Pkw-Flotte der Regierung: Welche Bundesminister die klimaschädlichsten Dienstwagen fahren
Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft lässt sich aktuell mit dem klimaschädlichsten Dienstwagen der Regierung chauffieren.
Foto: ReutersBerlin. Neue Pkws dürfen in der Europäischen Union seit diesem Jahr im Durchschnitt nur noch maximal 95 Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer ausstoßen. Doch ausgerechnet die Dienstwagenflotte der Bundesregierung ist in dieser Hinsicht nicht besonders vorbildlich: Einige Minister reißen die EU-Vorgabe sogar deutlich.
Das geht aus der Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. Der „Tagesspiegel“ hatte zuerst darüber berichtet.
Auf Platz zwei folgt die Staatsministerin für Digitales im Kanzleramt, Dorothee Bär (CSU). Mit ihrem Mercedes-Benz S 350d bläst sie 165 Gramm CO2 pro Kilometer in die Luft.
Auf Platz drei rangiert Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU), der mit seinem BMW 730Ld 150 Gramm ausstößt. Die anderen Mitglieder der Bundesregierung fahren deutlich klimafreundlichere Autos.
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) werden mit einem Audi A8 chauffiert und stoßen damit jeweils 66 Gramm in die Atmosphäre. Bei Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sind es über seinen BMW 745 nur 60 Gramm.
Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) verfügt ebenfalls über ein solches Modell. Mit einem anderen Motor stößt sie aber nur 52 Gramm aus. Als einziges Mitglied der Bundesregierung fährt sie zudem ein reines Elektroauto – einen Mercedes EQC 400 –, das null Gramm CO2 ausstoßen soll.
CO2-Ausstoß von 190 Gramm pro Kilometer und mehr
Darüber hinaus stehen den Kabinettsmitgliedern 14 sogenannte „sondergeschützte Limousinen“ mit einem CO2-Ausstoß zwischen 260 und 421 Gramm pro Kilometer zur Verfügung. Mit diesen Autos, die in der Aufstellung nicht aufgeführt werden, können auch Angela Merkel (CDU), Olaf Scholz (SPD), Horst Seehofer (CSU), Heiko Maas (SPD) und Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) unterwegs sein. Sie müssen besonders geschützt werden.
Die FDP-Wirtschaftspolitikerin Sandra Weeser, die die Übersicht angefordert hatte, äußerte scharfe Kritik. „Wenn eine Bundesregierung wie beim Thema Klimaschutz viel von den Menschen einfordert, dann müssen Regierungsmitglieder und Ministerien die Ersten sein, die hier vorangehen“, sagte sie dem „Tagesspiegel“.
Die meisten Bundesminister nutzen klimafreundliche Dienstwagen, aber es gibt auch Ausreißer.
Foto: dpaWeeser wies zudem darauf hin, dass Staatssekretäre vielfach weiterhin auf Dienstwagen mit einem CO2-Ausstoß von 190 Gramm pro Kilometer und mehr setzten.
Laut der Auflistung aus dem Bundesumweltministerium liegen demnach die Dienstwagen der CDU-Wirtschaftsstaatssekretäre Thomas Bareiß und Marco Wanderwitz deutlich über der EU-Vorgabe von 95 Gramm. Bareiß’ Fahrzeug, ein Mercedes-Benz S 350d, stößt 190 Gramm CO2 aus, der Audi A8 50 TDI von Wanderwitz 194 Gramm.
Über der EU-Norm liegen elf weitere Staatssekretäre, darunter die Landwirtschaftsstaatssekretärin Caren Marks (SPD). Auch die Sozialstaatssekretärinnen Kerstin Griese und Annette Kramme (beide SPD) liegen über diesem Wert.
Als klimafreundlichstes Ministerium gilt den Angaben zufolge das Bundesverteidigungsministerium von Ressortchefin Kramp-Karrenbauer. Insgesamt 408 Dienstwagen des Ministeriums und seiner nachgelagerten Behörden halten demnach den europäischen CO2-Grenzwert ein. Die meisten anderen Ministerien schneiden hier deutlich schlechter ab.
Die klimaschädlichsten Dienstwagen der Bundesregierung im Überblick
Hinweis: Die EU-Grenze liegt bei 95 Gramm CO2 pro Kilometer