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Die ÖkostromlückeSo gefährdet die Regierung mit falschen Prognosen Deutschlands Energiezukunft

Elektroautos, Wärmepumpen, Wasserstoff – der Klimaschutz treibt den Stromverbrauch nach oben. Aber woher sollen die Massen an grüner Energie kommen?Jürgen Flauger, Kevin Knitterscheidt, Kathrin Witsch und Klaus Stratmann 16.04.2021 - 04:00 Uhr Artikel anhören

Erneuerbare Energien können den steigenden Stromverbrauch der kommenden Jahre voraussichtlich nicht ausgleichen.

Foto: Foreal
  • Wasserstoff statt Kohle, Batterie statt Benzin: Eine exklusive Studie beziffert, wie stark der Klimaschutz den Stromverbrauch in Deutschland nach oben treibt. Der Ausbau der erneuerbaren Energien wird voraussichtlich nicht wie geplant mithalten.
  • Die Prognose zeigt eine Realität, der sich die Bundesregierung hartnäckig verweigert. Die rechnet das Problem mit geschönten Zahlen klein – während der Ausbau von Wind- und Solarenergie stockt.
  • „Wir werden mehr Strom verbrauchen“, prognostiziert auch Veronika Grimm im Interview mit dem Handelsblatt. Die Wirtschaftsweise fordert einen forcierten Ausbau der Erneuerbaren und setzt auf Wasserstoff-Importe.

Düsseldorf, Berlin. Das deutsche Symbol für den Kampf gegen den Klimawandel steht in Duisburg-Bruckhausen. Das Stahlwerk von Thyssen-Krupp stößt dort Jahr für Jahr 20 Millionen Tonnen CO2 aus, das sind über zwei Prozent der gesamten Emissionen der Bundesrepublik.

Doch wo bislang Kokskohle die Hochöfen befeuert, soll in Zukunft umweltfreundlich produzierter Brennstoff zum Einsatz kommen: Thyssen-Krupp will die Rohstahlproduktion am Standort Duisburg bis 2050 schrittweise auf grünen Wasserstoff umstellen. Auch andere Stahlhersteller wie Arcelor-Mittal und Salzgitter treiben Projekte zur CO2-Reduzierung voran. Eine Alternative haben sie nicht. Wer sich dem Klimaschutz verweigert, wird in der EU schon bald sein Geschäftsmodell verlieren.

Die Umstellung auf Wasserstoff hat allerdings einen dramatischen Nebeneffekt: Der Umbau der Stahlwerke wird den Stromverbrauch der Branche drastisch nach oben treiben. Grüner Wasserstoff wird per Elektrolyse gewonnen – und dafür wird Strom benötigt. Sehr viel Strom.

Allein um das Werk von Thyssen-Krupp umzustellen, sind pro Jahr rund 40 Terawattstunden Ökostrom erforderlich. Das sind fast sieben Prozent des aktuellen Stromverbrauchs der Bundesrepublik. Wenn die gesamte Stahlproduktion in Deutschland auf Wasserstoff umgestellt werden soll, wären allein dafür 12.000 zusätzliche Windräder der großen Fünf-Megawatt-Klasse erforderlich. Zum Vergleich: In ganz Deutschland stehen derzeit über 30.000 kommerziell genutzte Windräder für die Stromproduktion.

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