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Fachkräftemangel„Ausbildungsplatz sucht Azubi“ – Vier von zehn Betrieben können nicht alle Lehrstellen besetzen

Mehr als ein Drittel der Unternehmen erhält nicht einmal mehr eine Bewerbung, so eine DIHK-Umfrage. Die Corona-Lockdowns wirken noch immer nach.Barbara Gillmann 18.08.2022 - 15:37 Uhr Artikel anhören

Mehr als vier von zehn IHK-Ausbildungsbetrieben konnten im vergangenen Jahr nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen.

Foto: dpa

Berlin. Die Lehrlingssuche gestaltet sich für die deutschen Unternehmen auch wegen der Coronapandemie so schwierig wie noch nie. Angesichts fehlender Bewerber könne man sagen: „Ausbildungsplatz sucht Azubi“, sagte der Vize-Geschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Achim Dercks. 

Noch nie sei es für Betriebe schwieriger gewesen, geeignete Lehrlinge zu finden. Nach einer DIHK-Umfrage unter bundesweit rund 15.000 Ausbildungsbetrieben haben 2021 mehr als vier von zehn Betrieben nicht alle Plätze besetzen können, ein Negativrekord. 36 Prozent der Betriebe erhielten demnach keine einzige Bewerbung – im Jahr 2018 waren es 30 Prozent.

Dieses Jahr dürfte sich die Lage noch verschärfen. Denn nach den Daten der Bundesagentur für Arbeit ist die Lage so schwierig wie noch nie: Ende Juli kamen auf 100 gemeldete Ausbildungsplätze 77 Bewerber. Im Vorjahr waren es noch 83. 

Insgesamt waren Ende Juli 233.400 unbesetzte betriebliche Ausbildungsstellen gemeldet – ein Fünftel mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Bewerber, die noch keine Lehrstelle gefunden hatten, fiel auf 118.000 – 8700 weniger als im Juli 2021. 

Neben der demografischen Entwicklung gilt vor allem die Pandemie als Ursache der Misere: Wegen der Lockdowns konnten lange weder Berufsorientierung in den Schulen noch Berufsberatung stattfinden. Ausbildungsmessen und Schnupperpraktika in Betrieben fielen aus.

Auch 2022 erschwere Corona die Suche der Betriebe und der Jugendlichen weiterhin erheblich, sagte Dercks. Zudem passten Berufswünsche der Bewerber oder deren mangelnde Bereitschaft zum Ortswechsel mit steigender Tendenz nicht zum Angebot der Betriebe. 

Nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung beklagen zwei Drittel der Schulabgänger mangelhafte Informationen über die Berufswelt. Mehr als die Hälfte sieht sich bei der Berufswahl überfordert. Daher schöben immer mehr eine Entscheidung hinaus und gingen lieber länger zur Schule oder zur Berufsschule. 2021 traf dies für 230.000 junge Leute zu. 

Den Unternehmen sei die Bedeutung der Berufsorientierung sehr bewusst, betonte Dercks. Daher habe man in der Pandemie neue digitale Formate entwickelt, „um fehlende Angebote von Schulen und Arbeitsagenturen bestmöglich abzufedern“. 

Und die Unternehmen wollen ihr Engagement verstärken: Der DIHK-Umfrage zufolge möchten drei von vier Ausbildungsbetrieben ihr Angebot in der beruflichen Orientierung ausbauen. Allein 51 Prozent planen mehr Schülerpraktika, 38 Prozent Veranstaltungen und jedes vierte will das digitale Informationsangebot stärken. „Die Unternehmen haben ihre Türen und Tore weit geöffnet und werben um den Nachwuchs“, sagte Dercks. 

Betriebe gegen „Ausbildungsgarantie für Wunschberuf“

Eine „Ausbildungsgarantie für Wunschberufe“ jedoch lehnen vier Fünftel der Unternehmen ab. Das zielt auf die von der Ampelregierung angekündigte Ausbildungsgarantie. Diese soll zugleich die vielen leer ausgegangenen Interessenten versorgen und den Fachkräftemangel lindern. Einen konkreten Vorschlag gibt es aber noch nicht. 

Das Bundesarbeitsministerium hatte erkennen lassen, sich an Österreich orientieren zu wollen, wo acht Prozent der Lehrlinge zumindest das erste Jahr in Staatsregie lernen. Die Lehrberufe werden in Absprache mit der Wirtschaft festgelegt. 

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In der DIHK-Umfrage zeigten sich 43 Prozent der Firmen besorgt, dass außerbetrieblich Qualifizierte nicht dem Bedarf der Praxis entsprächen, zwölf Prozent befürchten einen weiteren Rückgang der Bewerbungen. Jedes zehnte Unternehmen verwies darauf, auch schulschwache Jugendliche hätten im Betrieb gute Chancen. 

DIHK-Vize Dercks plädiert für ein Alternativmodell zur „Garantie“: Jugendliche, die bis Ende September keine Lehrstelle finden, sollen drei Angebote für eine betriebliche Ausbildung erhalten – „wenn auch nicht immer im Wunschberuf“.

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