Versicherung, Geldanlage, Gehalt: Fünf Finanztipps für Berufseinsteiger
Mit dem ersten eigenen Gehalt ergeben sich einige Änderungen: Versicherungen, aber auch die Geldanlage werden dann Thema.
Foto: DigitalVision/Getty ImagesMünchen, Frankfurt. Ausbildung oder Studium sind beendet, der erste Arbeitsvertrag ist unterschrieben, der Umzug in eine neue Wohnung steht womöglich auch an – endlich geht es nicht mehr nur darum, irgendwie über die Runden zu kommen: Jetzt landet mehr Geld auf dem Konto, und damit beginnt eine neue Phase der persönlichen Finanzplanung.
Berufseinsteiger können jetzt mit dem Aufbau von finanziellen Reserven starten und erste Schritte in Richtung Kapitalmarkt wagen. Zugleich müssen sie aber auch einen Teil ihres Budgets für Versicherungen einplanen. Während der Ausbildung oder im Studium sind junge Leute bei einigen Policen noch über ihre Eltern mitversichert. Doch mit dem eigenen Einkommen ändert sich das.
Worum sich Berufsanfänger möglichst schnell kümmern sollten und welche Finanzprojekte sie anschließend nach und nach angehen können: Im Folgenden finden Sie fünf Tipps.
1. Das Wichtigste zuerst: Die Haftpflichtversicherung
Wer sich noch in der Ausbildung befindet oder studiert, ist in der Regel über die private Haftpflichtversicherung der Eltern abgesichert – unabhängig davon, ob man noch zu Hause wohnt. Mit dem ersten richtigen Job ändert sich das, und man sollte schleunigst eine eigene Police abschließen.
Dabei geht es weniger um den Rotweinfleck auf dem Designersofa, sondern um Unachtsamkeiten, bei denen Menschen invalide werden oder ganze Gebäude abbrennen, was leicht Millionen kosten kann. Eine gute Police zahlt aber auch, wenn fremde Schlüssel verloren gehen oder im Rahmen eines Ehrenamts Schäden entstehen.
Laut Constantin Papaspyratos vom Bund der Versicherten (BdV) ist es die wohl wichtigste Police. Er rät allerdings dazu, nicht jeden Schaden gleich der Versicherung zu melden. „Die Gefahr, die Police gekündigt zu bekommen, ist ungleich höher, wenn immer wieder kleine Sachschäden in der Größenordnung von 100 Euro oder noch weniger gemeldet werden“, erklärt er. Hat die Versicherung einmal gekündigt, ist es schwierig, eine neue zu bekommen.
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Wer das vermeiden will, sollte einen Selbstbehalt vereinbaren. Liegt dieser etwa bei 250 Euro, muss die oder der Versicherte alle Schäden bis zu diesem Betrag selbst begleichen. Die Versicherung greift nur bei Schäden, die darüber hinausgehen. Je höher der Selbstbehalt, desto niedriger kann die Versicherungsprämie sein.
2. Wohin mit Lohn oder Gehalt? Das Girokonto und Tagesgeldkonto
Viele junge Leute haben lange vor dem ersten Job ein Konto. „Der Einstieg in die Berufstätigkeit kann ein guter Anlass sein, um die Konditionen zu prüfen“, sagt Katharina Lawrence, Expertin für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Hessen. Zu den Auswahlkriterien zählt sie neben den Gebühren auch die bereitgestellten Karten und das Geldautomatennetz. „Ganz ohne Bargeld geht es meist noch nicht, deshalb ist es gut, wenn man einen Geldautomaten seiner Bank in der Nähe hat“, so Lawrence.
Auch die aktuellen Tagesgeldkonditionen könnten ein Auswahlkriterium sein. Die Verbraucherschützerin empfiehlt, möglichst rasch ein „finanzielles Notfallpolster“ in Höhe von drei Nettomonatsgehältern aufzubauen. Das kann schnell zugänglich und zugleich verzinst auf einem Tagesgeldkonto geparkt werden.
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Manche Banken bieten Sonderkonditionen für junge Leute bis zur Vollendung des 27. oder 28. Lebensjahres an. Ania Scholz-Orfanidis von der FMH-Finanzberatung hat die Angebote analysiert. „Angesichts der steigenden Zinsen werden auch die Kombi-Angebote mit Girokonto und Tagesgeld für junge Leute immer besser“, sagt sie.
Allerdings sollte man sich nicht von Aktionsangeboten in die Irre führen lassen. „Nach Ablauf eines Aktionszeitraums fallen die Zinssätze häufig deutlich ab. Deshalb sollte man auf die Rendite pro Jahr schauen“, erläutert Scholz-Orfanidis.
Berufsanfänger, deren 28. Geburtstag nicht mehr fern ist, sollten zudem prüfen, wie sich die Kontokonditionen danach verändern. „Häufig bleibt die Kontoführung gebührenfrei, sofern mindestens 700 Euro pro Monat auf dem Konto eingehen“, sagt Scholz-Orfanidis. Mitunter werde aber auch explizit ein Gehaltseingang gefordert.
Besonders gute Konditionen hat mit Stand 4.7. die Comdirect. „Hier bleibt die Kontoführung bei einem monatlichen Geldeingang von mindestens 700 Euro auch über den 28. Geburtstag hinaus kostenlos, und die Tagesgeldzinsen in Höhe von 3,25 Prozent sind bei Eröffnung eines Girokontos für ein Jahr garantiert“, so Scholz-Orfanidis.
3. Wenn im Job nichts mehr geht: Die Berufsunfähigkeitsversicherung
Wer die Haftpflicht und das Konto in der Tasche hat, sollte sich alsbald dem Thema Berufsunfähigkeit (BU) widmen. Kein angenehmes Thema, doch BdV-Experte Papaspyratos zählt auch diese Police zu den Must-haves. Der BU-Versicherer zahlt, wenn die versicherte Person aufgrund einer Krankheit oder infolge eines Unfalls nicht mehr wie in gesunden Tagen ihrem Beruf nachgehen kann.
Hier liegt der zentrale Unterschied zur Erwerbsunfähigkeitsversicherung, die erst dann greift, wenn Sie nicht länger als beispielsweise drei Stunden pro Tag irgendeiner Arbeit nachgehen können. Die BU zahlt bereits eine vereinbarte Rente, wenn der konkrete Beruf nicht mehr wie bisher zu 50 Prozent ausgeübt werden kann.
Grundsätzlich bekommen Personen mit Bürojobs einfacher eine BU als Menschen, die körperlich hart arbeiten. Inzwischen führen aber auch psychische Erkrankungen wie Burn-out immer häufiger zu Berufsunfähigkeit. „Um gut versichert zu werden, sollte man auf keinen Fall allein losziehen und sich eine Police holen“, sagt Papaspyratos.
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Helge Kühl, Versicherungsmakler aus dem schleswig-holsteinischen Neudorf Bornstein, rät, gemeinsam mit einem Makler oder Berater mehrere anonyme Voranfragen bei Versicherungen zu stellen. Bei der Berufsunfähigkeitsrente sollte man großzügig sein. 60 Prozent des Bruttoeinkommens sind, so Kühl, ein guter Anhaltspunkt.
Es lohnt sich, eine Berufsunfähigkeitsversicherung möglichst früh abzuschließen, denn junge Menschen sind in der Regel gesünder. Je weniger Gebrechen man hat, desto geringer ist auch die Versicherungsprämie für die BU. Und: Es zählt die ausgeübte Tätigkeit, die bei Vertragsschluss versichert wurde. Ein Informatiker, der später den deutlich gefährlicheren Beruf eines Dachdeckers ergreift, bleibt also weiterhin versichert.
4. Versichert in den Urlaub: Die Auslandskrankenversicherung
Nun ein angenehmeres Thema: Urlaub. Vor der Reise sollte eine Auslandsreisekrankenversicherung abgeschlossen werden. Auch sie zählt zu den Top-3-Basisversicherungen. Sie übernimmt beispielsweise bei schweren Unfällen oder Erkrankungen den Rücktransport nach Deutschland – ganz gleich von woher. Für alle gesetzlich Krankenversicherten ist die Versicherung ein Muss und auch bei einigen privaten Policen ist der Schutz im Ausland nicht so umfassend wie bei einer separaten Auslandsreiseversicherung.
Ähnlich wie bei der Privathaftpflicht ist der Versicherungsschutz bereits für eine mittlere zweistellige Euro-Summe pro Jahr zu haben. Wichtig ist neben dem Rücktransport, der in jedem Fall versichert sein sollte, auch die maximale Reisedauer. Wer etwa ein sechsmonatiges Sabbatical in Übersee plant, sollte darauf achten, ob der konkrete Tarif auch längere Auslandsaufenthalte einschließt.
5. Vermögen aufbauen: Von Haushaltsbuch bis Depot
Um ihr Studium zu finanzieren, beziehen viele Studierende Bafög oder nehmen einen Studienkredit auf. „Bevor man den mittel- oder langfristigen Vermögensaufbau in Angriff nimmt, sollte man zunächst seine Schulden begleichen“, rät Verbraucherschützerin Lawrence. „Insbesondere junge Menschen, die das erste Mal einen eigenen Haushalt führen, müssen auch erst mal ein Gefühl dafür bekommen, was das Leben kostet.“
Dabei kann – auch wenn es unsexy klingt – ein Haushaltsbuch helfen. Das kann ein Heft aus Papier, eine Excel-Tabelle oder eine Smartphone-App sein. Wichtig ist, dass man die Einnahmen und Ausgaben nach Kategorien ordnet und am Monatsende summiert. Wer mehrere Monate Buch führt, bekommt einen Überblick, wo das Geld bleibt, und kann entscheiden, ob das zu den persönlichen Prioritäten passt oder ob man für bestimmte Dinge gern weniger Geld ausgeben möchte.
Eine solche Budgetplanung kann auch vor einer Verschuldung durch zu hohe Konsumausgaben schützen. „Wir beobachten mit Sorge, dass junge Leute sich verleiten lassen, Kredite aufnehmen und vielfach ‚Buy now, pay later‘-Finanzierungen nutzen“, sagt Lawrence.
Wie stark dies verbreitet ist, zeigt eine repräsentative Yougov-Studie im Auftrag des Inkassodienstleisters Lowell. Demnach finden 40 Prozent der Befragten zwischen 18 und 27 Jahren „Buy-now, pay-later“-Angebote attraktiv. Bei den älteren Befragten waren es nur 25 Prozent. Zudem haben 37 Prozent der jungen Leute schon mindestens einmal einen Kredit aufgenommen.
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Wer keine Schulden hat und auch die empfohlenen drei Nettomonatsgehälter schon auf das Tagesgeldkonto gepackt hat, kann mit dem Aufbau von Vermögen beginnen. „Für die ersten Schritte am Kapitalmarkt eignen sich ETF-Sparpläne, bei denen das Geld breit gestreut wird“, sagt Lawrence. Zu den günstigsten Onlinebrokern zählen derzeit Anbieter wie Trade Republic, Scalable Capital, Finanzen.net und Smartbroker.
Verbraucherschützerin Lawrence hat noch einen weiteren Tipp: „Junge Leute sollten sich über vermögenswirksame Leistungen informieren.“ Dabei zahlt der Arbeitgeber monatlich bis zu 40 Euro in ein Anlageprodukt ein. Die Auswahl reicht von Bausparverträgen bis hin zu Investmentfonds.
Erstpublikation: 09.07.2023, 12:06 Uhr.