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Professionelle InvestorenMit guten Prognosen gegen Hedgefonds: Wie Unternehmen aktivistische Aktionäre abwehren können

Nach einer Coronapause werden die Aktivisten wieder stärker attackieren. Unternehmen können einen solchen Angriff in zwei konkreten Schritten abwehren.Peter Köhler 03.03.2022 - 17:45 Uhr Artikel anhören

Die Darmstädter boten Aktivisten zuletzt keine größeren Angriffsflächen.

Foto: dpa

Frankfurt.. Aktivistische Aktionäre sind mittlerweile fester Bestandteil der Aktionärskultur in den Unternehmen und Kapitalmärkten. Nach einer ruhigeren Phase während der Coronakrise gehen die meisten Experten davon aus, dass die Aktivisten auch in Deutschland wieder zunehmend engagierter werden.

Ein Weg, um solchen Angriffen vorzubeugen, ist mehr Transparenz bei der Prognose der Finanzkennzahlen. Denn mangelnde und unpräzise Finanzprognosen gehen mit einem erhöhten Risiko einher, zum Ziel aktivistischer Investoren zu werden, zeigt eine Untersuchung der WHU – Otto Beisheim School of Management und der Kommunikationsberatung FTI Strategic Communications.

„Je transparenter die Finanzprognose eines Konzerns, desto weniger Lücken lässt das Management zwischen dem vermuteten und dem realisierten Wert“, kommentiert Christian Andres, Professor of Corporate Finance an der privaten Hochschule. „Und wer keine Lücke zwischen dem vermuteten und dem am Kapitalmarkt realisierten Wert lässt, gibt einem aktivistischen Aktionär wenig Raum zu argumentieren, dass das Unternehmen unter seinen Möglichkeiten bleibt.“

Aktivistische Aktionäre kaufen sich in Unternehmen ein und drängen – teils öffentlich – auf Veränderungen und oft auch auf Sitze im Aufsichtsrat. Ein prominentes Beispiel ist die Aareal Bank. Haben sie ihr Ziel gefunden, sieht sich das Management häufig mit Forderungen nach radikalen Änderungen konfrontiert.

Dabei geht es meist um Sonderdividenden oder die Abspaltung von Unternehmensteilen. Auch Themen rund um Umwelt, Soziales und eine gute Unternehmensführung (ESG) werden als Einfallstore genutzt. Letztlich geht es den Aktivisten um Wertsteigerungen, um so für sich und die anderen Aktionäre höhere Gewinne herauszuholen.

Neue Angriffspunkte für Hedgefonds

Gefährdet sind Unternehmen vor allem dann, wenn die Performance des Aktienkurses gegenüber der Vergleichsgruppe hinterherhinkt. Auch Konglomerate mit mehreren Geschäftsbereichen rücken ins Visier der Aktivisten, die eine Konzentration auf die Kernkompetenzen bevorzugen.

Im vergangenen Jahr seien die Aktienkurse stark gestiegen, deswegen habe es relativ wenige Angriffspunkte für die Aktivisten gegeben, sagt Rüdiger Wolf, Partner bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG). Aber diese Zeit ist vorbei: Die Kursschwankungen an den Börsen nehmen wieder zu, es gibt Schwächephasen. „Damit werden sich die aktivistischen Aktionäre vermehrt zurückmelden, auch in Deutschland“, sagt Wolf.

Die beste Abwehr solcher Angriffe erfolgt laut der Untersuchung von WHU und FTI in zwei Schritten. An erster Stelle steht für jedes börsennotierte Unternehmen die regelmäßige interne Schwachstellenanalyse und das Antizipieren möglicher Kritikpunkte. Das Management muss aufzeigen, wie sich Strategie und Geschäftsmodell auf die Ertragskraft auswirken – und zwar bezogen auf das aktuelle Geschäftsjahr sowie mittel- und langfristig.

In der Prognose liegt laut der Untersuchung von FTI und WHU der zweite Hebel. Untersucht wurden 33 öffentliche Angriffe auf Unternehmen aus den Aktienindizes Dax, MDax, TecDax und SDax. Dabei wurde geprüft, wie viele der angegriffenen Unternehmen eine Prognose zum laufenden Geschäftsjahr, dem Folgejahr und darüber hinaus gegeben haben. Zum Vergleich wurde eine Kontrollgruppe aus zufällig ausgewählten Konzernen aus der Dax-Familie gebildet.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass es einen direkten Zusammenhang gibt zwischen mangelnden Finanzprognosen und dem Risiko, den Aktivisten eine Angriffsfläche zu bieten. Die zufällig ausgewählten Firmen der Kontrollgruppe gaben in 64 Prozent der Fälle, in denen das möglich war, eine Finanzprognose ab, die attackierten Unternehmen nur in 48 Prozent der Fälle.

Die Studie zeigt, dass sowohl angegriffene als auch zufällig ausgewählte Unternehmen oft Umsatz, Gewinn oder Cashflow fürs laufende Jahr prognostizieren. Die Werte liegen hier jeweils über 90 Prozent. Für das Folgejahr gibt es bezogen auf den Umsatz in der Gruppe der später angegriffenen Unternehmen nur noch in 27 Prozent eine Prognose. Die Kontrollgruppe kommt auf 45 Prozent.

In den vergangenen Jahren waren beispielsweise die Deutsche Bank, Thyssen-Krupp und Bilfinger ins Visier der Aktivisten geraten. Dagegen boten etwa Siemens, Merck und die Allianz keine größeren Angriffsflächen.

Die Siemens-Aktie profitierte vom permanenten Konzernumbau unter dem früheren Konzernchef Joe Kaeser, etwa über den Börsengang der Medizintochter Siemens Healthineers. Merck gab oft genaue Informationen preis, und die Allianz punktete auch mit Transparenz bei den Gewinnzahlen und einer stetigen Dividendenpolitik.

„Gerade Konzerne mit vielen direkten, börsennotierten Wettbewerbern wie etwa in der Automobilindustrie müssen einen Blick nicht nur in die nahe, sondern auch in die weitere Zukunft wagen“, sagt Co-Autor Florian Bamberg von FTI. „Denn sonst kaufen Investoren ihre Peers – das führt zu einem schwachen Aktienkurs und lässt so das Tor weit offen für den Angriff eines aktivistischen Aktionärs.“

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Das Problem mittel- und langfristiger Prognosen: Sie sind mit Unsicherheit behaftet. Allen voran externe Einflüsse wie etwa die Weltkonjunktur, Zinsentwicklung oder Rohstoffkosten sind schwierig einzuschätzen, je länger der Betrachtungsraum. 

Daher gilt: Je kurzfristiger die Prognose, desto konkreter sollten Unternehmen die angestrebten Kennzahlen benennen. Je weiter der Blick in die Zukunft reicht, desto mehr treten qualitative Faktoren oder Richtungsaussagen in den Vordergrund.

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