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KlimaneutralitätKonzerne fordern höheres Tempo auf dem Weg in die Wasserstoff-Wirtschaft

Unternehmen wie Siemens Energy, Thyssen-Krupp und SAP senden ein Signal an den G7-Gipfel. Sie wollen eine pragmatischere und schnellere Förderung beim Aufbau einer Wasserstoff-Wertschöpfungskette.Klaus Stratmann 24.06.2022 - 04:07 Uhr Artikel anhören

Die Industrie braucht grünen Wasserstoff, um klimaneutral produzieren zu können.

Foto: Bloomberg

Berlin. Eine Gruppe deutscher Konzerne macht sich gemeinsam mit dem australischen Wasserstoffpionier Fortescue Future Industries (FFI) dafür stark, beim Aufbau einer Wasserstoff-Wertschöpfungskette deutlich schneller voranzugehen. Die Gruppe, die sich selbst als „Green Hydrogen Crisis Taskforce“ (GHCT) bezeichnet, fordert von der Politik effizientere Anschubfinanzierungen und die Schaffung grenzüberschreitender Standards.

Die GHCT hat ihre Vorstellungen in einem 15 Seiten umfassenden Weißbuch zusammengefasst, das dem Handelsblatt vorliegt. Die Gruppe versteht ihre Empfehlungen ausdrücklich als Botschaft an den G7-Gipfel, der am Sonntag in Elmau beginnt. Das Thema Wasserstoff steht ohnehin auf dem Programm des Spitzentreffens der Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten westlichen Industrieländer.

Der GHCT gehören neben FFI die deutschen Unternehmen Covestro, Linde, Luthardt, SAP, Schaeffler, Eon, Siemens Energy und Thyssen-Krupp an. Für große Teile der deutschen Industrie ist die rasche Verfügbarkeit von klimaneutralem Wasserstoff in großen Mengen von grundlegender Bedeutung. Ohne klimaneutralen Wasserstoff können Branchen wie Stahl, Chemie oder Zement das Ziel der Klimaneutralität nicht erreichen.

Vor zwei Jahren hatte die damalige Bundesregierung die „Nationale Wasserstoffstrategie“ verabschiedet, die den Rahmen für eine rasche Marktentwicklung setzen soll. Inzwischen hat die neue Bundesregierung die Ziele der Wasserstoffstrategie noch erhöht. Auch auf europäischer Ebene wird das Thema vorangetrieben.

Bei der Umsetzung hapert es jedoch. So stehen Stahlhersteller wie Thyssen-Krupp oder auch Salzgitter aktuell vor Investitionsentscheidungen: Sie wollen die klassische Hochofenroute zur Stahlherstellung durch Direktreduktionsanlagen ersetzen. Mit diesen Anlagen lässt sich Stahl klimaneutral herstellen, wenn für den Betrieb Wasserstoff eingesetzt wird.

Klimaneutraler Wasserstoff dürfte auf absehbare Zeit Mangelware bleiben

Doch es ist noch nicht abschließend klar, in welchem Umfang die Investitionen gefördert werden. Auch klimaneutraler Wasserstoff dürfte auf absehbare Zeit Mangelware bleiben.

Darum fordert die Taskforce einen neuen Kurs: „Sauberer Wasserstoff spielt bei der Energiewende eine wichtige Rolle, aber wir müssen über die richtigen Rahmenbedingungen, Anreize und Infrastrukturen verfügen, um ihn als Hebel für die Dekarbonisierung nutzbar zu machen“, sagte Jürgen Nowicki, Chef von Linde Engineering.

In dem Papier der Taskforce heißt es, es sei eine „klare und rechtzeitige Unterstützung erforderlich, um Vertrauen in einen aufkeimenden Markt für grünen Wasserstoff zu signalisieren und Investitionshemmnisse zu beseitigen“. Erst wenn gemeinsame Standards und robuste Finanzierungsmechanismen vorhanden seien, seien die Unternehmen bereit, entlang der gesamten Wertschöpfungskette Verträge zu schließen und sicherzustellen, dass die Produktions-, Lager- und Umwandlungseinrichtungen in dem Umfang hochgefahren werden, der zur Erreichung der Ziele erforderlich ist.

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Klare und pragmatische Regeln fordern die Initiatoren bei der Rückverfolgung von grünem Wasserstoff und grünem Ammoniak über die gesamte Wertschöpfungskette inklusive der Herkunftsnachweise. Außerdem müsse alles getan werden, um einen globalen Wasserstoffmarkt entstehen zu lassen.

Australien gilt als Hoffnungsträger für die deutsche Industrie

Aus Sicht der deutschen Industrie gehört Australien zu den aussichtsreichsten Kandidaten als künftiger Lieferant von grünem Wasserstoff. Mit Unterstützung der Bundesregierung untersuchen die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) derzeit gemeinsam mit australischen Partnern die Potenziale für den Aufbau einer Wasserstoff-Lieferbeziehung zwischen australischen und deutschen Unternehmen.
Zu den Pionieren in Australien gehört der Unternehmer Andrew Forrest, der Milliarden in die Produktion von grünem Wasserstoff in seinem Heimatland, aber auch in anderen Teilen der Erde investieren will. Sein Unternehmen FFI hat mit Covestro und Eon bereits Absichtserklärungen über die Lieferung von grünem Wasserstoff ab Mitte des Jahrzehnts abgeschlossen.
Mehr: Thyssen-Krupp legt Börsengang von Wasserstoff-Tochter Nucera auf Eis

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