Kommentar: Der Konservatismus liegt in Trümmern – Die Union muss ihn neu erfinden
Die Kanzlerin geht – eine Zäsur, die durch die Krise des Konservatismus massiv verstärkt wird.
Foto: dpaDie Bundestagswahl hat ein paradoxes Ergebnis geliefert. Die Deutschen haben gegen einen echten Politikwechsel gestimmt, aber einen politischen Systemwechsel herbeigeführt.
Das seit 1949 bestehende Parteiensystem ist mit dieser Wahl endgültig Geschichte. Mit der Union ist die letzte Volkspartei von der Bühne abgetreten. Die Krise des Konservatismus ist auch in Deutschland angekommen.
Die Bundesrepublik holt damit nach, was in anderen Ländern Normalität ist. Dort ist schon länger ein Niedergang der Konservativen zu besichtigen, nur in unterschiedlichen Ausprägungen. In Frankreich und Italien ist die konservative Partei bedeutungslos geworden und hat rechtspopulistischen Bewegungen Platz gemacht.
In den USA und Großbritannien wurden die Konservativen von Populisten gekapert. Und in Österreich regiert ein konservativer Kanzler, der mit Rechtspopulisten paktierte.
Auch in Deutschland sind bereits seit Jahren Risse im Fundament der Union erkennbar. Doch Kanzlerin Angela Merkel gelang es dank ihrer persönlichen Überzeugungskraft, das politische System der alten Bonner Republik bis in die 2020er-Jahre zu verlängern, als diese Ära eigentlich schon längst vorüber war.