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AuktionenStarke Halbjahresbilanz in Paris

Die Pariser Auktionatoren legen meist gute Umsatzahlen für Kunst und Oldtimer vor. Die 110 Drouot-Versteigerer öffnen sich nun doch für fremdes Kapital.Olga Grimm-Weissert 10.08.2023 - 14:08 Uhr Artikel anhören

Das französische Auktionshaus Artcurial versteigert Kunst und Oldtimer. Es konnte den Ferrari 340 America Collection Bart Rosman von 1951 für 5,7 Millionen Euro verkaufen. Foto: Artcurial

Foto: Handelsblatt

Paris. Mit fast einer Milliarde Euro Umsatz schließen die Pariser Auktionshäuser ein so starkes erstes Halbjahr ab wie nie zuvor. Dabei sind die in den letzten Jahren von den internationalen Häusern mitgeteilten Privatverkäufe im jetzt kommunizierten Gesamtumsatz von 950 Millionen Euro noch nicht enthalten.

Die 110 Auktionatoren, Eigentümer der physischen und digitalen Plattform „Groupe Drouot“, können gemeinsam 338 Millionen Euro Umsatz verbuchen. Im Vergleich zur Halbjahresbilanz von 2021 ein Plus von 138 Millionen Euro.

Noch wichtiger als der gesteigerte Umsatz ist die Palastrevolution vom Juni dieses Jahres: „Endlich betreten wir das 21. Jahrhundert“, sagte der leitende Auktionator Alexandre Giquello. Denn die Mehrheit der 110 Drouot-Aktionäre akzeptiert erstmals firmenfremdes Kapital.

Die französischen Versteigerer, also auch die Drouot Groupe, profitierten bis 2001 von ihrem Monopol, das nur französische Auktionshäuser zuließ, nicht aber ausländische. Nun erwarben die Investmentfirmen „Vesper Invest“ und die „Groupe Chevillon“ 30 Prozent der Drouot-Aktien. Mit dem Versprechen, die Marke Drouot zu stärken und den digitalen Ausbau zu finanzieren.

Allen in Frankreich tätigen Auktionshäusern ist seit dem Ende des Monopols der vom Justizministerium eingesetzte „Versteigerungsrat“ übergeordnet. Er reguliert und überwacht des Auktionswesen. Derzeit wird er umstrukturiert. Und heißt jetzt „Rat der Versteigerungshäuser“.

Seine Mitglieder wurden von den 700 französischen Auktionatoren unter ihren Kollegen gewählt, ergänzt um Vertreter des Justizministeriums. Aktuell sind Christie‘s, Sotheby‘s und andere große Auktionshäuser wie Artcurial nicht mehr im Rat präsent.

Die attraktive Fotolithographie von Man Ray versteigerte Piasa für taxgemäße 33.800 Euro. Quelle: Piasa / Xavier Defaix / VG Bild-Kunst

Foto: Handelsblatt

Zurück zu den Umsatzzahlen des ersten Halbjahres 2023. Als Einzelfirma ist Sotheby’s mit Kunstverkäufen im Wert von 146 Millionen Euro in Paris bestens platziert, wozu noch 20 Millionen Euro für die von RM Sotheby’s versteigerten Automobile kommen. Christie’s gibt sich mit bescheidenen 114 Millionen Euro zufrieden.

Das Auktionshaus Artcurial setzte 103 Millionen Euro um, mit Kunst aber auch mit schnittigen Oldtimern. Der „Ferrari 340 America Collection Bart Rosman“ von 1951 liess sich für 5,7 Millionen Euro zuschlagen.
Das aufsteigende englische Auktionshaus Bonhams, das im Vorjahr die Pariser Versteigerer Cornette de Saint Cyr aufkaufte und nun arg lang Bonhams Cornette de Saint Cyr heißt, schließt seinerseits mit 53,2 Millionen Euro ab. Während der zwischen Paris, Nizza und Brüssel tätige Versteigerer Alexandre Millon in Frankreich 47,8 Millionen Euro bilanziert.

Das langsam expandierende Haus Ader-Nordmann-Dominique verzeichnet 32,5 Millionen Euro. Knapp gefolgt mit 32 Millionen Euro von Piasa, dem Versteigerungshaus, das einem Dutzend Kunst-affinen Investoren gehört. Der für sein Angebot von Napoléon-Souvenirs bekannte Auktionator Jean-Pierre Osenat muss sich mit 22 Millionen Euro begnügen, der einstige Marktführer Tajan, von Rodica Seward geleitet, mit 17 Millionen Euro.

Belastende Gerichtsverfahren

Bisweilen belasten Anklagen und Gerichtsverfahren die Auktionatoren. Das von Pierre Bergé & Associés gegründete Auktionshaus musste seine Tätigkeit eine Zeit lang einstellen, da sein früherer Direktor und sein Archäologie-Experte angeklagt sind. Angeblich versteigerten sie im Nahen Osten geplünderte Objekte. Seit März führt der frühere sozialistische Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg das Auktionshaus Pierre Bergé & Associés zusammen mit zwei Versteigerern und Finanziers. Bislang organisierten sie allerdings nur eine Auktion in Paris sowie eine Pferdeauktion im Juli.

Bisweilen lässt sich im Auktionssaal Merkwürdiges beobachten. Sotheby’s versteigerte am 6. Juli den Nachlass des Schauspielers und Schriftstellers Peter Ustinov. Dort schien es so, als ob Auktionator Pierre Mothes einen Online-Bieter im Glauben ließe, es gäbe Telefongebote gegen ihn, um den Zuschlagpreis für ein Objekt im Wert von etwa 1.200 Euro zu erhöhen.

Die drei Angestellten, darunter eine Auktionatorin, die am Telefondesk saßen, krümmten sich vor Lachen. Das konnte sehen, wer wie das Handelsblatt im Saal anwesend war. In seiner Stellungnahme weist Sotheby‘s diese Behauptung entschieden zurück:

„Sotheby‘s führt alle seine Geschäfte in strikter Übereinstimmung mit seinen Geschäftsbedingungen durch.“ Es sei für alle Bieter wichtig zu wissen, dass der Auktionator die Versteigerung eines Loses durch Abgabe eines Gebots im Namen des Verkäufers eröffnen könne.

„Der Auktionator kann im Namen des Verkäufers weitere Gebote bis zur Höhe des Mindestgebots abgeben, indem er auf ein Los ein Gegengebot oder ein Folgegebot abgibt. Der Auktionator wird im Namen des Verkäufers keine aufeinanderfolgenden Gebote abgeben, die über den Mindestbetrag hinausgehen.“
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Auch bei der Versteigerung der Sammlung von Hélène Leloup am 21. Juni geschah bei Sotheby‘s Erstaunliches. Für das wertvolle Gemälde „Head of Woman“ von Francis Bacon gab es gar kein Gebot im Saal. Der Auktionator steigerte es gleichwohl hoch.

Sprunghaft zum Endpreis

Als plötzlich Mario Tavella, CEO von Sotheby’s Frankreich, eine ungewöhnliche Zahl unelegant in den Saal rief: „5.375.000 Euro“ – das dürfte wohl der Garantie entsprechen und ergibt einen Endpreis von 6,4 Millionen Euro. Sotheby‘s erklärt dazu: „Sotheby‘s hat im Namen des Kunden ein Vorausgebot abgegeben.“

Der Telecom-Milliardär und Sotheby's Eigentümer, Patrick Drahi, wird mit geschätzten 10,7 Milliarden Euro dank seiner Firma Altice an dreizehnter Stelle der Reichsten Frankreichs geführt. Seit Mitte Juli befindet sich Drahi jedoch in einer höchst unangenehmen Lage.

Ermittlungen gegen Drahis Geschäftspartner

Die portugiesische Justiz verdächtigt Armando Pereira, Drahis Partner und im Jahr 1991, Mitbegründer der Firma Numericable, die in Altice umbenannt wurde, des Betrugs, der Korruption, Geldwäsche und Steuerhinterziehung. Nach mehrtägiger Untersuchungshaft Mitte Juli steht Pereira in Portugal unter Hausarrest.

Französische Medien bezweifeln, dass Patrick Drahi nichts von den zu untersuchenden Praktiken seines langjährigen Partners Pereira bei „Altice Portugal“ wusste. Drahis Imperium ist mit 55 Milliarden Euro verschuldet. Auch Sotheby‘s erwarb er kreditfinanziert.

Auf der Konferenz zu den Quartalszahlen von Altice distanzierte sich Drahi Anfang dieser Woche von Pereira, indem er behauptete, er sei „von einigen Individuen verraten und betrogen“ worden. Seinen misstrauischen Kreditgebern kündigte er den Verkauf von Rechenzentren in Portugal an, denen weitere Verkäufe folgen würden.

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Laut Wirtschaftsexperten sei der Verkauf von Sotheby‘s nicht aktuell. Der immense Bau für Sotheby‘s Frankreichsitz im teuersten Pariser Viertel im 8. Arrondissement soll 2024 fertig werden.

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