1. Startseite
  2. Meinung
  3. Kommentare
  4. ARD und ZDF: Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sollten ihre Wagenburg verlassen

KommentarARD und ZDF: Raus aus der Wagenburg

Statt sich mit den Argumenten einer Auftrags- und Strukturreform auseinanderzusetzen, wird die Populismuskeule geschwungen. Das schadet der Akzeptanz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.Thomas Sigmund 17.05.2021 - 16:43 Uhr Artikel anhören

Anne Will entschuldigte sich für einen Tweet, der sich auf eine einseitige Quelle stützte.

Foto: dpa

Letzte Woche zeigte Anne Will Größe. Die TV-Moderatorin entschuldigte sich für einen Tweet, der sich auf eine einseitige Quelle stützte. In ihrer Sendung am Sonntagabend in der ARD hatte Aktivistin und Grünen-Mitglied Luisa Neubauer dem Kanzlerkandidaten der Union Armin Laschet vorgeworfen, er würde in seiner Partei antisemitische Äußerungen legitimieren. Als Armin Laschet nach Belegen fragte, kam nichts. 

An diesem Fall flammte erneut die Debatte über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und seine parteipolitische Unabhängigkeit auf. Im Rundfunkstaatsvertrag ist die Neutralität von ARD und ZDF geregelt. Das heißt nicht, dass die Journalisten dort den Parteien nach dem Mund reden müssen.

Viele machen bei den Fernsehanstalten einen herausragenden Job. Nicht jeder missglückte Tweet, der dann gelöscht wird, ist eine Staatsaffäre. Wenn aber der ehemalige Chefredakteur der ARD der FDP Populismus vorwirft, hat das eine andere Dimension. Die Liberalen haben auf ihrem Parteitag eine Auftrags- und Strukturreform der Öffentlich-Rechtlichen gefordert.

Statt sich mit den Argumenten auseinanderzusetzen, wird die Populismuskeule geschwungen. Parteiisch sollten die Rundfunkanstalten nicht sein. Zumal die Apparate ohnehin träger geworden sind.

ARD und ZDF sollten Wettbewerb annehmen

Auch im Inland kommen die Öffentlich-Rechtlichen unter Druck. Pro Sieben wirbt den Sendern renommierte Journalisten ab. Die Axel-Springer-Gruppe versucht im Nachrichtengeschäft aufzuholen. Noch setzen die „Tagesschau“ und das „Heute Journal“, was Reichweite und Qualität angeht, die Maßstäbe.

Verwandte Themen
ARD
ZDF
Armin Laschet

Sie sollten aber den Wettbewerb annehmen. Bei dem Kanzler-Triell sieht es nicht danach aus. Hier bahnt sich ein Alleingang von ARD und ZDF an. Eine Begründung gibt es nicht. Auch nicht dafür, dass der SPD-Kandidat Olaf Scholz mit gerade mal 15 Prozent in den Umfragen teilnehmen darf und andere nicht.

In Deutschland gibt es keine Direktwahl des Regierungschefs. Es werden Parteien gewählt. ARD und ZDF haben ihre Berechtigung, die will ihnen auch niemand absprechen. Aber eine Wagenburgmentalität schadet ihrer Sache. Vielleicht sollten sich mehr Führungskräfte ein Beispiel an Anne Will nehmen und eine offene Debatte nicht scheuen. Sie haben gute Argumente. Wenn sie aber nur draufhauen, schaden sie der eigenen Akzeptanz. 

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt