Wirtschaftsforum: Merkel ruft deutsche Firmen zu Investitionen in der Ukraine auf
Die Kanzlerin ermunterte die ukrainische Regierung, ihre Reformagenda entschlossen fortzusetzen.
Foto: dpaBerlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit deutlichen Worten die weitere Unterstützung der Ukraine unterstrichen. „Allen Skeptikern zum Trotz“ werde die EU weiter entschlossen und unmissverständlich eine entschiedene Verfechterin der territorialen Integrität der Ukraine bleiben. Damit betonte Merkel, ohne Russland namentlich zu erwähnen, auch sieben Jahre nach der russischen Annexion der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim eine klare Haltung im Ukraine-Konflikt.
Zugleich betonte Merkel, die aus dem Kanzleramt zum deutsch-ukrainischen Wirtschaftsforum in Berlin zugeschaltet war, das „anhaltend hohe Interesse an der deutsch-ukrainischen Wirtschaftszusammenarbeit“. Merkel dankte den in der Ukraine aktiven deutschen Wirtschaftsvertretern ausdrücklich für ihr Engagement, das „keineswegs selbstverständlich sei“.
Deutschland schätze die Ukraine als Handelspartner, Investitionsstandort und dass sie im Energiebereich zur Versorgungssicherheit Europas beitrage. Vor allem beim Aufbau der Wasserstoffwirtschaft wolle Deutschland mit der Ukraine jetzt noch enger zusammenarbeiten. Allerdings drohen der Ukraine im Falle der Fertigstellung der umstrittenen Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 enorme Einnahmeausfälle, wenn Russland den Gastransit durch das Land stoppt.
Merkel ermunterte die ukrainische Regierung, ihre Reformagenda entschlossen fortzusetzen. Dies sagte der aus Kiew zugeschaltete ukrainische Präsident Wolodimir Selenski zu: „Der Kurs der Ukraine auf die Integration in Europa bleibt unverändert.“ Er dankte der Bundesregierung „ausdrücklichst“ für ihr Engagement im Konflikt um den ostukrainischen Donbass, wo Russland militärisch Separatisten in okkupierten Territorien unterstützt.
Die Ukraine wolle vor allem in den Bereichen IT, Digitalisierung, Energie, Logistik sowie Luft- und Raumfahrt mit deutschen Firmen kooperieren.
Die Ukraine will vor allem in den Bereichen Wasserstoffwirtschaft und Digitalisierung eng mit Deutschland kooperieren. Gerade auf dem IT-Sektor hat das Land viel zu bieten.
Foto: APDie Ukraine sei inzwischen ein „Digitalisierungs-Champion und ein interessanter Produktionsstandort“, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Marco Wanderwitz, der für Berlin die deutsch-ukrainische High Level Group zur wirtschaftlichen Kooperation leitet. Laut der Weltbank ist die Ukraine eines der innovativsten Länder der Welt.
Ukraine „das Silicon Valley Europas“
Michael Harms, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, nannte die Ukraine „das Silicon Valley Europas“. Bei der Digitalisierung könnten Deutschland und die EU von der Ukraine lernen. Ein deutscher Start-up-Unternehmer fragte auf dem Wirtschaftsforum Wanderwitz sogar, ob die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung in Deutschland nicht mithilfe ukrainischer Experten vorangetrieben werden könne.
Der ukrainische Digitalisierungsminister Michailo Fjodorow erwartet, dass die Zahl der IT-Experten in seinem Land bis 2025 von 200.000 auf 500.000 steigen werde. Am Donnerstag hatte der ukrainische Ministerpräsident Denys Schmyhal in Düsseldorf eine deutsch-ukrainische Digitalisierungspartnerschaft vereinbart.
Das Engagement deutscher Firmen in der Ukraine lasse „keinen Zweifel, dass uns die deutsch-ukrainischen Wirtschaftsbeziehungen am Herzen liegen“, betonte Eric Schweitzer, Chef des Entsorgers Alba und Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Die Ukraine hat durch ein Assoziierungsabkommen mit der EU Marktzugang zur EU und ist einer der wichtigsten Agrarproduzenten Europas. Immer mehr deutsche Kfz-Zulieferer siedeln sich im Westen der Ukraine an.