend sind bislang die Marktkapitalisierung der frei gehandelten Aktien und der durchschnittliche Börsenumsatz der vergangenen zwölf Monate. Index-Experten sind deshalb durchaus in der Lage, bereits heute potenzielle Aufsteiger zu identifizieren.
Welche Titel also sind die Perlen aus dem Mdax mit Potenzial? Im Folgenden hat das Handelsblatt fünf Firmen zusammengestellt, die immer wieder als aussichtsreich gehandelt werden.
Eigentlich wollte der amerikanische Rivale Thermo Fisher die deutsche Biotechfirma im August kaufen und von der Börse nehmen.
Foto: dpaDas Biotechunternehmen aus dem nordrhein-westfälischen Hilden galt schon Anfang September als möglicher Dax-Kandidat für den Fall, dass der Leverkusener Chemiekonzern Covestro die Kriterien für einen Verbleib in der Topliga der Börse nicht mehr erfüllen sollte.
Der Name Qiagen tauchte dabei vergleichsweise spät auf. Denn eigentlich wollte der amerikanische Rivale Thermo Fisher die deutsche Biotechfirma im August kaufen und von der Börse nehmen. Doch die Übernahme scheiterte, und die anhaltende Börsenrally könnte Qiagen sogar mittelfristig den Weg in den Dax ebnen.
Doch der Biotechkonzern ist bisher nicht gut genug positioniert, um aus eigener Kraft in den Dax aufzusteigen. Hierfür müsste das Unternehmen bei Marktkapitalisierung und Umsatz mindestens auf Rang 30 liegen.
Sollte jedoch ein Dax-Konzern per Fast Exit aus dem Index fallen, weil er die Kriterien nicht mehr erfüllt, wäre Qiagen derzeit mit Platz 30 bei der freien Marktkapitalisierung und Rang 34 beim Börsenumsatz der aussichtsreichste Nachrücker, wie Indexexpertin Silke Schlünsen von der Mainfirst Bank darlegt.
Die meisten Analysten sind dennoch angesichts des hohen Aktienkurses verhalten. Neun raten laut Bloomberg zum Kauf, aber 13 zum Halten und zwei zum Verkauf.
Seit Langem wird der Duftstoff- und Aromenhersteller Symrise aus Holzminden als möglicher Dax-Kandidat gehandelt. Vorstandschef Heinz-Jürgen Bertram nimmt die Spekulationen bisher gelassen. „Über kurz oder lang kommen wir da sowieso rein. Ich bin da tiefenentspannt“, sagte er jüngst dem Handelsblatt.
Die Erfolgsgeschichte des Unternehmens ist beachtlich. Im niedersächsischen Holzminden ist ein Schwergewicht mit rund 10.000 Beschäftigten gewachsen. Bei Symrise hat sich der Aktienkauf bisher zu jedem Zeitpunkt gelohnt. Zu 17,25 Euro kamen die Papiere im Dezember 2006 an die Börse. Derzeit klettert die Aktie fast täglich auf neue Kurshochs.
Basis des Börsenerfolgs sind seit Jahren verlässliche Wachstumsraten, die selbst in Corona-Zeiten halten. Viele Analysten sind weiter optimistisch für die Aktie, insbesondere Häuser wie Kepler Cheuvreux, Baader Bank und Goldman Sachs. Der Börsenwert des Konzerns bewegt sich längst im Dax-Format und liegt mit Platz 24 auf der Rangliste deutlich vor Qiagen.
Doch die Börse will auch hohe Handelsumsätze in den Aktien sehen – und da hapert es bisher mit Rang 37. Denn bei einem raschen Wechsel im Dax hat die Firma Priorität, die bei beiden Kriterien, Free-Float-Marktkapitalisierung und Börsenumsatz, auf Rang 35 oder besser liegt – und das ist derzeit Qiagen. Die Meinungen der Analysten sind geteilt. Zehn raten zum Kauf von Symrise, 14 zum Halten und vier zur Trennung.
Die Erfolgsgeschichte des Aromenherstellers ist beachtlich.
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Zu den Grundpfeilern des Unternehmenserfolgs zählen eine rege Übernahmetätigkeit sowie regionale Expansion.
Foto: Sartorius AGGeht es nach dem Börsenwert und dem Kursverlauf, müsste das Göttinger Labortechnikunternehmen Sartorius längst zum Dax-30-Club gehören. Die im MDax notierte Firma kommt aktuell auf rund elf Milliarden Euro Börsenwert und übertrifft damit längst Dax-Konzerne wie Covestro und MTU Aero Engines. Auch in den vergangenen fünf Jahren zählte das Papier zu den Überfliegern im MDax.
Zu den Grundpfeilern von Sartorius Erfolg zählen eine rege Übernahmetätigkeit sowie regionale Expansion. Analysten loben das Zahlenwerk des Göttinger Unternehmens. Viele Experten sehen das Kurspotenzial der Aktie aber vorerst als weitgehend ausgereizt an.
Außerdem: Die Stammaktien gehören zu gut der Hälfte einer Erbengemeinschaft. Überwiegend im Streubesitz befindet sich zwar die Vorzugsaktie. Dennoch reicht es beim Börsenumsatz mit Rang 52 kaum für die Göttinger. „In naher Zukunft hat Sartorius so kaum eine Chance, einmal in den Dax aufzusteigen“, urteilt Indexexpertin Schlünsen. Die Analysten sind verhalten. Fünf sehen das Papier als Kauf, acht raten zum Halten und drei zum Verkauf.
Mit einer Marktkapitalisierung von rund 44 Milliarden Euro ist Healthineers ein Schwergewicht.
Foto: ReutersDie ausgegliederte Medizintechniksparte Siemens Healthineers sieht sich bereits auf dem Weg in den Dax-30. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 44 Milliarden Euro ist Healthineers ein Schwergewicht, doch der niedrige Streubesitz angesichts der 85-Prozent-Beteiligung des Mutterkonzerns war bisher der Hemmschuh.
Durch die angekündigte Übernahme des US-Medizintechnikunternehmens Varian könnte sich das jedoch bald ändern. Denn der Kauf soll teilweise durch eine Kapitalerhöhung finanziert werden, durch die der Siemens-Anteil von 85 auf 72 Prozent abschmelzen würde.
Abgeschlossen soll die Übernahme erst im ersten Halbjahr 2021 sein. Er sei sich sicher, dass es „nur eine Frage der Zeit ist, wann wir in den Dax aufgenommen werden“, gibt sich Healthineers-Chef Bernd Montag zuversichtlich.
Die Investoren zeigten sich zuletzt vom Varian-Kauf allerdings nicht überzeugt. Die Aktie verlor deutlich. „Selbst wenn Healthineers nach der Kapitalerhöhung das Dax-Kriterium erfüllt, muss der Börsenumsatz aber noch deutlich zulegen“, glaubt Expertin Schlünsen. „Schnell dürfte es mit dem Dax-Aufstieg eher nicht klappen, weil für den Börsenumsatz als Berechnungsgrundlage die letzten zwölf Monate entscheidend sind.“
Die Ansichten der Analysten sind geteilt. Neun raten zum Kauf, elf zum Halten, aber zwei zum Verkauf.
Während die Samwer-Brüder ihren Start-up-Investor Rocket Internet nach einem enttäuschenden Kursverkauf nach sechs Jahren von der Börse nehmen wollen, hat sich der ebenfalls aus dem Samwer-Haus stammende Online-Modehändler Zalando zu einem erfreulichen Investment entwickelt.
Auch dank der Coronakrise laufen die Geschäfte bei dem Versandhändler besser als gedacht und die Aktie erreichte erst unlängst ein neues Allzeithoch. Eine deutlich besser als erwartete Geschäftsentwicklung führte in diesem Jahr dazu, dass Zalando die Prognose für das Gesamtjahr deutlich angehoben hat, nachdem der Online-Händler die Vorhersage im ersten Quartal aufgrund der Pandemie-Unsicherheit noch leicht gesenkt hatte.
Als die Firma 2014 an die Börse ging, waren die ausgegebenen Aktien gerade einmal 605 Millionen Euro wert, heute sind es knapp 20 Milliarden Euro. Davon befinden sich allerdings nur 36 Prozent in Streubesitz, doch das reicht derzeit noch für Platz 28 bei der Marktkapitalisierung und Rang 39 beim Börsenumsatz. „Zalando liegt damit in Lauerstellung hinter Qiagen und Symrise für den Dax“, sagt Schlünsen. Mehr als jeder zweite Analyst, der das Papier laut Bloomberg regelmäßig covert, sieht die Aktie als Kauf.
Einen Aspekt sollten Anleger allerdings kennen, falls sie sich frühzeitig positionieren wollen. Der Dax-Aufstieg brachte den Neulingen in der Regel direkt nach der Dax-Aufnahme wenig Glück an der Börse. Nur in acht von 25 Fällen konnten die Index-Neulinge in den ersten zwölf Monaten ein besseres Ergebnis abliefern als der Leitindex.
Auch der letzte Neuzugang, der Berliner Essenslieferant Delivery Hero, scheint das zu bestätigen. Umso wichtiger ist für Aktionäre daher das richtige Timing: Berechnungen des Family Office HQ Trust zufolge verzeichnen die Aufsteiger vor der Index-Aufnahme deutlich überdurchschnittliche Zuwächse. Kursgewinne locken also vor dem Aufstieg.