Autobauer: Imelda Labbé wird neue Vertriebschefin von Volkswagen Pkw
Die Managerin übernimmt zum 1. Juli im Vorstand der Marke Volkswagen Pkw das Vertriebsressort.
Foto: Volkswagen GroupDüsseldorf. Frauen im Top-Management sind im VW-Konzern eigentlich längst Alltag. Die Vorstände von Audi, Porsche, Traton, den Nutzfahrzeugen und auch dem Gesamtkonzern sind keine reinen Männerdomänen mehr. Eine Ausnahme ist allerdings noch die Führung der Kernmarke Volkswagen Pkw.
Zum 1. Juli soll sich das nun ändern. Wie Volkswagen am Dienstag mitteilte, übernimmt Imelda Labbé dann das Vertriebs- und Marketingressort bei der Kernmarke. Die 54-Jährige folgt auf Klaus Zellmer, der ebenfalls zum 1. Juli als neuer Vorstandschef zur tschechischen Konzernmarke Skoda wechselt.
Dass es bei der VW-Kernmarke bislang keine einzige Frau im Vorstand gibt, galt in Wolfsburg zuletzt als Manko. Daher zeichnete sich bereits in den vergangenen Wochen ab, dass männliche Kandidaten dieses Mal keine guten Aussichten für den Vertriebsposten haben würden. Imelda Labbé dagegen gehörte schon früh zum engsten Favoritenkreis. „Sie bringt eindeutig die meiste Erfahrung mit“, sagt eine VW-Führungskraft.
Die ausgebildete Betriebswirtin hat sich bei Volkswagen vor allem als Expertin für das Ersatzteilgeschäft (After Sales) einen Namen gemacht. Im Moment leitet Labbé noch die VW Original Teile Logistik mit etwa 2500 Beschäftigten. Von Kassel aus werden die Händler der Marken VW, Audi, Skoda und Seat mit Ersatzteilen versorgt.
Die Managerin arbeitet seit mehr als 35 Jahren in der Autoindustrie. Sie war von 1986 bis 2013 in Führungspositionen bei Opel und der damaligen Konzernmutter General Motors tätig – unter anderem als Opel-Qualitätschefin im Werk Antwerpen und als Vertriebschefin für den deutschen Markt. 2013 wechselte sie als Sprecherin der Geschäftsführung von Skoda Deutschland zum Volkswagen-Konzern. Im Sommer 2016 übernahm sie die globale Leitung After Sales.
Konflikte mit VW-Händlern sind programmiert
Als künftige Vertriebschefin wird sie den Neu- und Gebrauchtwagen-Verkauf stark digitalisieren müssen. Über neue Online-Geschäftsmodelle wollen alle Autohersteller – nicht nur Volkswagen – den Vertrieb stärker an sich ziehen. Konflikte mit der bestehenden mittelständischen Händlerschaft sind damit programmiert.
„Ihre Aufgabe wird es sein, den Vertrieb, das Marketing und den Service der Marke Volkswagen in Zeiten der Digitalisierung konsequent an den Bedürfnissen unserer Kunden auszurichten“, sagte Thomas Schäfer, künftiger Vorstandschef der Marke Volkswagen Pkw, über Labbé. Autokäufer wollten Fahrzeuge immer häufiger über das Internet kaufen.
>> Lesen Sie hier: Wie Volkswagen bei der Digitalisierung aufholt
Bislang werden Neuwagen fast ausschließlich über die eigenständigen Händler vertrieben. Vor wenigen Tagen hat Volkswagen erstmals damit begonnen, selbst neue Autos auch an private Kunden über das Internet zu verkaufen. Imelda Labbé soll diesen Onlinevertrieb in den kommenden Jahren entscheidend vergrößern.
Elektroautos sind weniger reparaturanfällig als klassische Verbrennermodelle. Neue Fahrassistenzsysteme und in einigen Jahren auch das autonome Fahren sorgen dafür, dass die Zahl der Unfälle zurückgehen wird. Das reduziert den Ersatzteilbedarf, Volkswagen sieht sich deshalb nach neuen Ertragsquellen um. Dazu gehört auch der eigene Onlinevertrieb.