Inflation: Verbraucherpreise in der Euro-Zone steigen auf höchsten Stand seit 2018
Die Teuerungsrate kletterte im Juli leicht über das EZB-Ziel hinaus.
Foto: dpaDüsseldorf. Im Euro-Raum sind die Preise für Verbraucher im Juli im Schnitt um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. Die vorläufigen Zahlen teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat am Freitag in Luxemburg mit. Damit liegt die Teuerungsrate leicht über dem Zielbereich der Europäischen Zentralbank (EZB) und auf dem höchsten Stand seit Oktober 2018.
Mittelfristig zielt die EZB auf eine Inflationsrate von zwei Prozent ab. Volkswirte hatten im Schnitt lediglich mit einem Anstieg auf 2,0 Prozent gerechnet.
Mit Blick auf ihre neue Strategie und das leicht angehobene Inflationsziel zwingt der aktuelle Anstieg Notenbankpräsidentin Christine Lagarde noch nicht zum Handeln. Im Juni war die Inflation im Währungsraum noch langsamer gestiegen – auf 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Die Jahresrate für die Kerninflation ging unterdessen von 0,9 Prozent auf 0,7 Prozent zurück. Die Kerninflation gilt vielen Ökonomen als aussagekräftiger für den grundsätzlichen Preistrend, da schwankungsanfällige Preise für Energie und Lebensmittel herausgerechnet werden.
Der harmonisierte Verbraucherpreisindex HVPI, den die EZB für ihre Geldpolitik heranzieht, lag in Deutschland im Juli nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes um 3,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats und um 0,5 Prozent über dem Stand von Juni 2021.
Anstieg der Inflationsrate wird erwartet
Die deutsche Inflationsrate war im Juli so stark gestiegen wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Die Verbraucherpreise legten um 3,8 Prozent zum Vorjahresmonat zu, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Im Vormonat lag die Rate des Verbraucherpreisindexes (VPI) bei 2,3 Prozent. Die Bundesbank geht für den weiteren Jahresverlauf für Deutschland davon aus, dass die Inflationsraten in Richtung fünf Prozent gehen.
Nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen Industriestaaten steigt die Sorge vor einer anhaltenden Inflation. In den USA kletterte die Teuerungsrate zuletzt um 5,4 Prozent. Das Ziel der US-Notenbank Fed war damit bei Weitem übertroffen – und auch die Erwartungen des Marktes.
Die Europäische Zentralbank dagegen erklärte im Vorfeld: „Unsere Situation ist völlig anders als in den USA. Dort liegt die Inflation deutlich über fünf Prozent. Für den Euro-Raum erwarten wir den Höhepunkt im November mit etwa 3,0 Prozent“, sagte EZB-Vizechef Luis de Guindos dem Handelsblatt.
Mit Agenturmaterial