C919: Mit diesem Flugzeug will China Airbus und Boeing Konkurrenz machen
Der Kurz- und Mittelstreckenjet des Herstellers Comac ist ein Prestigeprojekt der chinesischen Staatsführung. Er soll dem Airbus A320 neo und der Boeing 737 MAX Konkurrenz machen.
Foto: IMAGO/XinhuaPeking. In den Videos vom ersten kommerziellen Flug des in China entwickelten Passagierflugzeugs C919 wedeln lachende Passagiere eifrig mit China-Fähnchen. Die chinesischen Staatsmedien präsentieren ein Prestigeprojekt der Staatsführung: Sie will einen heimischen Konkurrenten zu Airbus und Boeing aufbauen. Doch viele Schlüsselkomponenten der C919, darunter auch das Triebwerk, stammen von westlichen Zulieferern.
Die Marktreife des Schmalrumpfjets hatte sich immer wieder verzögert. Der Hersteller Commercial Aviation Corporation, kurz Comac, hatte bereits 2008 mit der Entwicklung begonnen, die Produktion startete Ende 2011. Offiziell zugelassen ist die C919 in China jedoch erst seit September 2022. Nach zahlreichen Testflügen fand nun am Sonntag der erste kommerzielle Flug von Shanghai nach Peking statt, durchgeführt von der Airline China Eastern mit 128 Passagieren an Bord.
„Nach Generationen von Bemühungen haben wir endlich das Luftfahrtmonopol des Westens gebrochen“, jubelte die Zeitung „Beijing Daily“. Die C919 soll zur Konkurrenz für die populären Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge A320 neo von Airbus und 737 Max von Boeing werden. Die Auftragsbücher der beiden etablierten Hersteller sind bis zum Ende des Jahrzehnts voll, entsprechend lang sind die Wartezeiten für interessierte Fluggesellschaften.
Es sei eine „kleine, aber symbolische Herausforderung des Duopols von Boeing und Airbus“, sagt Scott Kennedy, China-Experte des US-Thinktanks Center for Strategic and International Studies (CSIS). Bei genauerem Hinsehen sei die C919 jedoch nur von außen ein chinesisches Flugzeug – von innen sei sie amerikanisch.
Auch Bonnie Glaser von der US-Denkfabrik German Marshall Fund verweist auf die zahlreichen Komponenten nicht chinesischer Hersteller, auf die Comac angewiesen ist. So stammen die Triebwerke vom französisch-amerikanischen Produzenten CFM International. Weitere Zulieferer sind GE, Honeywell, Parker Aerospace und Liebherr. Das deutsche Familienunternehmen liefert das Anti-Vereisungs-System für die Flügel.
Konkurrenz für Airbus und Boeing: Chinas Staatschef Xi Jinping bezeichnet C919 als Meilenstein
Wie wichtig das Projekt für die Staatsführung ist, zeigt die dünnhäutige Reaktion der Parteimedien auf Fragen nach den zahlreichen internationalen Zulieferern. Wer glaube, der Bau eines großen Flugzeugs sei „wie das Zusammensetzen verschiedener Teile aus Bauklötzen oder Lego, kennt sich schlichtweg nicht aus“, wetterte die Global Times. Das Projekt sei „über jeden Zweifel erhaben“. Ende September hatte Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping die Entwicklung des chinesischen Mittelstrecken-Passagierflugzeugs als Meilenstein für das Streben seines Landes nach Selbstbestimmung bezeichnet.
Die C919 hat eine maximale Reichweite von etwa 5500 Kilometern und ist für 158 bis 168 Passagiere ausgelegt. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge beträgt der Preis rund 99 Millionen US-Dollar, vor den üblichen Rabatten für Fluggesellschaften. Bislang ist die Maschine lediglich für Flüge innerhalb Chinas zugelassen. Die Airline China Eastern, die auch den Erstflug durchgeführt hatte, will die Maschine künftig auf der Strecke von Shanghai nach Chengdu einsetzen.
Offiziellen Angaben zufolge hat Comac bereits mehr als 1000 Bestellungen für die C919 erhalten. Laut Bloomberg sind die meisten davon allerdings nicht bestätigt oder stammen von chinesischen Flugzeugvermietern, die den Jet aber noch nicht an eine Fluggesellschaft verleast haben.
Erstpublikation: 29.05.2023, 14:48 Uhr.