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KommentarNach dem Flixbus-Coup: Deutsche Mobilitätsunternehmen erobern die USA – dank guter Software

Flixbus und Sixt erobern die USA in Windeseile. Was riskant aussieht, ist durchdacht. Beide mischen einen etablierten Mobilitätsmarkt mit einer Technologieplattform auf.Jens Koenen 21.10.2021 - 14:31 Uhr Artikel anhören

Wenig eigene Busse, starke Software-Plattform – ob das Flixmobility-Erfolgsrezept auch in den USA klappt, ist offen.

Foto: dpa

Was für ein Coup: Die Flixbus-Mutter Flixmobility kauft Greyhound. Fast jeder kennt den Busanbieter aus den USA, in zahlreichen Spielfilmen waren die Busse mit dem Windhund als Logo präsent.

So weit, so gut. Eine Frage drängt sich allerdings auf: Warum nur kauft ein Unternehmen, das bisher Wert darauf legt, die Busse nicht selbst zu besitzen und zu fahren, plötzlich doch einen Fuhrpark? Noch dazu einen, der mit über 1000 Bussen samt Fahrern ansehnlich ist.

Tatsächlich begibt sich Flixmobility mit der Transaktion in ein gewisses Risiko. Busse sind Assets, die erst einmal auf der Bilanz lasten. Die Fahrer wiederum treiben den Personalaufwand. Selbst wenn das Management von Flixmobility die Flotte von Greyhound im Laufe der Jahre schrumpfen wird, vorerst wird die sogenannte „Asset-Light-Strategie“ etwas aufgeweicht.

Denn ein solcher Umbau muss behutsam geschehen und wird dauern. Schließlich steht das Markenversprechen des deutschen Jungunternehmens mit den beiden Marken Flixbus und Flixtrain: eine für jeden bezahlbare Mobilität, aber mit einer guten Qualität. Große interne Unruhe bei Greyhound, und das womöglich über längere Zeit, wäre pures Gift für die Pläne der deutschen Jungunternehmer.

Gleichzeitig hat Flixmobility aber einen großen Hebel, um genau diese Herausforderung zu meistern. Es ist die Technologieplattform. Sie ist unbegrenzt skalierbar. Dort neue Angebote aufzunehmen ist ein überschaubarer Aufwand. Selbst andere Verkehrsmittel wie die Züge von Flixtrain lassen sich relativ schnell auf diese Plattform hieven. Gleiches wird nun in den USA geschehen.

Autovermieter Sixt fährt ein ähnliches Prinzip

Nach diesem Prinzip verfährt auch der Autovermieter Sixt. Erich Sixt beschreibt sein Imperium als ein IT-Unternehmen mit angeschlossener Autovermietung. Steht die IT einmal, kann über die Plattform eine unbegrenzte Zahl an Autos vermarktet werden – wie es gerade ebenfalls in den USA geschieht. Das ermöglicht nicht nur ein schnelles Wachstum. Je mehr Produkte oder Dienstleistungen über eine solche Plattform laufen, desto profitabler wird auch das Geschäft.

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Zunächst mag die starke Expansion in den USA Geld kosten, weil die Firmen in Vorleistung gehen. Aber über ihre Plattformen können sie aus den Anlaufverlusten rasch ansehnliche Gewinne machen.

Nichts anderes machen die großen Internetunternehmen aus den USA in ausländischen Märkten schon seit Jahren. Es tut gut zu sehen, dass es auch in die andere Richtung funktioniert, dass auch deutsche Firmen in der Lage sind, etablierte US-Märkte über eine intelligente Technologie aufzumischen.

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