Österreich: Raiffeisen Bank International verdoppelt Gewinn – doch das Institut steht vor einem Russland-Dilemma
Wegen des Ukraine-Kriegs muss die Bank ihre Erwartung für das Kreditvolumen senken.
Foto: ReutersFrankfurt. Die Raiffeisen Bank International (RBI) befindet sich in einem Russland-Dilemma: Das Geschäft vor Ort ist für das österreichische Geldinstitut extrem profitträchtig. Allerdings steigt der Druck auf die Bank seit Kriegsbeginn, sich von dem Markt abzuwenden. Zahlreiche Banken haben sich wegen des Kriegs in den vergangenen Wochen bereits aus Russland zurückgezogen. Bislang hält die RBI an ihrem Russlandgeschäft jedoch fest.
Die am Mittwoch veröffentlichten Bank-Zahlen zum ersten Quartal dieses Jahres zeigen, wie wertvoll das Geschäft für die RBI ist: So verbuchte das Geldinstitut mit 683 Millionen Euro den höchsten Provisionsüberschuss überhaupt. Das ist ein Anstieg von fast 63 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. „Der Provisionsüberschuss hat volumenbedingt sowie aufgrund der vom russischen Staat angeordneten Zwangskonvertierung von Devisen in russische Rubel erheblich zugelegt“, sagte RBI-Chef Johann Strobl.
Der Konzerngewinn verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahresquartal auf 442 Millionen Euro. Die RBI lag damit deutlich über den Erwartungen von Analysten, die im Schnitt mit einem Nettogewinn von 165 Millionen Euro gerechnet hatten. Einen Nachsteuergewinn von 96 Millionen Euro steuerte das Geschäft in Russland bei, in der Ukraine fiel dagegen im ersten Quartal ein Verlust von 41 Millionen Euro an.
Seit Ausbruch des Kriegs habe die RBI das Neugeschäft in Russland weitgehend eingestellt, sagte Strobl. In der Ukraine versuche das Institut essenzielle Bankdienstleistungen soweit möglich aufrechtzuerhalten. Dazu gehöre etwa auch die Vergabe von Krediten, insbesondere im Agrarsektor. Das Geldhaus profitiert davon, dass es eines der drei größten in Russland vertretenen westlichen Institute ist, und damit weiter Zugang zum Rubelmarkt hat.
Das gute Ergebnis des Geldinstituts entstand trotz eines Anstiegs der Rückstellungen für Kreditausfälle. Auch aufgrund des Kriegs stiegen die Risikokosten im Vergleich zum Vorjahresquartal um 319 Prozent auf 319 Millionen Euro. Ihre Prognose für die Risikokosten im Gesamtjahr hob die Bank von 0,4 auf ein Prozent der Kundenkredite an. Die harte Kernkapitalquote (CET1) sank im ersten Quartal auf 12,3 Prozent nach 13,1 Prozent zum Jahresende.
Entscheidungsprozess dauert noch an
Strobl sagte erneut, dass die Bank derzeit alle strategischen Optionen für die Zukunft der Raiffeisen Bank in Russland prüfe, einschließlich eines sorgfältig gesteuerten Ausstiegs aus der Raiffeisen Bank Russland. Da der Prozess nicht einfach sei, werde das noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
Andere westliche Banken hatten sich in den vergangenen Wochen von ihrem Russlandgeschäft getrennt. So verkaufte etwa die französische Großbank Société Generale Mitte April ihre Russlandtochter Rosbank. Zuvor hatten BNP Paribas und Crédit Agricole bereits ihre Aktivitäten in Russland eingestellt, ebenso wie die US-Banken JP Morgan und Goldman Sachs.
Auch die Citigroup teilte im März mit, sich noch stärker als bislang geplant aus Russland zurückzuziehen. Das Geldhaus ist die von allen US-Banken am stärksten in Russland engagierte Bank.
Aufgrund des hohen Russlandengagements steht die RBI-Aktie seit Wochen unter Druck: Seit Jahresbeginn hat sich der Aktienkurs der RBI halbiert, auch am Mittwoch gab das Papier zeitweise mehr als drei Prozent nach. Die Dividende hatte die Bank bereits gestrichen.
Für das Gesamtjahr bekräftigte die Bank ihre Prognose, dass der Zinsüberschuss im oberen und der Provisionsüberschuss im mittleren einstelligen Prozentbereich zunehmen dürfte. Bei der harten Kernkapitalquote will sich die Bank wieder dem Ziel von 13 Prozent annähern.
„Auch wenn 2022 wohl das Jahr mit den größten Herausforderungen für die RBI in ihrer Geschichte werden dürfte, sind wir zuversichtlich diese zu meistern“, sagte Strobl.