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Hélène HubyDeutsch-französisches Start-up will zum Mond und zurück

Sie war Innovationschefin bei Airbus. Jetzt will Hélène Huby mit The Exploration Company ein Raumschiff bauen – und holt deutsche Investoren mit an Bord.Larissa Holzki 19.11.2021 - 04:00 Uhr Artikel anhören

Der „New Space“ genannte private Sektor wächst rasant.

Foto: Prisma Bildagentur

Düsseldorf. Hélène Huby will zum Mond und zurück. Genauer gesagt möchte sie ein Raumschiff bauen, das dazu in der Lage ist. „In der ersten Mission fliegen wir drei bis sechs Monate um die Erde. Die zweite Mission geht zum Mond und dann zurück“, sagt die Französin. Als sie im April den Entschluss gefasst hatte, gründete sie ein Start-up, rekrutierte rund zehn Mitarbeiter, eröffnete zwei Büros in Gilching bei München und Bordeaux – und hat gerade 6,5 Millionen Euro eingesammelt. Aber das ist natürlich noch viel zu wenig.

The Exploration Company ist wohl eines der ambitioniertesten Start-up-Projekte Europas. Und es ist eine Antwort auf den globalen Wettkampf um den Weltraum. „Die USA und China liefern sich ein Wettrennen, das ist verrückt“, sagt Huby. Es gehe um die Kommerzialisierung der niedrigen Erdumlaufbahn, um private Raumstationen – und um den Mond als Ausgangspunkt für die Marslandung. Die Gründerin will, dass auch Europa dabei aktiv mitmacht: „Das ist keine Science-Fiction, das ist ein superwichtiger Schritt für die Menschheit.“

Dass Huby aus dieser Überzeugung selbst gegründet hat, sagt viel aus über den Wandel der Raumfahrtindustrie. Denn Huby hat dafür Europas größten Weltraumkonzern verlassen. Sie war Innovationsleiterin bei der Airbus-Tochter Defence and Space, die unter anderem auf militärische und zivile Raumfahrt spezialisiert ist. Sie war sogar für das europäische Servicemodul von Orion verantwortlich, den Antrieb des modernsten Raumschiffs der europäischen Weltraumorganisation Esa und der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Noch vor wenigen Jahren wäre das wohl eine der besten Positionen gewesen, um Europas Raumfahrt international bedeutsam zu machen.

Doch immer mehr Menschen sehen in der Privatwirtschaft größere Chancen. Der „New Space“ genannte private Sektor wächst rasant. Unternehmen wollen von Satelliten aus 5G-Netze aufbauen, Daten für das autonome Fahren bereitstellen, Waldbrände erkennen. Und plötzlich steht – auch in Europa – viel privates Kapital zur Verfügung, um die komplexen und riskanten Missionen zu finanzieren. Zwei der Wagniskapitalgeber von Huby kommen aus Deutschland.

Die Entwicklung lässt sich an Zahlen ablesen: Laut einer Analyse von Brycetech und Morgan Stanley Space Research wurden im Jahr 2000 weltweit 100 Millionen Dollar in private Raumfahrtunternehmen investiert, 2020 waren es bereits 7,6 Milliarden Dollar. Dahinter stehen Hoffnungen auf einen riesigen neuen Markt: Brycetech prognostiziert für die Weltraumindustrie 2040 einen 2,7-Billionen-Dollar-Umsatz.

2024 will Huby eine Kapsel um die Erde schicken, 2028 auf den Mond

Huby hat nach eigenen Aussagen neun Monate lang die Argumente abgewogen. Am Ende steht für sie fest: Airbus und die alte Industrie sind zu langsam, zu unflexibel und werden behindert durch unterschiedliche Interessen der Länder in Europa. Die Gründerin glaubt auch, dass privates Geld wichtige Anreize setzt. Bei öffentlich geförderten Projekten käme das Geld notfalls schon irgendwoher. „Mit privaten Investoren liefert man besser pünktlich und hält die Kosten im Griff“, sagt Huby.

Weltraumforschung als erschwinglicher Service.

Foto: Privat

Es war auch allen voran die private Industrie, die den Zugang zum Weltraum günstiger gemacht hat. Das Münchener Raketen-Start-up Isar Aerospace etwa plant, künftig ein Kilogramm Nutzlast für 10.000 Dollar ins Weltall zu bringen – statt für den derzeitigen Preis von 30.000 bis 40.000 Dollar pro Kilogramm. Genauso will Huby als Dienstleisterin für Unternehmen ganz neue Möglichkeiten eröffnen: Weltraumforschung als erschwinglicher Service.

Forschen und entwickeln in der Schwerelosigkeit ist vor allem für die Pharmaindustrie und in der Materialentwicklung interessant: „Stammzellen wachsen schneller und besser im Weltall“, gibt Hélène Huby ein Beispiel. Weil man im Weltraum schneller altere, ließen sich auch Anti-Aging-Produkte besser testen. Und Adidas habe sogar schon einen Schuh ins Weltall geschickt, nur um Werbung für den leichten Sportschuh zu machen.

Allein der Markt für Transporte zum Mond soll laut einer Studie von Pricewaterhouse-Coopers 2040 rund 187 Tonnen umfassen und einen Umsatz von 79 Milliarden Dollar nach sich ziehen. Entsprechend drängen auch schon andere Firmen in den Markt, auf den es The Exploration Company abgesehen hat. Varda Space Industries beispielsweise will Fabriken im Orbit bauen und bekommt dabei Unterstützung und Kapital unter anderem von SpaceX und Peter Thiels Founders Fund. Im Sommer sammelte die Firma 50 Millionen US-Dollar ein (44 Millionen Euro). Wenn es um Mondmissionen geht, konkurriert Huby nach eigenen Angaben mit SpaceX, dem US-Start-up Astrobotic und Ispace aus Japan.

Umso wichtiger ist für The Exploration Company ein ehrgeiziger Zeitplan: 2024 will Huby zeigen, dass sie eine Kapsel rund um die Erde schicken kann, 2026 soll die erste mehrmonatige Mission mit Rückkehr zur Erde stattfinden. Der erste Flug zum Mond ist für 2028 geplant.

Investor Oehl: „Wenn es jemand schafft, dann Hélène und Team“

„Wenn es jemand schafft, dann Hélène und Team“, sagt Thomas Oehl. Seine Münchener Firma Vsquared Ventures ist auf forschungsgetriebene Technologien (Deeptech) spezialisiert und einer von drei Kapitalgebern, die sich in einer aktuellen Finanzierungsrunde mit insgesamt 5,3 Millionen Euro beteiligen.

Die studierte Mathematikerin hat sich ihr Weltraumwissen erst bei Airbus angeeignet. Aber inzwischen kennt sie sich aus: Sie hat ihren eigenen Wagniskapitalfonds mit Fokus auf Luft- und Raumfahrt aufgebaut. Zu den Portfoliofirmen zählen Clearspace aus der Schweiz, das Weltraumschrott beseitigt, Astrome aus Indien, das jedem Inder per Antenne einen Breitbandzugang ermöglichen will, und D-Orbit aus Italien, das sich auf die „letzte Meile“ beim Launch von Satelliten fokussiert.

Zudem hat Huby das Karman-Projekt gestartet. Jedes Jahr treffen sich bei dem Event 15 führende Space-Experten aus aller Welt, um wichtige Industriethemen zu besprechen. Alles bleibt geheim: Die Initiative soll Vertrauen in einem hochkompetitiven und gesellschaftlich bedeutenden Markt schaffen.

Oehl glaubt, dass es Huby nicht nur gelingen kann, die richtige Technologie zu entwickeln und die besten Talente anzuziehen – der Großteil ihres Teams kommt ebenfalls aus dem Airbus-Umfeld. Sie kenne auch das politische Spiel. Im Umgang mit den Stakeholdern der Industrie sei sie „wahnsinnig stark“.

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Größter Investor von The Exploration Company ist Promus Ventures. Die Firma hat gerade einen von Luxemburg aus gemanagten 120 Millionen Euro schweren Raumfahrt-Fonds angekündigt, der zu einem Drittel vom Europäischen Investitionsfonds finanziert wird. Zudem beteiligt sich der Berliner Frühphaseninvestor Cherry Ventures. Für die Firma, die vor allem für ihre E-Commerce-Expertise bekannt ist, ist es das erste Start-up mit Weltraumbezug. Auch das zeigt, wie populär der Weltraum als neue Innovationsplattform geworden ist: Jetzt will jeder nach den Sternen greifen.

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