Felix Berndt: Ein Arzt als digitaler Influencer
Der Arzt, dem die Instagramer vertrauen.
Foto: HandelsblattDüsseldorf. Felix Berndt zählt zu den bekanntesten Ärzten Deutschlands. Auf seinem Instagram-Account „Doc Felix“ schauen ihm 180.000 Menschen zu, bei Tiktok sind es sogar 400.000. Und trotzdem ist der 28-Jährige kein typischer Influencer.
Berndt will mit seiner Reichweite kein Geld verdienen, indem er Produkte vermarktet und seinen Alltag zur Schau stellt. Berndt bespielt die sozialen Medien mit Beiträgen zu Ernährungsplänen, Sporteinheiten oder Atemübungen für die mentale Gesundheit.
Er ist als medizinischer Influencer eine Ausnahmeerscheinung im Internet. Hinter den Massen an Zuschauern, die ihm folgen, verbirgt sich für ihn ein dringend notwendiger Auftrag: „Das zeigt doch ganz deutlich: Es gibt da einen Markt mit Patienten, die sich für präventive Medizin interessieren und in der herkömmlichen Versorgung nicht abgeholt werden.“ Das ist sein Antrieb: Berndt macht kein Social Media, um berühmt zu werden. Vielmehr sieht er in den traditionellen Strukturen der ärztlichen Versorgung fundamentale Lücken – die er versucht, als Influencer zu schließen.
Alles begann mit dem Start seines Medizinstudiums. Damals habe er schon fast den Glauben an das Gesundheitssystem verloren, erzählt Berndt: „Menschen besuchen einen Arzt, weil sie krank sind – und nicht, um gesund zu bleiben.“ Schon auf den Seminarplänen an der Uni fehlt aus seiner Sicht vollkommen das Thema Prävention. „Ich wollte immer Arzt werden. Aber nicht dafür sorgen zu können, dass Menschen gesund bleiben, war frustrierend“, berichtet er. Sein Studium startete er in Heidelberg und führte es in Düsseldorf fort.
Der Influencer sieht seine Eindrücke aus der Theorie auch in der Praxis bestätigt. „Auf Eigeninitiative kann ein Arzt einen Patienten präventiv behandeln“, sagt er. Doch eigentlich ließe die Vergütungsstruktur für Mediziner das gar nicht zu. „Ein schönes Beispiel ist der Diabetologe, der nur dafür bezahlt wird, den Blutzuckerwert mittels Medikamenten einzustellen.“ Die Motivation, den Lebensstil an die Krankheit anzupassen, übernehmen Ernährungstherapeuten – und die müssen Betroffene in der Regel selbst bezahlen.
Eine weitere Herausforderung: Ärzte sind zu weit von der Lebensrealität bestimmter Patientengruppen entfernt. Sie sind häufig deutlich älter, haben ein anderes soziales Umfeld und artikulieren sich grundverschieden.
Diese Hürden zu Ärzten führen laut Berndt dazu, dass Patienten in die sozialen Medien getrieben werden und dort auf Influencer treffen. Und die sind in den wenigsten Fällen Mediziner wie Berndt. Der beobachtet diese Entwicklung mit Sorge.
„Ich finde erschreckend, dass die Meinung eines ausgebildeten Mediziners scheinbar weniger Gewicht als die eines Influencers hat“, sagt er. Influencer stehen allerdings oft in der Kritik: Sie seien nicht authentisch, ihre Meinung gekauft und vieles mehr Schein als Sein.
Weil er fürchtete, selbst mit diesen Klischees behaftet zu werden, zögerte Berndt auch mehrere Wochen, bevor er seine eigene Social-Media-Karriere startete. Die Chance, die die sozialen Medien für die Gesundheitsförderung schaffen, überwog aber letztendlich: „Das Verhältnis zwischen einem Influencer und einem Follower ist das Verhältnis, das sich ein Arzt zu seinen Patienten wünscht.“
Überraschender Erfolg auf Tiktok
Vor zweieinhalb Jahren hat der gebürtige Hagener mit Instagram angefangen, ein Jahr später startete er mit Tiktok. Eigentlich wollte er damit nur weitere Zuschauer für seinen Instagram-Account gewinnen. Dass seine kurzen Videos dort besonders gut ankommen, hätte er nicht erwartet. In der Produktion geht er strategisch vor und nimmt meistens an einem Tag direkt mehrere Clips für Tiktok auf, veröffentlicht diese nur an verschiedenen Tagen.
Mittlerweile hat er es von den Social-Media-Kanälen ins Fernsehen geschafft. Bei Sat1 beantwortet er jeden Mittwoch im Frühstücksfernsehen Gesundheitsfragen. Zudem wirbt er für einen Fitnessprodukte-Hersteller. Vorläufig soll es bei einer Kooperation bleiben. „Da ich als Arzt kaum Werbung machen darf, muss ich hier sehr aufpassen – sonst kann ich meine Approbation verlieren.“ Ohnehin: Geld als Influencer zu verdienen, sei nur ein Nebeneffekt. Seine Kanäle betreibe er, um die Gesundheitsversorgung zu verbessern.
Sein Geld will Berndt künftig mit Telemedizin verdienen. Als Mitgründer startet er demnächst das Start-up Cyberdoc, das medizinische Behandlungen per Videochat anbieten wird. „Ich bin dort als Berater tätig und werde keine virtuellen Behandlungen durchführen“, kündigt er an.
Seine Aufgabe bestünde also ausschließlich darin, Ärzte von der digitalen Alternative zu überzeugen. „Das wird eine neue Herausforderung, weil Ärzte besonders starke Gewohnheitstiere sind, die an ihren Routinen festhalten.“ Der Influencer wird also im echten Leben beweisen müssen, wie überzeugend er wirklich ist.