Ölkonzern: Shell schreibt nach Russland-Ausstieg bis zu fünf Milliarden Dollar ab
Der Ölkonzern sieht im ersten Quartal einen Abschreibungsbedarf von bis zu fünf Milliarden Dollar.
Foto: APDüsseldorf. Anfang März hat Shell, neben anderen großen Ölkonzernen, seinen Rückzug aus dem Russlandgeschäft angekündigt. Das schlägt bei dem britischen Energiekonzern nun auf die Bilanz durch. Im ersten Quartal falle ein Abschreibungsbedarf von bis zu fünf Milliarden Dollar an, der sich aber nicht auf die Gewinne auswirke, teilte Shell am Donnerstag mit.
Nach harscher Kritik des ukrainischen Außenministers Dmitro Kuleba daran, dass Shell auch nach Ausbruch des Krieges russisches Öl bezog, hatte der Energiekonzern Rohstoffkäufe aus Russland auf dem Spotmarkt eingestellt. Er versicherte zudem, keine neuen langfristigen Lieferverträge mehr mit Russland zu schließen.
In Abstimmung mit involvierten Regierungen arbeite Shell nun daran, „so schnell wie möglich“ russisches Erdöl aus den eigenen Lieferketten zu entfernen. Das wird allerdings mehrere Wochen dauern und könnte zu Engpässen in einigen Raffinerien führen.
In Deutschland hatte das zur Konsequenz, dass Shell Produkte wie Diesel oder Heizöl nicht mehr zusätzlich im Großhandel verkauft. Beliefert wird nur noch, wer einen festen Vertrag hat.
Weil auch andere deutsche Raffinerien ähnliche Vorkehrungen getroffen haben, sind die heimischen Preise besonders für Dieselprodukte entgegen dem internationalen Rohölpreis stark gestiegen.
>> Lesen Sie hier: Warum der Benzinpreis hoch bleibt, während der Ölpreis sinkt
36 Prozent aller deutschen Ölimporte kommen aus Sibirien, der Rest aus Norwegen, Großbritannien und einem Dutzend anderer Länder. Die Bundesregierung reagierte mit einer Absenkung der Energiesteuer, seitdem sind die Preise an Tankstellen teilweise wieder unter die Zwei-Euro-Marke gefallen.
Seit Wochen aber stehen Energiekonzerne wie Shell, Total, BP, aber auch Uniper, Wintershall oder Eon aufgrund ihrer Russlandgeschäfte massiv unter Druck. Innerhalb kürzester Zeit haben fast alle Unternehmen eine Kehrtwende vollzogen und sich entweder teilweise oder komplett aus Russland zurückgezogen.
Kommissionschefin Ursula von der Leyen kündigte am Mittwoch an, dass ihre Behörde nach dem Steinkohleembargo nun auch Sanktionen gegen russische Öleinfuhren vorbereite. EU-Ratspräsident Charles Michel sagte, er halte einen Importstopp von russischem Öl und Gas für unumgänglich, um den Krieg zu beenden.
BP bezieht wie Shell schon seit Wochen kein Gas oder Öl mehr aus Russland auf dem Spotmarkt. Aufgrund von langfristigen Lieferverträgen sei der komplette Rückzug aber nicht von heute auf morgen möglich, erklärte BP. Auch Total kauft vorerst keine Rohstoffe mehr aus Russland. Nur die deutsche Raffinerie des französischen Konzerns in Leuna könnte auf russisches Öl nicht verzichten, da es dort keine Alternative gebe.
Währenddessen profitieren die Öl- und Gasunternehmen von den steigenden Energiepreisen. Betrug der Preis für ein Barrel der Nordseeölsorte Brent vor einem Jahr noch um die 60 US-Dollar, liegt er aktuell bei knapp 100 Dollar. Auch der Gaspreis stieg von knapp 16 Euro die Megawattstunde auf aktuell 100 Euro.
Während der Verzicht auf russische Rohstoffe Big Oil teuer zu stehen kommt, machen sie also gleichzeitig deutlich mehr Gewinn. Shell kündigte bereits eine Anpassung seiner Gewinnprognose an.