Versicherung: MDax-Konzern Talanx will weiter Milliardengewinn erzielen
Im vergangenen Jahr hatte der Versicherer aus Hannover erstmals ein Konzernergebnis von über einer Milliarde Euro erzielt.
Foto: dpaMünchen. Der Versicherungskonzern Talanx will trotz der gestiegenen Gefahren aus dem Krieg in der Ukraine, der steigenden Coronazahlen, wachsenden Naturgefahren und der hohen Inflation an seinem Gewinnziel für das laufende Jahr festhalten. Am Montag bekräftigte das MDax-Unternehmen sein Gewinnziel von 1,05 bis 1,15 Milliarden Euro für das laufende Jahr.
Im Geschäftsbericht bezeichnet der Konzern den geopolitischen Konflikt in der Ukraine als Unsicherheitsfaktor. Für eine exakte Schätzung der Folgen sei es zum jetzigen Zeitpunkt jedoch zu früh, bekräftigte Vorstandschef Torsten Leue. In den aktuellen Krisenregionen sei das Exposure der Talanx allerdings gering. Nur im Industriegeschäft gibt es eine Tochter in Russland, die laut Finanzvorstand Jan Wicke bei einer Abschreibung Belastungen von rund vier Millionen Euro auslösen würde. Die kleine russische Lebensversicherungseinheit CIV Life wurde hingegen Ende vergangenen Jahres an die russische Sovcombank verkauft. Seit Mitte Februar ist der Deal komplett abgewickelt.
Im vergangenen Jahr hatte der Versicherer aus Hannover erstmals ein Konzernergebnis von über einer Milliarde Euro erzielt. Das wurde bereits Anfang Februar bekannt, als vorläufige Zahlen präsentiert wurden. Unter dem Strich stieg der Gewinn um 50 Prozent auf 1,01 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Montag bestätigte. Talanx erreichte diese Marke somit ein Jahr früher als im Jahr 2018 bei der Veröffentlichung der Ziele bis 2022 angekündigt.
Bislang hatte der MDax-Konzern für 2021 ein Konzernergebnis von bis zu 950 Millionen Euro prognostiziert.
Vorausgesetzt, Aufsichtsrat und Hauptversammlung stimmen zu, winkt den Talanx-Aktionären nun eine Dividende von 1,60 Euro je Aktie nach 1,50 Euro im Vorjahr. Das hatte der Konzern bereits im November in Aussicht gestellt. Nachgeholt wurde damit die langjährige Gewohnheit, die jährliche Ausschüttung um fünf Cent pro Aktie anzuheben. Für das Corona-Jahr 2020 wurde sie wegen vieler Unwägbarkeiten ausgesetzt. Nun wird die Dividende um zehn Cent angehoben. In Relation zum Börsenkurs vom Montag von 40,50 Euro errechnet sich für die Aktionäre dadurch eine Dividendenrendite von knapp vier Prozent. Für das kommende Jahr zeichnet sich allerdings wegen der dann geltenden neuen Bilanzierungsregeln nach IFRS 17 eine Veränderung an. "Die jährliche Anhebung um fünf Cent werden wir dann überprüfen", sagt Finanzvorstand Jan Wicke.
Vielzahl an Großschäden
Die Bruttoprämieneinnahmen legten um 10,7 Prozent auf 45,5 Milliarden Euro zu. Auch das operative Ergebnis wuchs stark, obwohl die Versicherer im vergangenen Jahr hohe Belastungen aus Naturkatastrophen und der Coronakrise zu stemmen hatten. Dabei schlug die Vielzahl an Großschäden durch schwere Unwetter, Überschwemmungen und Hurrikans mit mehr als 1,2 Milliarden Euro besonders zu Buche.
Niemals zuvor musste die Talanx mehr an ihre Kunden leisten. Dabei ragte der Hurrikan „Ida“ in Nordamerika mit 361 Millionen Euro heraus. Es folgten das Unwetter „Bernd“ im Westen Deutschlands sowie angrenzenden Ländern mit 320 Millionen Euro und der Wintersturm „Uri“ in Texas mit 216 Millionen Euro.
Trotzdem schaffte die Talanx erstmals ein Milliardenergebnis. Der Konzern erklärte das Ergebniswachstum mit „Optimierungsprogrammen in der Erstversicherung“, vor allem in der Industrieversicherung sowie der Privat- und Firmenversicherung in Deutschland. Daneben sei auch das internationale Privat- und Firmenkundengeschäft weiterhin sehr profitabel.
Im Coronajahr 2020 war der Talanx-Gewinn noch auf 673 Millionen Euro eingebrochen.
Auf die Erstversicherung entfallen mittlerweile 45 Prozent des Talanx-Ergebnisses. 2018 war es noch weniger als ein Drittel. Daneben zählt auch der Rückversicherer Hannover Rück zum Konzern, der in der vergangenen Woche ebenfalls einen Milliardengewinn verkündet hatte und in einer Woche in den Dax aufsteigen wird.
Dank steigender Preise bei den jüngsten Vertragserneuerungen, insbesondere im Naturkatastrophengeschäft, rechnet auch Hannover Rück in diesem Jahr mit weiter steigenden Gewinnen. Die Prognose liegt bei einer Spanne zwischen 1,4 und 1,5 Milliarden Euro.