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Stefan FeltensCEO der Shop Apotheke rechnet mit E-Rezept in diesem Jahr

Shop Apotheke hat 2021 und 74 Millionen Euro Verlust gemacht. Der Geschäftsführer Stefan Feltens ist aber zuversichtlich, dass die Testphase bereits im Sommer erfolgreich abgeschlossen ist.Britta Rybicki 03.03.2022 - 07:37 Uhr Artikel anhören

Stefan Feltens zieht sich nach der Hauptversammlung Ende April zurück.

Foto: Unternehmen

Düsseldorf. Der niederländische Versandhändler Shop Apotheke ist in die Verlustzone gerutscht. Die Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2021 hat der Geschäftsführer Stefan Feltens gestern in einer Pressekonferenz vorgestellt. Rabattverbote bei verschreibungspflichtigen Medikamenten, Personalmangel und hohe Marketingausgaben seien die Gründe für 74 Millionen Euro Verlust gewesen.

Die große Ungewissheit treibt das Unternehmen aber dazu, das E-Rezept von der Umsatzprognose für 2022 vorerst auszuklammern. Feltens glaubt an eine schnelle Einführung: Schon im Sommer sei die Testphase erfolgreich abgeschlossen.

Herr Feltens, Russland hat die Ukraine angegriffen. Die Europäische Union reagiert mit wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland. Welchen Einfluss haben die Maßnahmen auf das Geschäft von Shop Apotheke Europe?
Stefan Feltens: Der Angriff ist schrecklich, der Krieg und die Sanktionen haben aber keine Auswirkungen auf unser Geschäft. Wir haben keine Lieferanten in den Ländern und beschäftigen auch keine Mitarbeiter dort. Unsere 300 ITler arbeiten in Deutschland. Wir kooperieren in Weißrussland noch mit einer kleinen IT-Agentur. Hier müssen wir noch eruieren, ob und wie die Zusammenarbeit fortgeführt wird.

Sie haben Ihre Jahresbilanz für 2021 vorgestellt. Der Verlust hat sich von 17 auf 74 Millionen Euro deutlich ausgeweitet. Woran liegt das?
Das Verbot von Rezept-Boni hat sich stärker auf unseren Umsatz ausgewirkt, als wir erwartet haben. In Deutschland sind Preisnachlässe auf verschreibungspflichtige Arzneimittel ja seit Ende 2020 durch die Arzneimittelpreisverordnung verboten. Mitte des Jahres hatten wir dann wegen Personalmangels eingeschränkte Kapazitäten und konnten nicht so liefern wie wir wollten. Das hat sich ebenfalls negativ auf unseren Umsatz ausgewirkt.

Welchen Einfluss hatte es, dass die Einführung des E-Rezeptes abgesagt und auf unbestimmte Zeit verschoben wurde?
Das hatte bisher keinen Einfluss. Die Investitionen in die Vorbereitung auf das E-Rezept waren zwar nicht unerheblich, aber Ende Juli 2021 vollständig abgeschlossen. Wir hatten ja auch nicht damit gerechnet, dass wir ab dem ursprünglichen geplanten Starttermin 1. Januar 2022 viele E-Rezepte einlösen würden, die sich dann im Umsatz widerspiegeln.

Wann rechnen Sie denn jetzt mit der Einführung des E-Rezeptes?
Wir erwarten, dass die Testphase zum Ende des zweiten Quartals abgeschlossen ist und rechnen dann ab Mitte dieses Jahres mit einem spürbaren Anstieg von elektronischen Rezepten.

Das Dashboard auf der Webseite der Gematik zeigt, dass bis gestern rund 3000 E-Rezepte eingelöst wurden. Es müssen insgesamt aber 30.000 E-Rezepte abgerechnet werden, damit die Testphase abgeschlossen werden kann. Woher kommt Ihr Optimismus?
Die Anzahl der ausgestellten E-Rezepte ist in den vergangenen Wochen exponentiell angestiegen. Meiner Einschätzung nach hängt sie auch stark von den Praxissoftware-Herstellern ab. Die hatten in den vergangenen Monaten teilweise mit anderen Herausforderungen wie Cyberangriffen zu kämpfen, sind nun aber wieder auf dem richtigen Weg. Wenn die Praxisverwaltungssoftware in den Arztpraxen funktioniert, werden viele Ärzte das E-Rezept nutzen.

Ärzte kritisieren die Einführung des E-Rezeptes in diesem Jahr allgemein stark.
Von hunderttausenden Ärzten in Deutschland wird nur eine kleine Anzahl benötigt, um 30.000 Rezepte für die Testphase auszustellen. Das ist ja nur ein Bruchteil der jährlich ausgestellten Papierrezepte.

Shop Apotheke hat bis gestern 85 E-Rezepte ausgestellt. Das ist aber eine eher kleine Zahl.
Die Stichprobe von rund 3000 ausgestellten E-Rezepten ist viel zu gering, als dass wir unser Ergebnis final bewerten könnten. Viel wichtiger ist, dass wir garantieren können, dass die Prozesse und Systeme, die wir für das E-Rezept brauchen, funktionieren.

Wie viele Pakete können Sie in der Theorie denn im Jahr verschicken?
Wir rechnen damit, dass wir in diesem Jahr 35 Millionen Pakete versenden können. Im vergangenen Jahr haben wir knapp 20 Millionen Pakete verschickt. Zusätzliche Kapazität ergibt sich aus dem neuen Distributionszentrum in Italien, das auch unser Logistikzentrum hier am Hauptsitz in den Niederlanden entlastet.

Wie berücksichtigen Sie das E-Rezept bei Umsatzzielen für das Geschäftsjahr 2022?
Der Umgang mit dem E-Rezept war eine schwierige Frage bei dem Ausblick auf das Geschäftsjahr 2022 bei uns. Wir erwarten ein Umsatzwachstum von 15 Prozent bei den freiverkäuflichen Arzneimitteln, beziehen verschreibungspflichtige Medikamente in die Umsatzprognose aber nicht ein. Beim Ergebnisausblick berücksichtigen wir aber die Marketingausgaben für die Einführung des E-Rezepts, um hier später keine negativen Überraschungen verkünden zu müssen. Wir wollen Investoren und Anlegern Gewissheit geben und nicht Mitte des Jahres an den Markt herantreten und verkünden, dass wir noch 55 Millionen Euro in Marketing investieren wollen.

Wenn Sie Ihre Prognose also korrigieren müssen, dann nur nach oben, weil Sie die 55 Millionen Euro doch nicht brauchen werden?
Toi, toi, toi. Das hoffe ich. Es kann weiterhin zu coronabedingten Produktionsausfällen kommen. Mit unserem heutigen Wissen stehen wir aber hinter der Prognose.

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