Wirecard-Skandal: Wie der Marsalek-Vertraute Henry O’Sullivan zu „Corinna Müller“ wurde
Henry O'Sullivan wusste nicht nur zu feiern. Er gilt als Strippenzieher hinter Wirecard-Vorstand Jan Marsalek.
Foto: unbekanntBerlin, Düsseldorf. Seinen 40. Geburtstag feierte Henry O’Sullivan im Paradies. Er lud Anwälte, Manager und hochrangige Führungskräfte von Wirecard auf die einsame Trauminsel Benguerra vor der Küste des ostafrikanischen Staates Mosambik. Auch Vorstand Jan Marsalek und seine Freundin sollten kommen. Als Mitbringsel wünschte sich der Gastgeber: Stifte für die Schulkinder im Ort und Champagner für das Partywochenende.
Das Luxus-Resort Azura Retreats, das O’Sullivan im November 2014 angemietet hatte, bot Hütten direkt am Strand, Palmen, azurblaues Meer. Bei der Anreise müssten die Gäste ein Stück durchs knietiefe Wasser waten, warnte die Assistentin des britischen Geschäftsmanns einen Monat vor der Feier. Für Jan Marsalek war das kein Problem. Er bevorzugte ohnehin eine Anreise per Helikopter, wie aus einer Mail seiner Sekretärin hervorgeht.
Die extravaganten Geburtstagsplanungen verraten viel über zwei der zentralen Schlüsselfiguren im Wirecard-Skandal. Jan Marsalek (40) und Henry O’Sullivan (46) gelten als enge Vertraute, die fernab der Zentrale in Aschheim gemeinsam große Deals einfädelten. Nun fragt die Justiz, ob dabei nicht Millionen abgezweigt wurden. Wirecard ist insolvent, Marsalek flüchtig. O’Sullivan meldet sich nicht auf Anfragen. Mit den Prüfern von KMPG und EY wollte er Anfang 2020 nur unter Bedingungen reden, dann war er für sie nicht mehr greifbar.