Ukraine-Krieg: Uefa entzieht St. Petersburg das Champions-League-Finale – Schalke ohne Gazprom auf dem Trikot
Das für den 28. Mai geplante Finale der Uefa Champions League findet nicht mehr in der russischen Metropole statt.
Foto: imago images/ITAR-TASSDüsseldorf. Die Sportwelt geht angesichts des russischen Einmarsches in die Ukraine auf Distanz zu Russland und dem Staatskonzern Gazprom. In der Sondersitzung ihres Exekutivkomitees am Freitag hat die Europäische Fußball-Union (Uefa) der Stadt St. Petersburg das diesjährige Champions-League-Finale entzogen. Wie das Gremium mitteilte, wird das Finale am 28. Mai in Paris stattfinden.
Russische und ukrainische Teams müssen ihre Heimspiele in den europäischen Wettbewerben bis auf weiteres im Ausland austragen, wie das Exekutivkomitee am Freitag mitteilte. Der Verband sprach von einer „schweren Eskalation der Sicherheitslage“ in Europa.
Für das Pariser „Stade de France“ als neuen Austragungsort habe sich Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron starkgemacht. Man unterstütze alle Bemühungen, Fußballer und ihre Familien in der Ukraine vor menschlichem Leid, Zerstörung und Vertreibung zu schützen, hieß es in der Mitteilung.
Das Endspiel der Königsklasse war eigentlich in der Gazprom-Arena von Zenit St. Petersburg geplant. Der Austragungsort hatte für den russischen Präsidenten eine besondere Bedeutung: St. Petersburg ist die Geburtsstadt von Wladimir Putin. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow kritisierte die Entscheidung: „St. Petersburg hätte alle Voraussetzungen für ein Fußballfest geboten.“
Die britische Kulturministerin Nadine Dorries begrüßte dagegen den Beschluss. Man dürfe Russland nicht erlauben, Sport- und Kulturveranstaltungen auf der Weltbühne auszuschlachten, um den Angriff auf die Ukraine zu legitimieren. Der Präsident des russischen Fußball-Verbandes RFU, Alexander Djukow, sagte, der Verband habe sich immer dafür ausgesprochen, Sport und Politik zu trennen. Djukow ist Chef der Gazprom-Tochter Gazprom Neft.
Ob der Fußballverband auch eine Kündigung des Sponsorenvertrages mit Gazprom plant, ist nicht bekannt. Der Staatskonzern ist auch Sponsor der Champions League und der Europameisterschaft 2024 in Deutschland.
Schalke reagiert auf Ukraine-Krieg, Formel 1 sagt Rennen ab
Auch Zweitligist FC Schalke 04 wird nicht mehr mit dem Schriftzug seines russischen Hauptsponsors Gazprom auflaufen. Das gab der Verein am Donnerstag bekannt. „Mit Blick auf die Ereignisse, Entwicklung und Zuspitzung der vergangenen Tage“ habe sich der Club dazu entschieden, hieß es in der Mitteilung. Der Schritt erfolge nach Gesprächen mit Gazprom Germania. „Stattdessen wird Schalke 04 auf der Brust der Königsblauen stehen“, teilte der Verein mit.
Am Donnerstagmorgen war bereits bekannt geworden, dass der von den USA im Zuge des Ukrainekonflikts mit Sanktionen belegte Geschäftsmann Matthias Warnig sein Mandat im Schalker Aufsichtsrat niedergelegt hat. Warnig ist der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Nord Stream 2 AG, die eine Tochterfirma von Gazprom ist.
Der englische Fußball-Rekordmeister Manchester United wiederum hat sich komplett von der staatlichen russischen Airline Aeroflot als Sponsoring-Partner getrennt. „Angesichts der Ereignisse in der Ukraine haben wir Aeroflot die Sponsorenrechte entzogen“, teilte der Club von Trainer Ralf Rangnick am Freitag mit. Man teile die Sorgen von Fans in aller Welt und fühle mit den Betroffenen.
Auch die Formel 1 hat bereits jetzt das Rennen in Sotschi im September abgesagt. Unter den gegenwärtigen Umständen sei es „unmöglich“, dort ein Rennen auszutragen. Ungewiss ist auch die Zukunft des russischen Fahrers Nikita Mazepin, der sich den Platz im Cockpit des Rennstalls Haas durch einen Sponsorvertrag mit Uralkali gesichert hat. Der russischen Düngemittel-Konzern gehört seinem Vater. Haas hat die Uralkali-Werbung von den Rennwagen bereits entfernt. Teamchef Günther Steiner sagte, die Zukunft von Mazepin müsse nächste Woche geklärt werden.
Der internationale Skiverband FIS hat alle Wettbewerbe in Russland bis zum Saisonende abgesagt. Am Wochenende sollten in Sunny Valley und in Jaroslawl Weltcup-Rennen im Skicross und im Freestyle ausgetragen werden. Auch die Skisprung- und Langlauf-Weltcups im März würden gestrichen, erklärte der Verband.
Der finnische Eishockey-Club Jokerit Helsinki hat sich unmittelbar vor den Play-offs aus der russischen Liga KHL zurückgezogen, in der auch Teams aus Lettland (Riga), Weißrussland (Minsk), China und Kasachstan antreten. In der Basketball-"Euro League“, in der drei russische Vereine vertreten sind, war das Heimspiel des FC Bayern München gegen ZSKA Moskau verschoben worden.
Der Welt-Volleyballverband FIVB hält dagegen an den Planungen für die Männer-Weltmeisterschaft in Moskau in August dagegen fest.
Mit Agenturmaterial