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Derma-TechDrei Hautarzt-Start-ups und ein Google-Algorithmus

Verschiedene Start-ups versprechen die Haut-Diagnose per App. Auch Google arbeitet an einer entsprechenden Technologie.Lukas Hoffmann 04.02.2022 - 11:04 Uhr Artikel anhören

(Foto: IMAGO/Cavan Images)

Foto: Handelsblatt

Dermanostic hat vor Kurzem bekannt gegeben, zwei Millionen Euro eingesammelt zu haben. Unter den Investoren ist der börsennotierte Nivea-Konzern Beiersdorf. Noch mehr Geld, nämlich 30 Millionen Euro, sammelte das Berliner Hautarzt-Start-up Formel Skin kurz vor Weihnachten ein. Die Herausforderung: Auch Google bastelt an einer Hautscreening-Technologie.

(Foto: Patrycia Lukas)

Foto: Handelsblatt

Noch ist wenig von dem Google-Werkzeug namens DermAssist bekannt. Nutzer sollen drei Fotos von der Haut, den Haaren oder den Nägeln schießen, anschließend Fragen zu ihrem Hauttyp und zum Problem beantworten, woraufhin eine Künstliche Intelligenz eine große Datenbank mit passenden Bildern und Krankheiten durchsucht.

„Das Tool ist nicht dazu gedacht, eine Diagnose zu stellen oder einen ärztlichen Rat zu ersetzen“, schrieben die beiden Google-Verantwortlichen Peggy Bui und Yuan Liu in einem Blogbeitrag. Doch als Medizinprodukt der Klasse 1 sei der DermaAssist in Europa zugelassen. Eigentlich sollte er bereits im vergangenen Jahr als Pilot starten. Aber die Bildaufnahmen ließen noch keine zufriedenstellende Bildanalyse zu. Macht der DermAssist die Beratungen der deutschen Hautarzt-Start-ups überflüssig?

Patienten wollen ärztliche Einschätzung

Klaus Strömer ist Hautarzt und Sonderreferent „Digital Health“ beim Bundesverband Deutscher Dermatologen. Er denkt nicht, dass die Google-Anwendung geschäftsschädigend für die deutsche Start-up-Szene sein wird. „Der Patient will bei Hautproblemen eine belastbare Facharzt-Antwort haben und braucht individuelle Betreuung, das kann die Google-KI noch nicht.“ Die beiden Start-ups Formel Skin und Dermanostic und auch ein drittes Hautarzt-Start-up – Online Doctor – würden auf Facharztniveau beraten.

(Foto: Unternehmen)

Foto: Handelsblatt

Denn in allen drei Start-ups begutachten gelernte Hautärzte die eingeschickten Bilder. Darin sehen die Gründer einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil der eigenen Produkte gegenüber der Google-Anwendung. Leonie Sommer, Deutschlandchefin des Schweizer Start-ups Online Doctor, sagt, dass manche Patienten durch den prominenten Namen von Google erst von der Möglichkeit einer Online-Haut-Diagnose erfahren: „Google ist eine weltbekannte Marke. Die Technologie hilft dabei, Menschen für Hautveränderungen zu sensibilisieren und zur Früherkennung zu motivieren.”

Anders als Dermanostic und Fomel Skin, deren Angebote mehrheitlich von Selbstzahlern genutzt werden, hat Online Doctor von Beginn an den Blick auf die Kassen gelegt. 40 gesetzliche Krankenkassen und alle privaten Kassen würden die rund 39 Euro pro Online-Konsultation übernehmen, berichtet Sommer. Darunter ist auch das Flaggschiff der deutschen Kassenlandschaft – die Techniker Krankenkasse mit rund elf Millionen Versicherten. Die zweitgrößte deutsche Kasse – die Barmer – konnte Online Doctor jedoch noch nicht von einer Kooperation überzeugen.

Derma-Start-ups wachsen stark

Die drei Start-ups berichten davon, dass ihr Geschäft sich positiv entwickelt. „Der Umsatz hat sich im Vergleich zum Vorjahr verzehnfacht“, sagt Alice Martin von Dermanostic. Im Jahr 2020 seien 10.000 Patienten behandelt worden, im Jahr 2021 wären es 40.000 gewesen.

(Foto: Daniel Kriesl)

Foto: Handelsblatt

Bei Formel Skin waren es 2021 rund 150.000 Beratungen, berichtet Gründer Florian Semler. „Im Frühjahr des vergangenen Jahres haben 20 Menschen für uns gearbeitet, inzwischen sind es 85 Angestellte.“ Online Doctor gibt an, seit der Gründung in der Schweiz im Jahr 2016 rund 70.000 Patienten beraten zu haben. Von 2020 auf 2021 sei die Zahl der Fälle in Deutschland um 350 Prozent gewachsen.

Die meisten Patientenanfragen werden online gelöst. „In 15 Prozent der Fälle empfehlen die Hautärztinnen und Hautärzte, persönlich in die Praxis zu kommen“, sagt Sommer. Auch bei Dermanostic müssen Angestellte nur bei wenigen Nutzern einen Termin in einer Hautarztpraxis ausmachen.

Strömer rechnet damit, dass sich in Zukunft immer mehr Menschen online über ihre Hauterkrankungen informieren. Im Jahr gäbe es rund 20 Millionen Besuche von Hautarztpraxen. Die Zahl der Onlineberatungen bei Hautproblemen sei dagegen noch „verschwindend gering.“

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