Lkw-Hersteller: MAN will autonome Lkws bis Mitte des Jahrzehnts auf die Straße bringen
Nicht nur Staus und Unfälle will Lkw-Bauer MAN mit den autonomen Lkws verringern. Auch dem anhaltenden Fahrermangel soll so begegnet werden.
Foto: dpaMünchen. Der Lkw-Hersteller MAN will mit den Zulieferkonzernen Bosch, Leoni und Knorr-Bremse bis Mitte des Jahrzehnts autonom fahrende Lastwagen auf der Autobahn zum Einsatz bringen. Zusammen mit weiteren Partnern wollen sie einen Lkw entwickeln, der fahrerlos zwischen Logistikknotenpunkten hin- und herfahren kann. „Mit dem Projekt soll bis Mitte des Jahrzehnts ein auf die Industrialisierung übertragbares Konzept für den Betrieb automatisierter Lkw auf der Autobahn vorliegen“, teilten sie am Dienstag in München mit.
Mit autonom fahrenden Lastwagen soll es künftig weniger Unfälle und weniger Staus geben. Außerdem soll so dem Fahrermangel begegnet, die Flexibilität des Lkw-Einsatzes gesteigert und Dieselverbrauch sowie CO2-Ausstoß gesenkt werden. Das Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit soll sicherstellen, dass die Lastwagen gegen Cyber-Angriffe geschützt werden.
An dem Forschungs- und Entwicklungs-Projekt „Automatisierter Transport zwischen Logistikzentren auf Schnellstraßen im Level 4“ (Atlas-L4) sind auch die Technischen Universitäten München und Braunschweig, der Tüv SÜD, die Unternehmen Fernride und BTC Embedded Systems und die Autobahn GmbH beteiligt. Es wird vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert. Das Projekt sei „ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Hub-to-Hub-Automatisierung, mit dem wir bereits künftige Serienanwendungen für eine Logistik 4.0 in den Blick nehmen“, sagte MAN-Entwicklungsvorstand Frederik Zohm.
MAN testet schon jetzt autonom fahrende Lastwagen etwa im Hamburger Hafen, Fahrzeuge der Schwestermarke Scania fahren auf einer 300 Kilometer langen Strecke in Schweden selbständig, wenngleich mit Sicherheitsfahrer an Bord. In Deutschland sollen ebenfalls Tests auf der Autobahn starten. Auch der Rivale Daimler Truck testet bereits selbstfahrende Lastwagen. Für die Firmen spielen dabei zwei Aspekte eine Rolle - der Fahrermangel, der Spediteuren weltweit zu schaffen macht, und das Kostenargument: Für die Firmen gehören die Löhne für die Fahrer zu den größten Kostenblöcken.
Deutschland könnte dabei eine Vorreiterstellung übernehmen, erklärte MAN: Vergangenes Jahr wurde ein Gesetz zum autonomen Fahren verabschiedet, das schon jetzt Fahren ohne Fahrer mit Einschränkungen erlaubt.