CO2-Preis: Was die CO2-Steuer für Verbraucher bedeutet
Deutschland soll bis spätestens 2038 aus der klimaschädlichen Stromgewinnung aus Braun- und Steinkohle aussteigen.
Foto: dpaSpätestens seit der Fridays For Future Bewegung ist der Klimawandel ein entscheidendes politisches Thema. Seit Januar 2021 gelten in Deutschland CO2-Preise für die Bereiche Wärme und Verkehr, die SPD-Umweltministerin Svenja Schulze auf den Weg gebracht hat. Sie sollen dabei helfen, Treibhausgase zu minimieren und die Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen.
Die CO2-Steuer ist auch Teil des Klimaschutzprogramms 2030 der Bundesregierung.
Doch wie hoch ist die CO2-Steuer und was sind ihre Folgen? Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
Was ist die CO2-Steuer?
Als CO2-Steuer werden Abgaben bezeichnet, die für die Emission von Kohlenstoffdioxid fällig werden. Im engeren Sinne handelt es sich dabei nicht um um eine Steuer, sondern um einen nationalen CO2-Emissionshandel.
Kohlenstoffdioxid ist ein Gas, das sowohl in der Atmosphäre als auch in Vegetation und Ozeanen zu finden ist. Pflanzen produzieren aus CO2 und Wasser im Rahmen der Fotosynthese Sauerstoff. Wenn jedoch zu viel CO2 ausgestoßen wird, beispielsweise durch die Verbrennung von Rohstoffen wie Erdöl oder Kohle, erwärmt sich das Klima.
Die Veränderung des Klimas hat wiederum Auswirkungen auf die Lebensbedingungen von Mensch und Tier. Eine CO2-Steuer soll bezwecken, dass die negativen Auswirkungen der Emissionen durch einen definierten Preis kompensiert und verringert werden.
Wann wurde die CO2-Steuer in Deutschland eingeführt?
Die CO2-Bepreisung für Benzin, Diesel, Heizöl und Gas gilt in Deutschland seit Januar 2021. Zuvor mussten nur Unternehmen bestimmter Sektoren für den Ausstoß von CO2 zahlen. Dazu gehörten beispielsweise Fluggesellschaften oder Industrieunternehmen, die eine große Menge des Treibhausgases produzieren. Mit einem CO2-Preis will Deutschland seine Emissionsziele erreichen. Jeder, der Waren oder Dienstleistungen anbietet und dabei Treibhausgase ausstößt, muss die CO2-Steuer zahlen.
Wie genau sollen die Treibhausgase in Deutschland besteuert werden?
Unternehmen, die CO2 ausstoßen, können Zertifikate erwerben, mit denen sie ein Verschmutzungsrecht für das Ausstoßen der Treibhausgase erhalten. Die Zertifikate sind über den nationalen Emissionshandel erhältlich.
Wie wird der CO2-Ausstoß berechnet?
Laut der Dokumentation der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages, entstehen bei vollständiger Verbrennung eines Liters Benzin 2370 Gramm CO2. Ein Auto mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 5,5 Liter/100 km produziert somit also auf 100 Kilometern Fahrstrecke 13.035 Gramm (5,5 x 2.370g) Kohlendioxid.
Aus dieser Berechnung ergibt sich folgende Formel für die Umrechnung von Verbrauchswerten in CO2-Emissionswerte für Benziner:
Verbrauch in Liter/100km x 23,7 = CO2 in g/km.
Welche Kosten entstehen durch die CO2-Steuer?
Nach der Einführung der CO2-Steuer im Januar 2021 betrug der Preis für eine Tonne zunächst 25 Euro. Im Jahr 2022 beträgt der Preis bereits 30 Euro pro Tonne. Bis zum Jahr 2025 soll der Preis schrittweise auf bis zu 55 Euro steigen. Für Autofahrer, Mieter und Wohnungseigentümer heißt es, dass sie mehr für Sprit, Heizöl oder Gas bezahlen müssen.
Zuletzt wurde über einen zweiten, europaweiten Emissionshandel diskutiert. Von diesem wären auch die privaten Verbraucher betroffen. Unternehmen, die Privatpersonen Benzin, Diesel, Heizöl oder Gas verkaufen, sollten auch hierfür CO2-Zertifikate vorweisen müssen. Dadurch würde das Heizen und Autofahren teurer werden. Mitte Mai einigte sich das EU-Parlament jedoch, Privatpersonen von der zusätzlichen CO2-Abgabe auszuschließen und nur die Unternehmen zusätzlich zu belasten.
Welche Folgen hat die CO2-Steuer für Autofahrer und Pendler?
Für Autofahrer und Pendler macht sich die CO2-Steuer in Form von höheren Spritkosten bemerkbar. Bei einem Preis von 30 Euro pro Tonne CO2, steigt der Benzinpreis ungefähr um 8,4 Cent pro Liter. Für Diesel steigt der Preis um 9,5 Cent pro Liter.
Pendler können immerhin ein wenig aufatmen: Wegen des am 20. Mai vom Bundesrat verabschiedeten Steuerentlastungsgesetzes, wird die Erhöhung der Pendlerpauschale ab dem 21. Kilometer bereits rückwirkend ab Anfang 2022 gewährt. Zunächst war diese Anpassung ab 2024 geplant. Anstelle der für das Jahr 2022 festgesetzten 35 Cent, wird die Pauschale auf 38 Cent angehoben.
Welche Folgen hat die CO2-Steuer für Mieter und Vermieter?
Auch Unternehmen der Energiewirtschaft zahlen die CO2-Steuer, sodass auch die Heizkosten steigen. Bis zuletzt konnten Vermieter die entstandenen Mehrkosten durch die Nebenkostenabrechnung auf die Mieter abwälzen. Für Mieter einer durchschnittlichen Wohnung bedeutete das laut dem Mieterbund im Jahr 2022 einen Mehraufwand von 25 bis 125 Euro.
Die Bundesregierung hat nun ein Stufenmodell beschlossen, um die Mieter zu entlasten. Ab 2023 sollen die durch die CO2-Steuer entstandenen Mehrkosten zwischen Mieter und Vermieter aufgeteilt werden. Diese Reglung soll Vermietern einen Anreiz geben, ihre Immobilien energetisch zu sanieren. Kritiker befürchten das Risiko weiter steigender Mietpreise, da Vermieter ihren Kostenanteil durch eine Mieterhöhung erneut auf die Mieter abwälzen könnten.
Die Preissteigerungen für Energieträger im Überblick:
Welche Vorteile und Nachteile hat eine CO2-Steuer?
Die CO2-Steuer hat sowohl Befürworter als auch Gegner, denn die Besteuerung der schädlichen Treibhausgase bringt Vor- und Nachteile mit sich.
Vorteile:
- Die Verursacher hoher Emissionen werden direkt zur Kasse gebeten – wer sich nicht klimafreundlich verhält, zahlt drauf. Die CO2-Steuer fördert also ein klimafreundliches Verhalten.
- Verhalten, dass die Umwelt schont, wird indirekt belohnt, indem keine zusätzliche Steuer gezahlt werden muss. Wer auch mal mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, anstatt täglich mit dem Auto, profitiert also indirekt.
Nachteile:
- Die Steuerlast in Deutschland ist auch ohne eine CO2-Steuer hoch. In dieser Steuerlast sind bereits umweltbezogene Steuern enthalten, die das Klimaproblem bislang jedoch nicht gelöst haben.
- Die CO2-Steuer kann den übermäßigen Ausstoß von Treibhausgasen nur bedingt verhindert. Es ist fraglich, ob die Einführung der Steuer wirklich zu einer Verhaltensänderung führt, oder ob schlicht der Aufpreis gezahlt wird.
Wie funktioniert die CO2-Steuer in Schweden?
In Schweden gibt es die CO2-Steuer bereits seit 1991. Schweden plant bis zum Jahr 2045 CO2-neutral zu sein. Unternehmen und Privatpersonen zahlten im Jahr 2021 umgerechnet etwa 118 Euro Steuern je Tonne CO2. Die radikale Steuer führte dazu, dass die Schweden kaum noch mit Öl heizen. Stattdessen nutzen sie vermehrt Abwärme der Industrie und Erdgas. Die CO2-Steuer konnte hier also durchaus eine positive Veränderung bewirken, jedoch wurde mit der Einführung der CO2-Steuer auch die Lohnsteuer gesenkt.