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Umfrage der AuslandshandelskammerDeutsche Unternehmer beklagen schwieriges Russlandgeschäft

Russlands Wirtschaft geht es schlecht, deutschen Unternehmen im Land aber gut. Sorgen bereiten den Managern der Streit über Nord Stream 2 und politische Differenzen.André Ballin 10.12.2020 - 04:00 Uhr Artikel anhören

Deutsche Unternehmer mit Russlandgeschäft machen sich stark für die Fertigstellung der Ostsee-Gaspipeline.

Foto: dpa

Moskau. Die Corona-Pandemie hat die Erwartungen der deutschen Unternehmer in Russland spürbar gedämpft. In der aktuellen Geschäftsklimaumfrage der Auslandshandelskammer bewerteten mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmer die wirtschaftliche Lage in Russland als negativ oder leicht negativ; nur zwölf Prozent sehen einen positiven oder leicht positiven Trend.
Auch für 2021 herrscht Pessimismus vor: 37 Prozent der Befragten erwarten eine negative Entwicklung, 27 Prozent gehen von Stagnation aus, und nur 36 Prozent erwarten Verbesserungen. „Wir erkennen nur sehr begrenzten Optimismus“, räumte Rainer Seele, Chef des Energiekonzerns OMV und Präsident der deutsch-russischen Auslandshandelskammer (AHK) bei der Präsentation der Ergebnisse ein.

Paradoxerweise sind die eigenen Geschäfte der meisten Firmen bislang nicht betroffen. 37 Prozent werten die eigene Lage als gut, immerhin 52 Prozent als befriedigend. Bereits jetzt haben Firmen Investitionen von gut 430 Millionen Euro für 2021 geplant. Die Anpassungsfähigkeit deutscher Firmen sei ihre große Stärke, so Seele. Er sieht trotz des eher verhaltenen Ausblicks Potenzial für einen Aufschwung im nächsten Jahr.

Die Maßnahmen der russischen Regierung zur Stützung der Wirtschaft werden als „unzureichend“ angesehen, andererseits bereitet den Unternehmern auch zunehmend die politische Entfremdung zwischen Berlin und Moskau Sorge. Immerhin 70 Prozent konstatieren eine Verschlechterung des bilateralen Verhältnisses.

Das ist ein dramatischer Anstieg gegenüber dem Vorjahr, wo es gerade einmal acht Prozent waren. Die Nawalny-Affäre, der Tiergartenmord und die weiter anhaltenden Querelen um den Skripal-Anschlag seien dafür verantwortlich, sagte der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Oliver Hermes. Zu den Fällen selbst bezog Hermes keine Position, forderte stattdessen: „Eine Verständigung zwischen Deutschland und Russland muss Staatsräson bleiben.“

Der Ost-Ausschuss will seinen Beitrag dazu leisten. Ende der Woche ist die Gründungsveranstaltung des deutsch-russischen Unternehmerrats vorgesehen. Während auf deutscher Seite Ost-Ausschuss und AHK die treibenden Kräfte sind, wird der Rat auf russischer Seite vom Wirtschaftsministerium unter Minister Maxim Reschetnikow geführt. Hermes versicherte jedoch auf Nachfrage des Handelsblatts, dass der Unternehmerrat „keine geopolitische Diskussion führen“, sondern praktische Dinge lösen wolle, „wo Unternehmern der Schuh drückt“. Konkret sind das Themen wie lokale Produktion, Ankurbelung der russischen Exporte, Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

Plädoyer für Nord Stream 2

In allen Bereichen sieht sich die deutsche Wirtschaft als guter Partner der Russen. So machen sich AHK und Ost-Ausschuss erneut für die Fertigstellung der Ostseepipeline Nord Stream 2 stark und fühlen sich angesichts einer Zweidrittelmehrheit in der Umfrage für das Projekt bestätigt. Seele, als OMV-Chef in die Finanzierung von Nord Stream 2 involviert, nannte den Pipelinebau „von essenzieller Bedeutung für die Energiesicherheit Europas“. Zudem sei Erdgas als Brückentechnologie unverzichtbar. Seele sagte, es wäre „unverantwortlich“, solch ein Milliardenprojekt zu beerdigen.

Hermes, der das Projekt auch für den Ost-Ausschuss zur „höchsten Priorität“ machte, verwies auf zukünftige Nutzungsmöglichkeiten: Immerhin könne die Pipeline später zu 70 Prozent mit Wasserstoff gefüllt werden.
Der russische Konzern Gazprom hatte zuletzt mehrere Szenarien für eine Wasserstoffpartnerschaft mit Deutschland durchgespielt. Neben der Lieferung des Endprodukts über Nord Stream 2 ist auch der Aufbau einer Produktion am Endpunkt der Pipeline im Gespräch. Im Bereich Wasserstoff sieht auch die deutsche Wirtschaft neben der digitalen Transformation der Wirtschaft das höchste Kooperationspotenzial.

Wasserstoffprojekte geplant

Die Diskussionen über konkrete Projekte beginnen gerade in der AHK, wo ein Initiativkreis Wasserstoff gegründet wurde. Die Deutschen wollen bei der Produktion von blauem Wasserstoff (aus Erdgas) den Russen ihre technologische Kompetenz anbieten und gleichzeitig die russischen Weiten für die unterirdische Speicherung von CO2 nutzen – die laut Seele „in Deutschland leider verboten ist“.

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Auch bei dem aus erneuerbaren Energieträgern via Strom gewonnenen grünen Wasserstoff sieht die deutsche Wirtschaft in Russland einen Kooperationspartner. Schon aus Platzgründen sei allein aus deutscher Windkraft die Energiewende nicht zu schaffen, rechnete Hermes vor. Flächenländer wie Russland bieten sich daher als Partner an, so der Chef des Pumpenherstellers Wilo.

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