Rohstoffe: Ölpreis auf Sieben-Jahres-Hoch – Energiekosten setzen die EZB unter Druck
Technische Anlagen stehen auf dem Khurais-Ölfeld, das rund 160 Kilometer von Riad entfernt liegt.
Foto: dpaZürich, Frankfurt. Prinz Abdulaziz bin Salman wähnt sich auf Augenhöhe mit Christine Lagarde und Jerome Powell. Die Gruppe der mächtigsten staatlichen Ölexporteure, Opec plus, ist aus Sicht des saudischen Ölministers die Zentralbank der Ölmärkte – und an seinem Führungsanspruch innerhalb der Allianz lässt er keinen Zweifel. Als oberster Rohöl-Zentralbanker bereitet bin Salman den Chefs der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) in diesen Tagen viel Kopfzerbrechen.
Obwohl die Ölnachfrage bereits das Niveau von vor dem Ausbruch der Coronapandemie erreicht hat, hält die Opec plus das Ölangebot weiter knapp. Die Folge ist eine seit Januar 2021 anhaltende Ölpreisrally, die sich auch im neuen Jahr ungebremst fortsetzt. Der Preis für europäisches Brent-Öl kletterte zuletzt auf über 88 Dollar pro Barrel (rund 159 Liter). Das ist der höchste Stand seit mehr als sieben Jahren.
Die Ölpreisrally setzt auch die EZB immer stärker unter Druck: Kein Faktor hat die Inflation zuletzt so stark beeinflusst wie die Energiepreise. Im Dezember stiegen sie im Euro-Raum um 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dadurch ist die Inflationsrate auf fünf Prozent gesprungen. Insgesamt machten die Energiekosten im Zeitraum von April bis Dezember 2021 mehr als die Hälfte des Preisanstiegs im Währungsraum aus.