Elektromobilität: VW und Quantumscape prüfen Bau von Feststoffbatteriefabrik in Deutschland
Volkswagen hat mit der Produktion eigener Batteriezellen für Elektroautos in Salzgitter bereits begonnen.
Foto: dpaDüsseldorf. Das US-Start-up Quantumscape könnte seine Feststoffbatterien in Salzgitter produzieren. Das hat das kalifornische Unternehmen am Freitag bekanntgegeben. Eine endgültige Entscheidung soll zwar erst Ende des Jahres fallen, aber wie am Freitag bekannt wurde, haben beide Unternehmen nun schon einmal eine Absichtserklärung unterschrieben.
Grund für die ungewöhnliche Standortauswahl ist der Partner Volkswagen. Der Wolfsburger Automobilkonzern hat seit 2012 bereits 300 Millionen Dollar in Quantumscape investiert und ist damit einer der größten Anteilseigner an dem gehypten Batterie-Newcomer.
Quantumscape, in das auch Microsoft-Gründer Bill Gates investiert hat, arbeitet an der Entwicklung der Feststoffbatterie. Dieser Batterietyp, an dem in Form der Lithium-Metall-Akkus schon seit Jahrzehnten geforscht wird, gilt als heiliger Gral der Batterietechnologie.
Die Zellen sollen mehr Reichweite, eine höhere Energiedichte und schnellere Ladevorgänge ermöglichen. Statt eines flüssigen Elektrolyten zum Transport der energietragenden Ionen – wie bei der herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterie – kommt hier ein fester Stoff zum Einsatz. Das macht die Zellen auch weitaus weniger brandanfällig. Zudem halten sie Temperaturschwankungen besser aus. Quantumscape ist nun überzeugt, die perfekte Formel für die Superbatterie gefunden zu haben.
Ab 2023 sollen in einer ersten Pilotanlage serienreife Akkus produziert werden. Jetzt haben die beiden Partner den möglichen Produktionsstandort bekanntgegeben: Die Batterien könnten im niedersächsischen Salzgitter gebaut werden, also im VW-Kernland.
Die Pilotfabrik mit dem Namen QS-1 soll zunächst eine Kapazität von einem Gigawatt haben, später aber auf 20 Gigawatt vergrößert werden. „Unser Ziel ist es, die Feststoffbatterie so schnell wie möglich auf den Markt zu bringen“, sagte Quantumscape-CEO und Mitgründer Jagdeep Singh am Freitag.
Feststoffbatterie bisher noch nie in Massen produziert
Die Partnerschaft mit Volkswagen bringe nun das Wissen der Batterietechnologie von Quantumscape mit einem Partner zusammen, der sich mit schneller, qualitativer und vor allem skalierbarer Produktionstechnologie in der Industrie bestens auskenne. Neben der Pilotfabrik soll vorher eine Demonstrationsanlage in den USA entstehen, in der bis zu 200.000 Zellen pro Jahr vom Band laufen und in Elektroautos getestet werden können.
Experten zeigen sich jedoch skeptisch, ob der Traum von der Feststoffbatterie jemals Wirklichkeit wird. Batteriespezialisten wie Panasonic und CATL versuchen sich bereits seit Jahren an der revolutionären Batterietechnologie – bislang jedoch ohne Erfolg.
Vorreiter Toyota wollte die erste Feststoffbatterie eigentlich schon längst auf der Straße haben und in diesem Jahr in die Serienfertigung gehen. Das ist jetzt erst einmal verschoben, auf 2025. Und auch Quantumscape-Investor Volkswagen ist von der Realisierbarkeit der Feststoffbatterie zwar überzeugt, sieht aber ebenfalls noch Probleme in der Massenfertigung.
„Die grundsätzliche Machbarkeit im Labor ist nachgewiesen, aber es gibt Herausforderungen bei der Fertigungstechnik im Volumen“, sagte ein VW-Sprecher. In der Massenfertigung werde an vielen Stellen „komplettes Neuland“ betreten.
Quantumscape hatte mit seinen Ankündigungen in den vergangenen Monaten allerdings neuen Schwung in die Feststoff-Debatte gebracht. Ende 2020 sorgte das US-Unternehmen für Aufruhr an den Börsen, als die Bewertung des Start-ups nach einer Erfolgsmeldung auf 50 Milliarden US-Dollar stieg. Wenige Wochen später war die Bewertung wieder um mehr als die Hälfte gefallen. Aktuell steht die Aktie bei 26,55 Dollar.