Industriedienstleister: Bilfinger rechnet mit Wachstum: „Krisen sind ein gutes Arbeitsumfeld“
Das Unternehmen will vor allem mit der Nachrüstung von Industrieanlagen zum Abbau von CO2-Emissionen seinen Gewinn steigern.
Foto: dpaDüsseldorf. Der Industriedienstleister Bilfinger hat trotz kräftigen Umsatzwachstums im vergangenen Jahr weniger verdient. Das Betriebsergebnis sank wegen Restrukturierungskosten von 62 Millionen Euro um 38 Prozent auf 75 Millionen Euro. Die Umsätze stiegen gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro. Der Auftragseingang wuchs ebenso zweistellig auf 4,6 Milliarden Euro, wie Bilfinger-CEO Thomas Schulz auf der Investorenkonferenz am Dienstag verkündete.
Der Techniklieferant von Pharma-, Chemie- und Energieunternehmen taxiert für 2023 einen Umsatz von 4,3 bis 4,6 Milliarden Euro – und stellt eine Verbesserung der Marge auf 3,8 bis 4,1 Prozent in Aussicht. Für die Jahre 2025 bis 2027 kündigte Schulz ein jährliches Wachstum von vier bis fünf Prozent und eine Marge von sechs bis sieben Prozent an.
Die Umsatzrendite sackte 2022 von 3,2 Prozent auf 1,8 ab. Etappenziel für das kommende Jahr seien mindestens fünf Prozent Umsatzrendite, wie das Mannheimer Unternehmen mitteilte – so viel wie zuletzt vor zehn Jahren. Seither betrug die Umsatzrendite im Schnitt knapp zwei Prozent.
„Wir verdienen, wenn Firmen investieren, und wir verdienen, wenn Firmen etwa Anlagen herunterfahren müssen“, erklärte Schulz dem Handelsblatt. „Deswegen sind Krisen für uns ein gutes Arbeitsumfeld – denn Industrieanlagen müssen durch die Energiekrise heruntergefahren werden, gleichzeitig aber auch für die Nachhaltigkeitsziele der Unternehmen umgebaut oder erneuert werden.“
Vor allem energieintensive Industrieunternehmen müssten somit langfristig ihre Anlagen umstellen, die gute Auftragslage reiße also nicht ab. „Das alles muss umgesetzt werden, und ohne Industriedienstleister kriegen wir das nicht hin“, sagte Schulz.
Wachstumsmotor Klimaschutz
Das Unternehmen will den Gewinn mit der Nachrüstung von Industrieanlagen zum Abbau von CO2-Emissionen steigern. „Wir werden die Firma über die nächsten Jahre weiter in Richtung Nachhaltigkeit treiben. All das, was Nachhaltigkeit und Effizienz nicht unterstützt, werden wir mit der Zeit gehen lassen“, sagte Schulz. Etwa fünf Prozent des Umsatzes fallen derzeit in Bereiche, die nicht zu den neuen Strategiezielen Effizienz und Nachhaltigkeit zählen – von diesen wolle sich der Konzern mittelfristig verabschieden.
Zudem soll der Kundenkontakt digitaler werden. „Es benötigt heutzutage Leute vor Ort, die zu 80 Prozent bereits über das nötige Know-how verfügen“, sagte der Konzernchef. Für die restlichen 20 Prozent sollen Mitarbeiter aus Produktcentern digital zugeschaltet werden, dies spare Transportkosten. 25 Prozent der Einsparungen des Unternehmens, die Schulz im vergangenen Herbst veranlasst hatte, sollen in die Aus- und Weiterbildung fließen.
Das seit November 2022 laufende interne Effizienzprogramm, das ein Einsparvolumen von 55 Millionen Euro jährlich beinhaltet, könnte dazu beitragen, Bilfingers strategische Ziele zu erreichen. Zudem will das Unternehmen zunehmend mit Start-ups zusammenarbeiten. „Wenn wir als Bilfinger über Innovation sprechen, dann ist das auch die Kombination von neuen Technologien anderer“, sagte Schulz.
Ertragspotenzial sieht Schulz in der Standardisierung von Angeboten: „80 Prozent dessen, was wir tun, ist dasselbe – ob bei Ölplattformen, Pharma- oder Chemieanlagen.“ Rohrleitungsbau oder Industriewartung seien einheitliche Leistungen, die in allen Märkten weltweit angeboten werden könnten. „Das ist wie ein Baukastensystem.“
Mit Agenturmaterial