1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Handel + Konsumgüter
  4. Ukraine-Krieg: Russland ist das größte Risiko für Zara-Mutter Inditex

TextilbrancheRussland ist das größte Risiko für Zara-Mutter Inditex

Der spanische Textilriese hat den Nettogewinn 2021 fast verdreifacht und will die Dividende steigern. Wegen der Situation in Russland bleiben die Anleger skeptisch.Sandra Louven 16.03.2022 - 18:21 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der erfolgreiche Modemanager hat am Mittwoch zum letzten Mal die Zahlen der Zara-Mutter Inditex präsentiert.

Foto: Reuters

Madrid. Es war ein Einstand mitten in turbulenten Zeiten: Der neue CEO von Inditex, Óscar García Maceiras, präsentierte am Mittwoch zum ersten Mal die Geschäftszahlen des spanischen Textilriesen. Die waren zwar für das im Januar abgelaufene Geschäftsjahr sehr gut. Derzeit trifft die Zara-Mutter der Krieg in der Ukraine aber besonders hart. Russland ist gemessen an den Läden der zweitgrößte Markt nach Spanien und steht für rund 8,5 Prozent des operativen Gewinns (Ebit).

Die mehr als 500 Geschäfte in Russland und die 85 in der Ukraine hat der Konzern am 5. März befristet geschlossen. Da waren ihm andere Textilhersteller bereits zuvorgekommen. Der Aktienkurs brach dennoch ein. Inditex wolle die Läden wieder öffnen, sobald das möglich sei, erklärte García Maceiras. Die Läden in Russland sind geleast, die Angestellten erhalten derzeit weiter ihr Gehalt. Die russische Regierung hatte den Unternehmen, die das Land nun verlassen, mit der Verstaatlichung ihres Geschäfts gedroht.

Für den erfolgsverwöhnten Inditex-Gründer Armancio Ortega ist das ein empfindlicher Rückschlag. Der Konzern aus Galicien ist eine der größten Erfolgsgeschichten der spanischen Wirtschaft. Jahrelang stiegen Verkauf, Gewinn und Aktienkurs kontinuierlich und machten Ortega zum Milliardär und reichsten Mann Spaniens.

Doch schon im vergangenen November wendeten sich Anleger ab – die Aktie verlor seitdem rund ein Viertel ihres Werts. Grund war zunächst im November die überraschende Ansage des Konzerns, sowohl den CEO als auch den Verwaltungsratschef auszuwechseln.

Anleger hatten Sorgen, dass ein komplett neues Tandem nicht an den bisherigen Erfolg anknüpfen kann. Der ist eng mit dem bisherigen, exekutiven Verwaltungsratschef Pablo Isla verbunden. Er hat den Konzern 17 Jahre lang geleitet – zwischenzeitlich in Personalunion als Verwaltungsratchef und CEO. Isla verantwortete auch die globale Expansion des Unternehmens, das 1975 den ersten Zara-Laden eröffnet hat.

Probleme durch die Inflationsrate

Islas Posten übernimmt ab dem 1. April die Tochter des Gründers, Marta Ortega. Anders als Isla wird die 38-Jährige als neue Verwaltungsratschefin keine exekutive Funktion haben, sondern eher die kontrollierende Rolle einer deutschen Aufsichtsratschefin übernehmen.

Die Verantwortung für das tägliche Geschäft liegt künftig allein bei García Maceiras. Der 46-Jährige war im vergangenen März als Chefberater zu Inditex gestoßen und hatte zuvor noch keinen CEO-Posten inne. Als gelernter Jurist hat er als Staatsanwalt gearbeitet, war an der Gründung der spanischen Bad Bank Sareb beteiligt und leitete zuletzt das Rechtsteam von Banco Santander, Spaniens größter Bank.

Er muss sich nun ebenso wie Marta Ortega erst beweisen und das Vertrauen der Anleger in besonders schwierigen Zeiten erarbeiten. Nicht nur das wichtige Russlandgeschäft liegt vorerst brach. Auch die steigende Inflation sowie Lieferengpässe bereiten Probleme. In Spanien, wo die Inflation im Februar bei 7,6 Prozent lag, erhöht Inditex die Preise um zwei Prozent. Gleichwohl versicherte García Maceiras: „Unsere Politik ist die von stabilen Preisen, und die behalten wir. Eine andere Sache sind Märkte, wo es eine hohe Inflation gibt.“ Dort nehme der Konzern „selektive Anpassungen“ vor.

Zu Inditex gehören neben Zara Marken wie Massimo Dutti, Pull&Bear oder Bershka. Im abgelaufenen Jahr erzielte der Konzern einen Umsatz von 27,7 Milliarden Euro und damit nur rund 600 Millionen Euro weniger als im Jahr 2019 vor der Coronapandemie.

Im Vergleich zum Vorjahr, in dem viele Ladenlokale wegen Corona geschlossen werden mussten, legte der Umsatz um 36 Prozent zu. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) verdreifachte sich nahezu auf 4,3 Milliarden Euro. Analysten hatten sich hier allerdings noch mehr ausgerechnet. Der Überschuss stieg ähnlich stark auf 3,2 Milliarden Euro.

Inditex erhöht die Dividende kräftig

In den ersten Wochen des aktuellen Finanzjahrs – konkret vom 1. Februar bis 13. März – stieg der Umsatz währungsbereinigt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Drittel und lag damit sogar gut ein Fünftel höher als im gleichen Zeitraum des Jahres 2019.

Russland und die Ukraine hätten zu diesem Wachstum fünf Prozentpunkte beigetragen, hieß es. Gemessen am Umsatz sind die USA inzwischen der zweitwichtigste Markt für Inditex. Dort hat der Konzern zwar nur 100 Läden, aber ein sehr starkes Onlinegeschäft. Verwaltungsratschef Isla betonte, die USA blieben auch künftig ein wichtiger Wachstumsmarkt.

Verwandte Themen
Inditex
Russland
Ukraine
USA
Spanien
Renault

Um dem gebeutelten Aktienkurs wieder auf die Beine zu helfen, erhöht der Konzern die Dividende um ein Drittel auf 93 Cent je Aktie. Darin ist eine Sonderdividende von 30 Cent enthalten, die in zwei Schritten ausgezahlt wird. Für das laufende Geschäftsjahr kündigte Inditex eine weitere Sonderdividende von 40 Cent an.

Neben Umsatz und Gewinn stieg auch die Bruttomarge – auf 57,1 Prozent und damit den höchsten Wert seit sechs Jahren. Die wichtige Kennzahl begann vor einigen Jahren zu sinken und hat bei Analysten Zweifel an der Fähigkeit von Inditex geweckt, das Geschäftsmodell gegen die schnell wachsende Onlinekonkurrenz zu behaupten. Doch in der Pandemie haben die Onlineverkäufe noch einmal kräftig zugelegt und machen 25,5 Prozent aus. Bis zum Jahr 2024 soll der Anteil auf 30 Prozent steigen.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt