Energiekrise: Uniper könnte mehr Geld benötigen als gedacht
Uniper steckt in der Krise.
Foto: dpaDüsseldorf. Am Donnerstag sind die Gaspreise an der niederländischen TTF-Börse auf ein neues Allzeithoch gestiegen: 300 Euro kostet die Megawattstunde aktuell. Für den angeschlagenen Energiekonzern Uniper sind das schlechte Nachrichten. Der Konzern könnte mehr Geld vom Staat brauchen als bislang angenommen.
Weil Hauptlieferant Russland fast kein Gas mehr nach Europa schickt, muss Uniper seit Monaten teuren Ersatz im tagesaktuellen Handel beschaffen. Anfang Juli hatten die Düsseldorfer deswegen sogar um staatliche Hilfen bitten müssen. Der Bund steigt mit fast 30 Prozent bei Uniper ein und stützt den größten Gashändler Deutschlands mit Milliardenkrediten.
Die könnten Insidern zufolge angesichts der immer weiter steigenden Gaspreise allerdings zu knapp bemessen sein. Die Staatsbank KfW könnte nun dazu gezwungen sein, ihr Engagement bei Uniper auszubauen.
„Die hohen Gaspreise machen die Situation nicht einfacher“, sagte ein Brancheninsider dem Handelsblatt. Zuerst hatte die Nachrichtenagentur Reuters darüber berichtet. Uniper selbst wollte die Gerüchte am Donnerstag nicht kommentieren.
Die Bundesregierung sieht aktuell keinen Nachbesserungsbedarf. Das sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Berlin. Ob eine Aufstockung ohne Weiteres überhaupt möglich ist, ist noch unklar. Man sei jedoch in Gesprächen, heißt es aus Branchenkreisen. Bislang hat die KfW Kreditlinien von neun Milliarden Euro zugesichert. Fünf Milliarden davon hatte Uniper schon bis Mitte August gezogen.
Lage hat sich deutlich verschlechtert
Seitdem das Rettungspaket im Juli beschlossen wurde, hat sich die Lage für Uniper noch einmal deutlich verschlechtert. Mittlerweile liefert Gazprom gerade einmal 20 Prozent der zugesagten Mengen durch die Pipeline Nord Stream 1. Je weniger Gas geliefert wird, umso größer sind die Verluste für Uniper.
Allein in den ersten sechs Monaten des Jahres verbuchte der Konzern einen Nettoverlust von mehr als zwölf Milliarden Euro. Auch für das Gesamtjahr und das kommende Jahr 2023 erwartet Uniper einen Verlust.
Auch den Mutterkonzern, den finnischen Energieversorger Fortum, belastet die Situation der deutschen Tochter mittlerweile finanziell. Den Finnen gehören knapp 78 Prozent an Uniper. Nach dem Einstieg des Bundes dürfte dieser Anteil allerdings auf 56 Prozent sinken.
Im zweiten Quartal vermeldete Fortum einen Verlust von 7,4 Milliarden Euro. Schuld seien die großen finanziellen Herausforderungen bei Uniper. Die Finnen hatten Uniper schon vor Monaten mit Krediten in Höhe von acht Milliarden Euro ausgeholfen.
Der hohe Nettoverlust im ersten Halbjahr geht bei den Düsseldorfern zum Teil auf bereits bekannte Abschreibungen auf Russland-bezogene Geschäfte von Uniper zurück – etwa für die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 und Kraftwerke in Russland. Doch 6,5 Milliarden Euro des Verlusts stehen in Zusammenhang mit den Kürzungen der Gaslieferungen aus Russland.
Noch im Juli hatte Uniper bekannt gegeben, derzeit bis zu eine Milliarde Euro im Monat draufzuzahlen. Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach rechnete mit insgesamt sechs Milliarden Euro Verlust bis Ende September. Nach aktuellem Stand dürften es sogar 6,5 Milliarden Euro sein.
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Laut Maubach macht Uniper derzeit teilweise mehr als 100 Millionen Euro Verlust pro Tag. Das entspräche einem Minus von bis zu drei Milliarden Euro im Monat – an einigen Tagen seien die Verluste jedoch auch deutlich geringer. Mit einer Verbesserung rechnet Uniper erst im Laufe der kommenden Jahre.
Um die laufenden Mehrkosten abzufedern, soll auch die Gasumlage helfen. Sie wurde von der Bundesregierung eingeführt, um kriselnde Gashändler wie Uniper vor der Pleite zu bewahren. Ab dem 1. Oktober 2022 bis zum 1. April 2024 dürfen diese sich 90 Prozent ihrer Mehrkosten über ein Umlagesystem zurückholen.
Ersten Schätzungen der Trading Hub Europe zufolge könnte die Summe bis zu 34 Milliarden Euro betragen. Mehr als die Hälfte davon gehen dem Vernehmen nach an Uniper. Für die erste Preisperiode gilt eine Umlagehöhe von 2,4 Cent pro Kilowattstunde, die allen Gaskunden, Unternehmen wie Haushalten, ab Oktober in Rechnung gestellt werden soll.
Die Auszahlung an Uniper und Co. könnte sich allerdings verzögern. Stadtwerke und Energieversorger berichten von einem immens großen bürokratischen Aufwand bei der Umsetzung. „Wie wir die Umlage an unsere Kunden weitergeben sollen, ist nicht geklärt. Wir wissen nicht, wie wir mit Festpreisbindungen oder Verkürzungen von Fristen umgehen und so weiter“, kritisiert Eon-Chef Leonhard Birnbaum auf einer Branchentagung am Donnerstag. Dass man seine Kunden einzeln informieren muss, sei vorher auch nicht klar gewesen, so der Manager. Allein Eon hat 1,5 Millionen Gaskunden.