Lebensmittel-Technologie: Infarm wird zum Einhorn: Investoren sehen Foodtech als kommenden Megatrend
40 Quadratmeter braucht ein Gewächshausmodul von Infarm – es soll den gleichen Ernteertrag liefern wie 10.000 Quadratmeter im herkömmlichen Anbau.
Foto: HandelsblattDüsseldorf, Berlin. Mit der Berliner Firma Infarm überschreitet das erste deutsche Lebensmittel-Start-up die Bewertung von einer Milliarde Dollar. Dafür sorgt eine neue Finanzierungsrunde über 177 Millionen Euro, die Infarm am Donnerstag bekannt gegeben hat. Damit zählt das Unternehmen, das Osnat Michaeli und die Brüder Erez und Guy Galonska 2013 gegründet haben, zur Riege der sogenannten Einhörner.
Das Geschäftsmodell: Kräuter und Gemüse effizient, ökologisch und so nah wie möglich am Vertriebsort züchten. „Mehr als die Hälfte der weltweiten Tophändler gehört bereits zu unseren Kunden“, sagte Infarm-Chef Erez Galonska dem Handelsblatt.
Bekannte Abnehmer sind Metro, Edeka, Kaufland und Aldi Süd – teilweise können Kunden dort Rosmarin oder Basilikum im Regal wachsen sehen. Die sogenannten Instore-Farmen von Infarm sehen aus wie ein Kühlschrank. Dank Licht und Nährlösung lagert der Salat darin aber nicht nur, sondern wächst dort auch gleich heran. Ein Großteil der Produktion findet jedoch in großen und vor allem hoch aufgebauten Gewächshäusern statt.
An Infarm lässt sich ein kommender Megatrend ablesen: Investoren sammeln derzeit viel Geld ein, um in Lebensmitteltechnologie – auch „Foodtech“ genannt – zu investieren. So hat in Deutschland der Investor Christophe Maire einen spezialisierten Fonds mit 100 Millionen Euro aufgesetzt. Der frühere Metro-Chef Olaf Koch hat im Sommer mit seiner Firma Zintinus 50 Millionen Euro für Investments in dem Bereich eingesammelt.