Verbraucherpreise: Inflation in der Euro-Zone steigt auf 3,4 Prozent – Höchster Stand seit 13 Jahren
Die Energiepreise in Deutschland verteuerten sich im September um gut 14 Prozent.
Foto: dpaFrankfurt. Die Inflation im Euro-Raum ist auch im September weiter gestiegen. Die Verbraucherpreise kletterten um 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie das europäische Statistikamt Eurostat auf Basis einer Schnellschätzung mitteilte.
Damit liegt der Wert über dem Ziel der Europäische Zentralbank (EZB). Diese strebt eine Inflation von zwei Prozent auf mittlere Sicht an. Höher war die Inflationsrate zuletzt im September 2008 mit 3,6 Prozent. Schon im August hatte sie bei 3,0 Prozent gelegen.
Die EZB und viele Ökonomen argumentieren, dass der Preisanstieg hauptsächlich auf Sonderfaktoren zurückzuführen ist. Dazu zählen vor allem pandemiebedingte Lieferengpässe, Nachholeffekte beim Konsum und sogenannte Basiseffekte.
Gemeint ist, dass zum Beispiel der Ölpreis 2020 durch die Pandemie stark eingebrochen ist. Dadurch sind die Steigerungen derzeit im Vergleich zu den niedrigen Vorjahreseffekten besonders hoch. Größter Preistreiber sind derzeit die Energiepreise, die um 17,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegten.
Es gibt aber auch die Befürchtung, dass die Inflation auch länger höher ausfallen könnte. Commerzbank-Ökonom Christoph Weil verweist darauf, dass auch die sogenannte Kerninflation im September auf 1,9 Prozent deutlich gestiegen ist. Aus dieser werden besonders schwankungsanfällige Preise für Energie und Lebensmittel herausgestrichen.
Auch wenn die Rate durch Sondereffekte deutlich nach oben verzerrt sei, zeige sie doch, „dass der unterliegende Preisauftrieb infolge der Lieferengpässe und der Erholung vieler Dienstleistungspreise nach der Lockerung der Coronabeschränkungen zugenommen hat“. Er rechnet allerdings damit, dass der Inflationsdruck von dieser Seite im Laufe des nächsten Jahres wieder nachlassen wird.
Auch Carsten Brzeski, Ökonom der niederländischen Großbank ING, rechnet damit, dass im nächsten Jahr einige Einmaleffekte auslaufen werden. Allerdings hält er es für möglich, dass die Inflation durch sogenannte Zweitrundeneffekte hartnäckiger auf höherem Niveau bleiben könnte.
Gemeint sind Preiserhöhungen als Reaktion auf vorangegangene Kostensteigerungen. Zum Beispiel, wenn Produzenten die Preise anheben, weil Vorprodukte teurer werden. In der Vergangenheit haben sie oft darauf verzichtet und stattdessen geringere Gewinnmargen in Kauf genommen.
Brzeski rechnet aber im aktuellen Umfeld damit, dass die Unternehmen die höheren Preise eher an die Konsumenten weiterreichen. Außerdem verweist er auf Engpässe am Arbeitsmarkt für Hochqualifizierte und eine mögliche stärkere Regionalisierung von Lieferketten als Folge der Pandemie, die ebenfalls zu höheren Preisen führen könnte. Industriegüter verteuerten sich im September um 2,1 Prozent, wobei der Energiesektor ausgeklammert wurde.
Die EZB hatte ihre Inflationsprognosen im September deutlich angehoben. Sie sieht den Höhepunkt des Inflationsschubs in etwa im November. Für dieses Jahr erwartet sie nun für den Euro-Raum eine Steigerungsrate von 2,2 Prozent. Danach rechnet sie wieder mit niedrigeren Werten von 1,7 Prozent für 2022 und 1,5 Prozent für 2023.
Besonders hoch liegt die Inflation im Euro-Raum in den baltischen Staaten Estland (6,4 Prozent), Litauen (6,3 Prozent) und Lettland (4,6 Prozent), aber auch in Spanien (4,0 Prozent). Für Deutschland hatte das Statistische Bundesamt bereits am Donnerstag die Zahlen vermeldet. Nach dem europäischen Maß des harmonisierten Verbraucherpreisindexes (HVPI) lag die Inflation bei 4,1 Prozent. Der etwas anders zusammengesetzte deutsche Verbraucherpreisindex (VPI) stieg im selben Monat ebenfalls um 4,1 Prozent.