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Firmenchat-SoftwareSlack ist ein Gewinner der Coronakrise: Umsatz in Deutschland steigt um 44 Prozent

Der Anbieter des Firmen-Messengers ist in Deutschland im ersten Halbjahr kräftig gewachsen. Doch Konkurrent Microsoft trübt die Freude.Michael Scheppe 26.10.2020 - 11:58 Uhr Artikel anhören

Der Anbieter wächst hierzulande kräftig – der Konkurrent Microsoft aber noch schneller.

Foto: imago images / ZUMA Press

Düsseldorf. Es ist ein Jahr her, dass Slack sein Büro in Deutschland eröffnet hat. Vertriebschef Oliver Blüher saß damals noch allein am Standort in München. Mittlerweile hat er rund zwei Dutzend Kollegen um sich geschart – zumindest virtuell, denn das Büro ist wegen der Corona-Pandemie geschlossen.

Nicht nur die Zahl der Mitarbeiter ist hierzulande kräftig gewachsen. Im ersten Halbjahr hat der Umsatz von Slack in Deutschland um 44 Prozent zugelegt. Das liegt hauptsächlich daran, dass die Zahl der Bezahlkunden gestiegen ist – nämlich um 81 Prozent. Die Zahlen hat das Handelsblatt exklusiv von dem Anbieter des Chattools erfahren.

Blüher erklärt sich den Umsatzsprung auch mit der Präsenz in Deutschland. „Wir können nun viel näher an den Kunden sein als vorher.“ Für Slack arbeiten hierzulande zumeist Vertriebler und IT-Experten, die Kunden bei der Integration von Slack in ihre Firmenabläufe beraten.

Zweifelsohne profitiert Slack auch von der Pandemie. Seit dem Corona-bedingten Umzug ins Homeoffice im Frühjahr setzen viele Firmen in Deutschland auf Chattools. Mit ihnen lässt sich die Zusammenarbeit von zu Hause aus oftmals einfacher organisieren als über meterlange Mailverteiler. So verbrachten Slack-Nutzer im April gut zwei Stunden am Tag mit dem Programm – die durchschnittliche Nutzungsdauer stieg also um 47 Prozent im Vergleich zur Zeit vor Ausbruch der Krise.

Trotz der guten Wachstumszahlen ist die Freude am Slack-Hauptsitz in San Francisco getrübt: Microsoft wächst mit seinem Konkurrenzprodukt Teams weltweit fast schon exponentiell, während der Zuwachs bei Slack eher stetig verläuft.

Microsoft hat im Vergleich mit Slack einen großen Vorteil

Dabei gilt Slack, das mit seiner Software 2013 an den Start ging, als Erfinder des Firmen-Messengers. Rivale Microsoft kam erst zwei Jahre später auf den Markt, hat aber einen großen Vorteil: Sein Programm Teams ist in der Unternehmensversion von Microsoft Office 365, der beliebtesten Bürosoftware der Welt, bereits enthalten.

Der Slack-Deutschlandchef sieht hierzulande weiteres Wachstumspotenzial.

Foto: Dropbox

Slack muss hingegen noch extra installiert – und bezahlt werden. Die Software kostet mindestens 6,25 Euro pro Nutzer und Monat. Geld, das viele Firmen offenbar sparen wollen, wenn Teams ohnehin auf dem Rechner installiert ist.

Der Streit zwischen den beiden Anbietern eskalierte im Sommer: Slack legte Wettbewerbsbeschwerde bei der EU-Kommission wegen Missbrauchs der Marktmacht ein. Zum aktuellen Stand des Verfahrens will sich Blüher nicht äußern.

Blüher gibt zu, dass das Programm vor allem im agilen Umfeld oder in IT-Abteilungen Anwendung findet. „Doch von diesen Abteilungen sehen wir die Chance, den Absprung in andere Unternehmensteile zu schaffen.“

Blühers Vertriebsmitarbeiter müssen hierzulande also noch viel Überzeugungsarbeit leisten. Mit Jägermeister und einem der vier großen Wirtschaftsprüfer ist es ihnen allerdings gelungen, hierzulande neue Großkunden zu gewinnen.

Slack Connect soll zum Wachstumstreiber werden

Als künftiger Verkaufstreiber soll das im Juni eingeführte Angebot Slack Connect dienen. Damit können sich Firmen in einem Kanal auch mit Mitarbeitern von Partnerfirmen austauschen.

Das könnte gerade die Zusammenarbeit mit Lieferanten und Vertriebspartnern erleichtern – und die Nutzung von E-Mails selbst bei der Zusammenarbeit über Firmengrenzen hinaus obsolet machen. Die Zahl der Kunden von Slack Connect habe sich hierzulande verdreifacht, sagte Blüher.

Slack-CEO Stewart Butterfield nutzt das neue Produkt, um den Streit mit Microsoft weiter anzuheizen: „Wir können uns nicht vorstellen, dass Teams so etwas in den nächsten Jahren anbietet“, sagte Butterfield kürzlich im Handelsblatt-Interview.

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Deutschland ist in Europa nach Großbritannien der zweitgrößte Markt. Blühers Ziel ist es, die Bundesrepublik zum wichtigsten zu machen. Und er hat noch ein weiteres Ziel: Er will seine neuen Mitarbeiter persönlich kennen lernen. „Das kommt momentan zu kurz.“

Viele kennt er nur aus Videokonferenzen. Und das dürfte vorerst so bleiben: Die Angestellten sind angehalten, bis kommenden Sommer von zu Hause aus zu arbeiten – trotz des neuen Büros.

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