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FinanzaufsichtEZB bemängelt geringe Investitionen der Banken in Digitalisierung

EZB-Chefaufseher Enria bemängelt, dass Geldhäuser zu wenig für ihre Modernisierung und Kontrollsysteme ausgeben. Er will deshalb nun den Druck erhöhen.Andreas Kröner, Yasmin Osman 08.02.2023 - 14:06 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Enria ist der Chefbankenaufseher der Europäischen Zentralbank.

Foto: Reuters

Frankfurt. Es gibt zwar kaum eine Rede eines europäischen Bankchefs, in der das Thema Digitalisierung nicht prominent auftaucht, doch nach Meinung der Bankenaufsicht nehmen die Institute zu wenig Geld für den Umbau in die Hand.

Die Coronapandemie habe zwar das Bewusstsein geschärft, dass sich solche Projekte lohnen können, weil Banken damit neue Kunden gewinnen, den Zugang zu bestehenden Kunden verbessern und Kosten senken könnten, sagte der oberste Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB), Andrea Enria, am Mittwoch.

„Dennoch bleibt die Höhe der Investitionen der Banken begrenzt“, monierte der Italiener. 2021 hätten die Geldhäuser im Schnitt lediglich 2,8 Prozent ihres operativen Nettoeinkommens in die digitale Transformation investiert. Nach Enrias Meinung „ein bisschen wenig, um die Herausforderungen zu lösen, die wir haben“.

Investitionen in die Modernisierung der IT-Systeme sind laut Enria auch wegen der wachsenden Gefahren durch Cyberangriffe unabdingbar. Schon während der Pandemie sei die Zahl der Attacken gestiegen. „Nach der russischen Invasion in die Ukraine ist sie nun auf diesem erhöhten Level geblieben“, betonte der Aufseher.

Verbesserungsbedarf sieht Enria auch bei den Kontrollsystemen der Geldhäuser. „Viele Banken haben eine fragmentierte IT-Landschaft und mangelhafte Fähigkeiten, Risikodaten zusammenzufassen.“ Den Managern der Banken seien die Probleme durchaus bewusst, es fehle aber an Anreizen für die notwendigen Investitionen.

Diese würden die Gewinne der Institute schließlich sofort drücken – sich aber erst nach Jahren auszahlen. Deshalb will Enria „den aufsichtlichen Druck erhöhen“. Die EZB thematisiere diese Probleme schon seit Jahren. Nun sei es an der Zeit, sie zu beheben.

Großbanken machen so viel Gewinn wie lange nicht

Die Kontrollmängel haben Folgen für die individuellen Kapitalaufschläge, die die EZB von den von ihr direkt überwachten europäischen Großbanken verlangt. Eine wichtige Rolle spielen dabei das Geschäftsmodell und die Rentabilität von Banken. Im vergangenen Jahr waren die Institute dank der Zinswende und der niedrigen Kreditausfälle so profitabel wie lange nicht.

Die durchschnittliche Eigenkapitalrendite lag Ende des dritten Quartals 2022 bei 7,6 Prozent und damit so hoch wie noch nie seit der Einführung der einheitlichen EU-Bankenaufsicht 2014. Aufgrund der Schwäche bei den Kontrollsystemen blieben die von der EZB verlangten Kapitalpuffer insgesamt aber in etwa auf Vorjahresniveau.

Enria rechnet damit, dass die Großbanken auch 2023 gut verdienen werden. Der härtere Wettbewerb um Kundeneinlagen werde allerdings dazu führen, dass die Institute weniger von der Differenz von Einlagen- und Kreditzinsen profitieren als bisher.

In der Debatte über das Geschäft von Banken in Russland beziehungsweise mit russischen Kunden rief Enria die betroffenen Geldhäuser auf, ihr Engagement weiter zurückzufahren. „Wenn Banken die Möglichkeit haben, diese Art von Geschäften zu reduzieren oder zu beenden, wäre das etwas, was wir aus aufsichtlicher Sicht befürworten würden.“

Manche Banken hätten ihre Niederlassungen in Russland bereits verkauft und das Land verlassen, berichtete Enria. Mittlerweile sei ein solcher Schritt für ausländische Institute wegen einer „feindseligeren“ Gangart der russischen Behörden allerdings schwierig geworden.

Zu den besonders betroffenen Geldhäusern gehört die italienische Großbank Unicredit, deren russische Tochter zu den 15 größten Instituten des Landes zählt. Das Gesamtengagement von Unicredit in Russland belief sich zuletzt auf 5,3 Milliarden Euro. Finanzkreisen zufolge ist das Institut wegen seines Russlandgeschäfts bereits mit der EZB aneinandergeraten.

Claudia Buch wird als Enria-Nachfolgerin gehandelt

Enria tritt zum Jahresende als oberster EZB-Bankenaufseher ab. Als eine mögliche Nachfolgerin wird Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch gehandelt. Die Bundesbank wollte sich dazu nicht äußern.

Enria hat sich stets für eine weiter gehende Integration des europäischen Bankenmarkts ausgesprochen und einige Maßnahmen auf den Weg gebracht, um grenzüberschreitende Fusionen zu erleichtern. Bisher schreckten Großbanken vor derart komplexen Transaktionen allerdings zurück.

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Aus Sicht des Aufsehers könnte sich das ändern, wenn sich die Rahmenbedingungen für Banken und deren Marktwerte weiter verbessern. „Falls es dieses Jahr keinen weiteren Schock gibt, kann es zu mehr grenzüberschreitenden Entwicklungen kommen – vermutlich aber nicht mehr während meiner Amtszeit.“

Mitarbeit: Jan Mallien

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