Eigenheimförderung: Warum der Traum von den eigenen vier Wänden kaum noch zu verwirklichen ist
Die Ministerin versprach, eine „Nachfolge“ für das Baukindergeld schaffen zu wollen, als „Zuschuss für Menschen, die selber bauen wollen“. Zudem gebe es gerade Verhandlungen mit den Ländern zur Zukunft der Grunderwerbsteuer.
Foto: dpaDüsseldorf. In ihrem Koalitionsvertrag haben SPD, Grüne und FDP versprochen: „Wir wollen mehr Menschen in Deutschland ermöglichen, im selbst genutzten Eigentum zu wohnen.“
Große Schritte in diese Richtung hat die Ampel bislang allerdings noch nicht unternommen. Ganz im Gegenteil: Durch das Chaos rund um die Energieeffizienz-Förderung der staatlichen KfW-Bank wurden viele Bauvorhaben zurückgestellt – auch von Familien. Zuletzt hatte Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) den Bau von neuen Einfamilienhäusern als ökonomisch und ökologisch unsinnig bezeichnet.
Auch an diesem Donnerstag beim Tag der Bauindustrie verlor Geywitz kaum ein Wort darüber, wie der Erwerb eines Eigenheims künftig gefördert werden könnte.
Sie versprach, eine „Nachfolge“ für das Baukindergeld zu schaffen, als „Zuschuss für Menschen, die selber bauen wollen“. Zudem führe Finanzminister Christian Lindner (FDP) gerade Verhandlungen mit den Ländern zur Zukunft der Grunderwerbsteuer.
Der Haushalt für 2022 zeigt: Über ein KfW-Programm sollen sechs Millionen Euro zum Erwerb von Genossenschaftsanteilen für selbstgenutzten Wohnraum zur Verfügung gestellt werden, damit auch junge Familien mit durchschnittlichem Einkommen Wohneigentum erwerben können.
Geywitz sagte: „Ich weiß, dass die Rahmenbedingungen schwierig sind.“ Damit liegt sie richtig. Und das hängt nicht nur mit den Folgen der Coronakrise und des Ukrainekriegs zusammen:
- Explodierende Baukosten: Bauen wird immer teurer. So gab es im vergangenen Jahr einen Anstieg der Baupreise von sechs Prozent – laut Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) der stärkste Anstieg in mehr als 20 Jahren. Und der Trend zeigt weiter nach oben. Das hat mit Lieferkapazitäten der Hersteller, unterbrochenen Lieferketten und steigenden Energiekosten zu tun, liegt aber auch an den stark gestiegenen Materialpreisen. Nach Daten des Statistischen Bundesamts stiegen zuletzt allein die Preise für Konstruktionsvollholz um gut 77 Prozent, für Dachlatten um 65 Prozent und für Betonstahlprodukte um fast 53 Prozent.
- Steigende Immobilienpreise: Wohnimmobilien verteuern sich immer weiter. 2021 erhöhten sich die Preise für Wohnimmobilien im bundesweiten Durchschnitt um elf Prozent. Zwar steigen jetzt die Zinsen, aber die Nachfrage nach Immobilien ist weiter sehr hoch. Die Immobilienpreise dürften erst einmal also noch weiter steigen.
- Steigende Zinsen: Die Bauzinsen steigen. Das verteuert die Finanzierung einer Wohnimmobilie. Wer sich bislang den Erwerb nur aufgrund der extrem niedrigen Zinsen leisten konnte, könnte nun zurückschrecken. Mirjam Mohr, Vorständin beim Finanzierungsvermittler Interhyp, rechnet vor: Der Zinsanstieg bei zehnjährigen Darlehen von eins auf 2,6 Prozent bedeute bei einem Immobilienkredit über 300.000 Euro und einer anfänglichen Tilgung von drei Prozent den Anstieg der monatlichen Rate von 1000 auf 1400 Euro. In zehn Jahren wären das 48.000 Euro. Bei 500.000 Euro Kreditsumme würden sich die Zinsmehrkosten in einem Jahrzehnt auf rund 80.000 Euro summieren.
- Hohe Kaufnebenkosten: Neben Maklerprovision und Notarhonorar schlägt beim Kauf des Eigenheims vor allem die Grunderwerbsteuer zu Buche. Diese fällt in den Ländern unterschiedlich aus und reicht von 3,5 Prozent bis hin zu 6,5 Prozent des Kaufpreises von selbst genutztem Wohnraum. Da für die Kaufnebenkosten meist Eigenkapital eingesetzt werden muss, stellen die Positionen eine starke Hürde für den Hauskauf dar.
- Fehlende Fachkräfte: Der Fachkräftemangel gilt im Baugewerbe als drängendes Problem. Laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) nannten 78 Prozent der Bauunternehmen zu Jahresbeginn fehlende Fachkräfte als Risiko für die eigene wirtschaftliche Entwicklung. Laut Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) sind die personellen Kapazitäten am deutschen Bauarbeitsmarkt angespannt und Arbeitskräftereserven nur noch begrenzt vorhanden. Die Folgen: Der Traum vom Eigenheim wird für viele immer unrealistischer.
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Tatsächlich träumen viele von den eigenen vier Wänden. Laut einer aktuellen Interhyp-Wohntraumstudie wünschten sich im vergangenen Jahr rund 72 Prozent der Mieterinnen und Mieter in Deutschland eine eigene Immobilie. Vor allem für junge Leute ist das eigene Zuhause ein Lebenstraum.
Bislang ist Deutschland bei der Wohneigentumsquote im EU-Vergleich das Schlusslicht: Derzeit leben laut Statistischem Bundesamt nur etwa 42,1 Prozent der deutschen Haushalte in den eigenen vier Wänden.
Vorstoß der Union
Die Union prescht nun vor. Der baupolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jan-Marco Luczak (CDU), kritisiert: „In der Politik der Ampel klafft hier eine große Leerstelle“. Von den „hehren Zielen und wohlklingenden Versprechen“ für mehr Eigentumsbildung im Koalitionsvertrag bleibe in der Realität nichts übrig. Im Haushalt sei keine einzige eigene Initiative für mehr Eigentumsbildung vorgesehen.
In einem Antrag, über den der Bundestag am Freitag erstmals debattiert, fordert die Unionsfraktion die Bundesregierung nun zu konkreten Schritten auf:
So soll die Bundesregierung den Ländern ermöglichen, beim Ersterwerb von selbst genutztem Wohneigentum einen Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer von 250.000 Euro pro Erwachsenen und 150.000 Euro pro Kind einzuführen.
Luczak geht davon aus, dass eine vierköpfige Familie dann gar keine Grunderwerbsteuer mehr zahlen müsste. Dass die Länder tatsächlich solche Möglichkeiten für Freibeträge einräumen, hält er für realistisch, eine Kompensation für unnötig. „In den Länderhaushalten besteht Spielraum“, erklärte der CDU-Politiker. Zuletzt habe der Bund viele Finanzierungsaufgaben der Länder übernommen.
Außerdem soll die Bundesregierung nach dem Willen der Unionsfraktion den erstmaligen Erwerb selbst genutzter Immobilien fördern, vor allem für Familien mit geringen und mittleren Einkommen.
In dem Antrag heißt es: „Hierzu sollen das KfW-Wohneigentumsprogramm ausgeweitet und staatlich abgesicherte Mietkaufmodelle entwickelt werden, die Kriterien wie die Anzahl der Kinder, Einkommensverhältnisse sowie Gestaltungsmerkmale wie flexible Grundrisse und Quadratmeterverbrauch pro Kopf berücksichtigen.“
Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser sinkt deutlich
Weiter fordert die Union von der Regierung, den Erwerb von selbst genutztem Wohneigentum in bestehenden Gebäuden mit dem Programm „Jung kauft Alt“ zu fördern sowie gemeinsam mit den Kommunen eine Initiative zur Baulandgewinnung zu entwickeln, um dem Mangel an Bauland entgegenzuwirken.
In dem Unionsantrag heißt es: „Millionen von Menschen in Deutschland träumen von den eigenen vier Wänden. Das Eigenheim im Grünen oder die Eigentumswohnung in der Stadt sind Ausdruck von Selbstverwirklichung und gelebter Freiheit.“
Eigentumserwerb diene außerdem der Altersvorsorge und schütze vor Inflation. „Eigentumsbildung muss daher auch für Menschen mit geringen und mittleren Einkommen und insbesondere Familien möglich sein“, heißt es weiter.
Dass es den Menschen allerdings immer schwerer fällt, Wohneigentum zu kaufen, zeigt sich jetzt schon: So ging in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser deutlich um 26,2 Prozent auf 20.778 zurück.