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KommentarElon Musks Massenentlassung gefährdet die Zukunft von Twitter

Sieben Tage nach dem 44 Milliarden Dollar schweren Kauf von Twitter hat Elon Musk Tausende Angestellte gefeuert. Er verursacht Chaos und riskiert, die Firma zu zerstören.Stephan Scheuer 06.11.2022 - 10:07 Uhr Artikel anhören

Elon Musk hat rund die Hälfte der 7500 Twitter-Angestellten entlassen.

Foto: REUTERS

San Francisco. Es war klar, dass es nach der Übernahme von Twitter durch den reichsten Menschen der Welt, Elon Musk, harte Kürzungen geben würde. Twitter braucht dringend einen Neustart. Aber Musks Vorgehen stürzt Twitter in eine Krise, die das Überleben der Plattform gefährdet.

Der Abbau einiger der rund 7500 Stellen bei Twitter war wohl kaum vermeidbar. Darüber machte sich im Silicon Valley niemand Illusionen. Steve Jobs leitete den Kurswechsel bei Apple auch mit dem massiven Abbau von Stellen im Jahr 1997 ein. Fast jede dritte Stelle wurde damals beim Technologiekonzern gestrichen.

Im Gegensatz zu Musk nahm sich Jobs jedoch die Zeit, genau zu überlegen, welche Personen für das Überleben von Apple wichtig waren und auf welche Projekte und Stellen die Firma verzichten konnte. Und Jobs arbeitete bei der Auswahl für den Stellenabbau eng mit dem bestehenden Führungsteam um Chairman und CEO Gilbert Amelio zusammen.

Musk geht einen anderen Weg. Unmittelbar nach dem Kauf von Twitter warf er die bestehende Unternehmensführung raus. Sieben Tage waren nicht ausreichend, um zu bewerten, wer bei Twitter wichtig ist und wer nicht. Musk und sein Team gingen so radikal vor, dass selbst die kritische Infrastruktur bei Twitter gefährdet sein könnte. Rund jede zweite Person im Unternehmen wurde am Freitag gefeuert.

Musks Erfolge als Unternehmer sind unbestritten. Mit Tesla hat er den Markt für E-Autos geformt und etablierte Autobauer wie Volkswagen, Daimler und BMW vorgeführt. Mit SpaceX hat er die kommerzielle Raumfahrt neu erfunden.

Seine Ziele für Twitter, die Plattform zu neuer Größe zu führen und dabei gegen Trolle zu kämpfen, klingen richtig. Aber allein die chaotischen ersten Tage könnten dazu führen, dass es bald zu massiven Ausfällen kommt. Wichtige Fachkräfte fehlen.

Zudem hat Musk eine wichtige Gruppe gegen sich aufgebracht: die Werbetreibenden. Natürlich sind Firmen vorsichtig, nachdem Musk kurz nach dem Twitter-Kauf rechte Verschwörungserzählungen über den Angriff auf den Mann von US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi teilte. Es ist wenig überraschend, dass besonders Autobauer ihre Werbebudgets pausieren – jetzt, wo einer ihrer direkten Wettbewerber Twitter kontrolliert.

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Anstatt um Verständnis zu werben, drohte Musk den Werbetreibenden. Ihr Vorgehen gefährde die Redefreiheit. Sollten sie nicht umsteuern, könnte er sie öffentlich bloßstellen, polterte Musk.

So gewinnt Musk keine Unterstützer. So schafft er sich Feinde.

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