Analyse: Steigende Anleiherenditen bringen Anleger und die Fed in Bedrängnis
Der Vorsitzende der US-Notenbank versuchte zuletzt vergeblich, die Märkte zu beruhigen.
Foto: ReutersFrankfurt. Die Renditen in den USA steigen – und untergraben damit das Fundament der hohen Bewertungen an den weltweiten Kapitalmärkten. Der ausschlaggebende Satz der US-Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit stieg am Donnerstag zeitweise über 1,6 Prozent, bevor er am Freitag wieder etwas unter 1,49 Prozent rutschte – ein noch immer hoher Wert, etwa im Vergleich zu den Renditen im Januar. Ein Warnzeichen war auch, dass die US-Regierung in dieser Woche bei einer Auktion siebenjähriger Papiere auf sehr spärliche Nachfrage stieß. Der Trend der US-Bondmärkte wirkt sich weltweit aus: Die Renditen deutscher Staatspapiere mit zehn Jahren Laufzeit sind nur noch weniger als 0,3 Prozent im Minus, australische Papiere erlebten einen deutlichen Kursrutsch, aus den Schwellenländern fließt Kapital ab, zinslose Vermögensklassen wie Gold und Bitcoin sind weniger attraktiv.
Im Jahr 2013 wurde eine ähnliche Marktsituation als „Taper Tantrum“ bekannt, als Wutanfall („Tantrum“) der Märkte, ausgelöst durch die Aussicht auf ein Zurückfahren („Tapern“) der expansiven Geldpolitik. Jetzt dichtet die US-Großbank JP Morgan: „Tantrum ohne Taper“: ein Wutanfall, obwohl die Fed gar nicht straffen will.